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Forum Zeitgenössischer Musik feiert 25-Jähriges

Festival zum Jubiläum Forum Zeitgenössischer Musik feiert 25-Jähriges

Das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig (FZML) feiert ab Dienstag im Werk 2 Leipzig sein 25-jähriges Bestehen mit dem Festival „Altzeit NEU“. Wir sprachen mit Thomas Christoph Heyde (42), seit 2003 künstlerischer Leiter.

Feiern das erste Vierteljahrhundert mit einem dreitägigen Festival: FZML-Chef Thomas Christoph Heyde, Anne Todt und Stefan Thielicke (v. l.).
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig (FZML) ging aus Mitgliedern der Gruppe Neue Musik Hanns Eisler sowie verschiedenen Künstlern, Autoren, Wissenschaftlern und Journalisten hervor – und sorgt seitdem für Impulse wie für Irritationen, kooperiert mit anderen Sparten. Ab Dienstag feiert das FZML im Werk 2 Leipzig sein 25-jähriges Bestehen mit dem Festival „Altzeit NEU“. Wir sprachen mit Thomas Christoph Heyde (42), seit 2003 künstlerischer Leiter.

Können Sie über Hape Kerkelings „Hurz“ als Parodie auf Neue Musik lachen?

Natürlich. Ich kann sogar über originäre Neue Musik lachen, die manchmal wie eine Parodie daherkommt!

Fühlt man sich als Vertreter Neuer Musik, in der Rolle des Suchers nach neuen Welten und Verbindungen, als Spinner missverstanden?

Erst einmal gilt es festzustellen: Die Mehrheit der Bevölkerung kommt mit Neuer oder Zeitgenössischer Musik kaum in Berührung. Allerdings bricht seit vielen Jahren die Musik stärker aus ihren Rändern aus. Aus dem populären Kontext, der Independent-Musik, aus der Medienkunst et cetera schwappt sehr viel in den Kunstkontext und damit auch in die Zeitgenössische Musik herüber. Es findet eine Vermengung statt, die das Spinnerte interessant macht.

Das Forum hat vor ein paar Jahren Konzerte in der Reihe „FreizeitArbeit“ veranstaltet – bei einer Burger-Kette, auf einem Friedhof, im Bordell, im Krankenhaus. Was war das Ziel?

Es ging darum, die Welten von Arbeit und Freizeit zu vereinen, an gewöhnlichen Orten Hemmnisse gegenüber zeitgenössischer Musik abzubauen, für Diskurs zu sorgen. Ich möchte Kunst als einen lebendigen Teil der Gesellschaft verstanden wissen. Nicht zuletzt empfinde ich es als enorme Bereicherung, sich von Künstlern anderer Genres inspirieren zu lassen – eins der Hauptanliegen des Forums.

Wie waren die Reaktionen?

Die Reihe hat für viel Zuspruch und Publikums-Wachstum gesorgt. Kritik gab es am Konzert im Bordell, weil es der Prostitution eine Bühne gegeben hat. Das würde ich heute nicht mehr machen. Im Boulevard fiel das Wort „Steuerverschwendung“, und im Folgejahr bekamen wir tatsächlich weniger als die Hälfte an Fördermitteln.

Höhe und Art der kommunalen Unterstützung hat sich stark verändert. 2007 gab’s 4000 Euro Projektmittel, in diesem Jahr 51 000 institutionelle Förderung. Wie haben Sie das hinbekommen?

Ich neige zur Diplomatie, wenn es darum geht, um Förderung zu streiten. Und das FZML hat definitiv ein Recht darauf. Zum 20-jährigen Bestehen des Forums bin ich aber fordernder aufgetreten, weil es ein Ungleichgewicht gab: Bund und Land förderten uns längst, wir sind mit Preisen ausgezeichnet worden – doch von der Stadt kam sehr wenig. Das konnte nicht so weitergehen, und das habe ich vermittelt.

Das Gründungsdatum des Vereins ist der 8. 11. 1990. Im Grunde wird das Jubiläum zu spät gefeiert.

Vorbild ist die Stadt Leipzig – die feiert auch recht kurz hintereinander zwei weit auseinander liegende Jubiläen. Im Ernst: Man kann die konstituierende Sitzung feiern oder den Eintrag ins Vereinsregister. Und die kam 1991 – übrigens unter der schönen Nummer 1111.

In den Veranstaltungskalendern des Forums ist das Jahr 2015 leer geblieben. Wie kam das?

Im Jahr davor haben wir mit „Cage 100“ ein extrem opulentes Projekt gestemmt, haben Veranstaltungen in über 30 Ländern organisiert. Als Verein mit stark begrenzter administrativer Struktur sind wir – nach dem ebenfalls aufwendigen Hörspielprojekt zuvor – an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen, auch finanziell. Deswegen war eine Pause unvermeidbar, auch um Abrechnungen abzuwickeln und Neues langfristig vorzubereiten.

Zu Ehren von John Cage haben Sie die weltweit größte Gemeinschaftskomposition, „125 Party Pieces“, 2013 in New York uraufgeführt. Sind Sie mit der Leipziger Europa-Premiere vom Januar zufrieden?

Ein außerordentliches schönes Ereignis. 125 Musiksprachen von 125 Komponisten in einem Werk zu erleben, ist irre. Der Abend im UT Connewitz war ausverkauft, das Medienecho riesig.

Haben Sie ein Faible für solche Kraftakte?

Ich empfinde großes Vergnügen an organisatorischen und administrativen Herausforderungen. Wir leben in einer stark vernetzten Welt mit zahlreichen Strängen, die nicht immer durchschaubar sind. Dieses Verknüpfen, das überregionale und internationale Zusammenspiel, das reizt mich.

Ihr Büro ist in Neuschönefeld, einem auffällig normalen Viertel ohne Hipster und Kreativszene, im Stadtbild quasi ein Außenseiter – örtliche Entsprechung eines künstlerischen Selbstverständnisses?

Durchaus. Der Leipziger Osten ist rau, echt, unverstellt. Die Leute laufen hier weder mit teurem Designer-Kinderwagen noch in Scharen mit Ökobeuteln rum. Ich arbeite sehr gern hier, mir ist das sehr sympathisch.

Bislang hat das Forum über 200 Orte bespielt. Wünscht man sich nicht irgendwann eine eigene Spielstätte?

Die Stadt Leipzig wäre gut beraten, sich neben der Unterstützung für die mit großen Namen verbundene Musiktradition auch um ihr jüngeres Erbe zu kümmern. Wir reden dabei über die letzten 100, 120 Jahre – das ist nicht wenig. Eine Produktionsstätte ist dafür sehr wichtig, gern in Verbindung mit anderen Genres. Damit meine ich nicht den nächsten Neubau.

Gibt es etwas, das zu verrückt ist, das Grenzen hat?

Prinzipiell kann und darf Kunst alles verhandeln. Tabus gibt es, wenn es justiziabel wird. Und natürlich gibt es geschmackliche Grenzen. Die habe ich auch, sie sind aber weit gesteckt.

Was erwartet die Besucher bei „Altzeit NEU“?

Zur Vorgeschichte der Vereinsgründung gehört ja die Neue Gruppe Hanns Eisler, die in der DDR den Boden für gesellschaftliche Diskursivität bereitet hat. Darauf wird ebenso der Fokus gerichtet wie auf neue Impulse.

Welche Ziele setzt sich das FZML für die nächsten Jahre?

Vorerst nur soviel: Wir planen etwas besonders Verrücktes, das Grenzen zu anderen Kunstbereichen auslotet und mit dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit verbunden ist. Offiziell wird das im Herbst.

Der Musikwelt sterben gerade die Idole weg – David Bowie, Lemmy Kilmister, Pierre Boulez. Von wem haben Sie Platten im Schrank?

Von allen dreien. Ich bin großer Vinyl-Fan, ich habe Platten von Bowie und Boulez, außerdem einige CDs von Motörhead. Lemmy war einer der authentischsten Rockmusiker, die es je gab.

Festival Altzeit NEU im Werk 2 Leipzig – am ab 19 Uhr Poetry-Revue & Lesung u. a. mit Christian Meyer, Boris Flekler, Julia Berke, Ralph Grüneberger (Musik DJ Filburt); die Einnahmen des Abends gehen an den Mosaik e.V. und für Psychotherapie traumatisierter Flüchtlinge. Festivalticket 28,50/ermäßigt 17,50 Euro; Einzelkarten im Vorverkauf für 12/ermäßigt 7,10 Euro. Weitere Infos auf www.fzml.de.

Von Mark Daniel

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