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Flucht in die DDR: Rechercheprojekt „Die sozialistische Nachtigall“ in der Nato

Premiere Flucht in die DDR: Rechercheprojekt „Die sozialistische Nachtigall“ in der Nato

Nach langer Vorbereitung hat am Freitag „Die sozialistische Nachtigall“ in der Nato Premiere. Ein Stück über Menschen, die ihre Heimat verließen, um in der DDR glücklich zu werden. Ein politisch Verfolgter, der Ende der 40er Jahre vor dem griechischen Bürgerkrieg flieht, ein ungarischer Balletttänzer, ein Syrer, der zum Studium kommt, eine bulgarische Zahnärztin, ein Vertragsarbeiter aus Vietnam.

Ensemble der „sozialistischen Nachtigall“: Manuel Wagner, Corina Hofner, Theresa Neumann, Martin Wendig und Max Redwanz (von links)

Quelle: peer

Leipzig. Es ist ja nicht so, dass Carla Niewöhners Leben ohne ihr Leipziger Projekt ereignislos geblieben wäre. Nach dem Umzug von hier nach Köln und dem Studienabschluss dort assistierte die Regisseurin in Aachen und Münster und inszenierte am Schauspielhaus Bochum. Nebenbei bastelt sie seit zwei Jahren am eigenen Vorhaben. „Das Thema treibt mich einfach um“, sagt die 34-Jährige. Ein Thema, das seither nicht an Aktualität verloren hat.

Nach langer Vorbereitung also hat „Die sozialistische Nachtigall“ am Freitagabend im Soziokulturzentrum Nato Premiere. Ein Stück über Menschen, die ihre Heimat verließen, um in der DDR glücklich zu werden. Ein politisch Verfolgter, der Ende der 40er Jahre vor dem griechischen Bürgerkrieg flieht, ein ungarischer Balletttänzer, ein Syrer, der zum Studium kommt, eine bulgarische Zahnärztin, ein Vertragsarbeiter aus Vietnam. Die Bühnenfiguren haben reale Vorbilder, Niewöhner hat sie getroffen und insgesamt zehn Stunden lang interviewt.

„Manche haben sehr persönlich von sich und ihrer Familie erzählt“, berichtet sie, „andere ihre Erlebnisse ins politische Geschehen sortiert“. Dem Ensemble aus fünf Schauspielern und der Regisseurin war es wichtig, die Worte der Einwanderer unverändert auf die Bühne zu bringen. Den Anspruch, die Biografien eins zu eins widerzuspiegeln, erhebt die Gruppe aber nicht. Vielmehr sollen die authentischen Fälle „alle Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Migration im Allgemeinen“ verdeutlichen.

Die Realität führt jede Pauschalierung ad absurdum

Ganz automatisch führen die fünf Lebensgeschichten jede Pauschalierung in Zeiten von AfD und Pegida ad absurdum. „Hinter jeder noch so großen Zahl stecken am Ende genauso viele einzelne Menschen“, sagt Manuel Wagner, 28, der den syrischen Studenten verkörpert. Theresa Neumann – die bulgarische Zahnärztin – glaubt, dass sich die gegenwärtige Flüchtlingsdebatte aus dem Stück nicht heraushalten lasse, „da müssen wir den aktuellen Bezug gar nicht ausdrücklich erwähnen“. Erst am Schluss werde eine Brücke in die Jetztzeit geschlagen, sagt die 24-Jährige.

Obwohl das Ensemble „keinen Weichzeichner“ einsetze – „Integration ist nicht einfach“, so Niewöhner – beschreibt die Inszenierung letztlich positive Erfahrungen: Alle fünf Einwanderer haben in der DDR und im wiedervereinten Deutschland Fuß gefasst. „Ihre Geschichten zeigen, wie wenig ausreicht, dass Menschen ankommen können“, sagt Wagner.

Überrascht habe sie, wie sehr auch die DDR ihre Migranten nach mutmaßlicher Nützlichkeit aufnahm, ergänzt Niewöhner. Kritik daran steckt schon im Titel, der sich an Hans Christian Andersens Märchen von „Des Kaisers Nachtigall“ anlehnt. Sie wird vom Hof gejagt, als eine blecherne Kollegin vermeintlich effizienter singt. Um öffentliche Förderung bemühte sich die Theatergruppe ihrerseits vergeblich – und stemmt das Mammutprojekt nun mit ehrenamtlichem Engagement plus einiger privater Kleinsponsoren. „Wir stecken viel Herzblut hinein“, sagt Wagner, „weil es nicht oft möglich ist, so zu arbeiten“.

„Die sozialistische Nachtigall“, Premiere Freitag, 20 Uhr, zudem Samstag, 20 Uhr, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 46), Eintritt 12/8 Euro

Von Mathias Wöbking

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