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Filmschaffender Markus Imhoof erhält Gilde-Preis: "Das ist Schwarm-Intelligenz"

Filmschaffender Markus Imhoof erhält Gilde-Preis: "Das ist Schwarm-Intelligenz"

Vier Tage war Leipzig wieder einmal die deutsche Kino-Hauptstadt. Über 1000 Gäste, Kinobetreiber, Verleiher, und Produzenten, kamen, um 67 neue Filme anzusehen und über ihren Einsatz im Kino zu diskutieren, über die Zukunft und Probleme der Arthouse-Theater (783 Säle, 17 Prozent Marktanteil) zu reden und die 35. Gilde-Filmpreise zu vergeben.

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Markus Imhoof (l.), Roman Paul, Katja von Garnier, Gerhard Meixner, Margarethe von Trotta, Bettina Brokemper.

Quelle: Uwe Frauendorf

Leipzig. Für Christian Bräuer, Vorsitzender des Arthouse-Verbandes AG Kino - Gilde, der die Filmkunstmesse seit 2001 in Leipzig veranstaltet, ist dieser Gilde-Preis eine "Liebeserklärung an die Filmkunst und die Filmkünstler, die diese Werke schaffen". So wie Markus Imhoof. So wie Margarethe von Trotta.

Es traf sich nicht schlecht, dass der Schweizer Imhoof (Emigrantendrama "Das Boot ist voll", 1981) am Preis-Abend seinen 72. Geburtstag beging - und als Geschenk von den Programmkino-Betreibern für den Dokfilm "More than Honey" (Thema: Sterben der Bienen) einen Gilde-Preis bekam. Sein denkwürdiger Dank-Satz: "Wenn ich eine Biene wäre, würde ich sagen: Das ist Schwarm-Intelligenz." Ein Preis auch für Katja von Garnier ("Bandits"), die nach zehn Jahren in Amerika mit dem Kinderfilm "Ostwind" zurückgekehrt ist - 820 000 Besucher in sechs Monaten und immer noch mit 55 Kopien im Einsatz. Nun hofft sie, dass ihr Pferdemädchen-Drama noch die Million schafft.

Nach acht Jahren Hartnäckigkeit und Geldsammeln haben es Regisseurin Margarethe von Trotta und Produzentin Bettina Brokemper geschafft: "Hannah Arendt" lief im Kino und kam überraschenderweise auf fast 500 000 Besucher, noch dazu in einer zweisprachigen Version. "Ich empfinde das als ein Wunder", bedankte sich Margarethe von Trotta ausdrücklich für diesen Mut bei NFP-Verleihchef Christoph Ott.

Der Gilde-Preis international ging an "Das Mädchen Wadjda", den ersten Spielfilm aus Saudi-Arabien, der durch eine extra ins Leben gerufene Kommission für den Oscar eingereicht wurde und den die Berliner Roman Paul und Gerhard Meixner mit vielen Schwierigkeiten produziert hatten. Regisseurin Haifaa Al Mansour war nicht in Leipzig. Sie promotet derzeit den Film in den USA. In Deutschland bringt er es nach erst drei Wochen auf 60 000 Zuschauer.

Dass die Programmkinos die tragende Säule des deutschen Films sind, betonte am Nachmittag Frank Völkert, stellvertretender Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA), beim Vorstellen der Programmkinostudie 2012. Sie haben einen Besucher-Marktanteil von 12,6 Prozent (17,1 Millionen) und einen Umsatzanteil von elf Prozent (113,3 Millionen Euro) am Gesamtmarkt. Frank Völkert: "Das ist eine stabile Situation ohne große Veränderungen, aber mit Luft nach oben."

Allerdings unterscheidet sich die Besucherstruktur der Arthouse-Kinos schon sehr von denen der großen Kinoketten. Stark vertreten sind Über-50-Jährige und Über-60-Jährige (fast 30 Prozent), von denen jeder Fünfte (19,9 Prozent) siebenmal oder häufiger pro Jahr ins Kino geht. Auf dem Gesamtmarkt liegt diese Zahl bei nur zehn Prozent. Der Anteil der Arthouse-Kinobesucher bis 19 Jahren leicht auf 8,6 Prozent gestiegen. Das Durchschnittsalter der ArthouseKinobesucher lag mit 47 Jahren um elf Jahre über dem der Gesamt-Kinobesucher. Eher Frauen (58,6 Prozent) als Männer gehen ins Arthouse-Kino, entscheidend für den Filmbesuch sind Thema und Story (48,5 Prozent), der Anreiz zum Kinogang kommt aus privaten Empfehlungen und Zeitungen. Was sich deutlich vom Gesamtkinobesuch unterscheidet. Da kommt der Anreiz aus der TV-Werbung und den Kino-Trailern.

Eine anhaltend schmerzliche Entwicklung registriert die FFA beim Kinobestand. So verschwanden zwischen Dezember 2011 und Juli 2013 insgesamt 40 Leinwände (derzeit: 4600) und 26 Kinostandorte (derzeit: 900). Seit 2006 sind sogar 248 Leinwände und 121 Standorte, vor allem in den Städten unter 20 000 Einwohnern, mangels Rentabilität verschwunden. Frank Völkert: "Die Folge ist eine reduzierte öffentliche Aufmerksamkeit für den Film."

Womit das Problem der vielen Filmstarts (1. Halbjahr 2013: 264) weiter zugespitzt wird. Insgesamt gab es im ersten Halbjahr 63 Millionen Kinobesucher (etwa so viel wie auch im Jahr 2012), sind nun 84 Prozent aller Kinosäle digitalisiert und gibt es 1916 Leinwände (42 Prozent), die Filme in 3D (Besucher 2012: 27 Millionen) zeigen können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.09.2013

Norbert Wehrstedt

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