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Filmstars steigen in nachgebaute Kanalisation - Dreharbeiten im Leipziger Osten für "Hidden"

Filmstars steigen in nachgebaute Kanalisation - Dreharbeiten im Leipziger Osten für "Hidden"

Der Ort wirkt schon ohne Ratten extrem ungemütlich: Auf blankem kaltem Gemäuer liegt eine alte Matratze, darüber baumeln ein ehemals weißes Unterhemd und ausgetretene Schuhe.

Leipzig. Auf dem Boden stehen ein Lederkoffer und ein Eimer als Klo-Ersatz. „Das ist unsere Villa“, sagt Benno Fürmann (38). Er trägt einen schmutzigen Pullover, alte Stoffhosen und Gummistiefel und spielt im Film „Hidden“ („Versteckt“) einen Juden, der im Jahr 1943 auf der Flucht vor den Nazis wochenlang in der Kanalisation lebt; zusammen mit weiteren Bewohnern eines jüdischen Ghettos. Die auf einer wahren Begebenheit beruhende deutsch-polnisch-kanadische Koproduktion unter der Regie der 1948 in Warschau geborenen Agnieszka Holland („Hitlerjunge Salomon“) wird derzeit in Leipzig gedreht.

Fürmann gehört zusammen mit Herbert Knaup (53) und Maria Schrader (44) zu den deutschen Hauptdarstellern. Alle drei spielen Juden, die im Zweiten Weltkrieg im damals polnischen Lwow (Lemberg) 14 Monate lang von einem polnischen Kanalarbeiter und Gelegenheitsdieb versteckt und versorgt wurden. „Es ist ein schwieriger Dreh: Der Großteil des Films spielt in der Kanalisation. Die Schauspieler stehen stundenlang im Wasser“, berichtet Mitproduzent Marc-Daniel Dichant vom „Schmidtz Katze Filmkollektiv“. In einer Halle am Stadtrand von Leipzig wurde aus Holz die Kanalisation nachgebaut - samt Gullideckeln, einströmendem Wasser und Dunkelheit.

„Wir steigen aber auch noch in eine richtige Kanalisation in Polen“, berichtet Knaup. „In Wirklichkeit wird es da unten aber noch schlimmer gewesen sein: der Gestank, die Ratten, die ganzen Krankheiten, Ekzeme, Ausschläge. Man kann sich nicht vorstellen, wie schlimm das Leben da unten ist.“ Knaup spielt einen Industriellen, der samt Ehefrau und zwei Kindern wochenlang im unterirdischen Labyrinth haust. In der Realität hätten sich einst 20 Juden dort versteckt, weiß Dichant. 12 von ihnen hätten es irgendwann nicht mehr ausgehalten und seien ans Tageslicht zurückgekehrt. „Von ihnen hat keiner den Krieg überlebt.“

Das Drama wird in drei Sprachen gedreht: deutsch, polnisch und jiddisch. „Weil ich ein polnischer Jude bin, spreche ich seit eineinhalb Monaten täglich polnisch“, sagt Knaup, der die Fremdsprache des östlichen Nachbarlandes vorher noch nicht konnte, und meint: „Der Kampf, den man hier als Schauspieler mit der Sprache hat, überträgt sich aufs Spiel.“ Wann der Film, der auch in Berlin gedreht wurde, in die Kinos kommt, steht noch nicht fest.

Sophia-Caroline Kosel, dpa

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