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Filmkomponist Hans Zimmer in der Arena

Arena Leipzig Filmkomponist Hans Zimmer in der Arena

„The Da Vinci Code – Sakrileg“, „Spider Man“, „Gladiator“, „Angels and Demons“ – die Liste der Filme, die Hans Zimmer mit ganz neuen Klanggewändern überformt, ist lang. Nun ist der Filmkomponist auf Europatournee – am Mittwoch war er in der Arena Leipzig zu Gast.

Filmmusikkomponist Hans Zimmer (4.v.r) in der Arena Leipzig. Im Rahmen seiner Europatournee gibt der Oscarpreisträger zwei Konzerte in Deutschland.

Quelle: dpa

Leipzig. Eine vollständige Liste der Auszeichnungen wäre Haarspalterei für ein Schaffen, dessen Ehrungen schon jetzt viel umfangreicher sind als so manch komplette Werkverzeichnisse. Seit Ende der 80er Jahre schwebt der aus Frankfurt stammende Musikmogul Hollywoods durch eine Bilderbuchkarriere. Deshalb ist es legitim, dass er sich zum anstehenden 60. Geburtstag eine reiselustige Feier gönnt.

Die in der randvollen Arena Leipzig zusammengeströmten Fans sind allenfalls ein Bruchteil der Abermillionen Zuschauer der Filme, denen Hans Zimmer mit seiner Musik einen Stempel aufdrückt. Der erfolgsverwöhnte Filmkomponist, Produzent und Arrangeur kleckert auch nicht bei seiner Europa-Tournee, die am 29. Juni in Mailand endet. Die Bandbesetzung listet 21 Namen, das sind etwa 20 weniger als tatsächlich Musiker auf dem Podium, rund 15 Vocals nicht mitgerechnet.

„The Da Vinci Code – Sakrileg“, „Spider Man“, „Gladiator“, „Angels and Demons“ – die Liste der Filme, mit denen Hans Zimmer die Filmgeneration seit etwa 1990 mit ganz neuen Klanggewändern überformt, ist lang. Da gehorcht eigentlich nur „König der Löwen“ noch dem früheren Regelvokabular. Hans Zimmers Musik hat die Gesamtdramaturgie der jüngeren Blockbuster verändert. Dass er dabei oftmals ganz ohne Melodien ankommt, findet große Bewunderung bei Künstlern anderer performativer Sparten.

In den Filmen selbst und von Klangkonserven, das ist der Erkenntnisgewinn in der Arena Leipzig, wirkt seine Musik weitaus technischer und vielleicht auch kühler als im Konzert. Natürlich spielt Hans Zimmer mit allen verfügbaren innovativen Möglichkeiten, und natürlich werfen sich die Musiker seiner Band mit viel Theatralik auf ihre Instrumente. Aber im radebrechenden Wechsel zwischen fast vergessenem Deutsch und Easyrider-Slang lobt der Wahlamerikaner aus Hessen vor allem deren künstlerische Fähigkeiten: „Kein Jurist oder Mediziner studiert so lang an den Universitäten wie Musiker an ihren Instrumenten, die sie oft schon länger spielen als ihre Kindheitserinnerungen zurückreichen.“

Bei neuen Klangerfindungen setzt Hans Zimmer bis heute auf jahrelange und vertraute Kollegen wie Steve Mazaro, Nick Glennie-Smith und viele andere. Damit zeigt er weitaus mehr Kontinuität und Treue, als man im schnelllebigen Showbiz sonst findet.

In der Programmfolge wechseln getragene Balladen und rhythmisch attackierende Sätze. Letztere überwältigen am meisten. Denn esoterischer Hall, Volksmusik verfremdet durch exotisch anmutende Instrumente und rhythmische Modifikationen, Liedhaftes vom Synthesizer sind bekannte Griffigkeiten aus der musikalischen Trickkiste.

Hans Zimmer bereitet so etwas immer äußerst gekonnt auf. Der einzigartige Individualist ist er jedoch in den Rhythmusflächen. Diese tragen bei ihm über viele Minuten, die man gar nicht mehr zählt, weil man hellwach oder in Trance den Pulsfrequenzen, dem Drive und den ganz ausgetricksten Steigerungen verfallen kann.

Das ist etwas Eigenständiges, Zukunftsfähiges – und vor allem ganz anders als die im Wagner-Puccini-Sound verstrickten sinfonischen Filmergüsse. So etwas gibt es bei Hans Zimmer natürlich auch, doch diese Seite seiner Kreativität lässt der Meister in seinem Konzert nur an einem ganz schmalen Rand zu. Im lauten Schlussjubel bündeln sich Gedenken und Bewundern nach der Suite „Inception“, die Hans Zimmer den Opfern von Manchester widmet.

Von Roland H Dippel

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