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Frank Goosen sorgt für Begeisterung

Lesung im Horns Herben Frank Goosen sorgt für Begeisterung

Der Unterhaltungswert war groß, das Gelächter ebenso: Am Mittwoch hat der Bochumer Autor Frank Goosen im Horns Erben sein Best-of-Programm präsentiert – herzhafte Geschichten aus dem Ruhrgebiet sowohl mit spätpubertierenden wie auch älter werdenden Protagonisten.

Herrlicher Erzähler: Frank Goosen im Horns Erben.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Fünf Lampen befunzeln ein einsames Glas Bier auf dem Tresen, der dunkel glänzt. Die Wände sind ebenso dunkel vertäfelt, eine doppelköpfige Stehlampe guckt zum Tisch auf der Bühne. In den Straßen treibt sich der Herbst langsam rum, was die hölzerne Gemütlichkeit drinnen noch verstärkt. Mehr Muschebubu geht in einer Kneipe, die früher eine Schnapsbrennerei war, nun wirklich nicht. Womit der perfekte Ort für eine Lesung von Frank Goosen bereitet wäre, der in den 90er Jahren mit dem „Tresenlesen“ an der Seite von Jochen Malmsheimer begann.

Goosens Geschichten kreisen seither um die Themen Heimat und Männer, das heißt: Bier und Fußball, das heißt: dat Ruhrgebiet, Freundschaften in Feinripp, Trinkhallen und den Verein für Leibesübungen Bochum 1848 Fußballgemeinschaft e.V.; fassen wir’s in ein goosensches Bild: Den Tod bezeichnet er als „finale Grubenfahrt“ auf ein weißes Licht hin, auf „ein blau-weißes“ verbessert er sich.

Aber es geht auch um Musik, mal um „Mädchenmukke“, die Jungs hören, um beim anderen Geschlecht zu landen, mal um englisch-sprachigen Rock, mit dem man sich in den 70ern vom Schlager-liebenden Nazi-Opa distanziert, immer aber um „richtige“ Musik – „Ich hab’s ja geschafft, nie in die Klassik abzurutschen.“ Und so gibt die Popmusik auch die Form des Abends vor, denn Goosen überträgt das (sicher streitbare) Prinzip „Best-of“ auf seine Lesung: „Mein Ich und seine Bücher“ versammelt Kapitel und Geschichten aus den letzten 17 Jahren; von „Liegen lernen“ über „Pokorny lacht“ bis „Förster, mein Förster“ geht der Ritt, immer wieder unterbrochen von launigen Anekdoten des Autors. Goosen liest und erzählt sich von Pointe zu Pointe, spricht alle Dialoge mit Dialekt und verstellter Stimme. Da wird dann das englische Zwiegespräch mit einer kanadischen Hotelangestellten schnell mal mit einem „Hömma!“ eingeleitet. In welchem von Goosens Büchern das jetzt steht? Ob es Goosen in dem Hotel war oder Pokorny? Man weiß es am Ende dieser Lesung nicht mehr (als Top-Journalist der LVZ hat man’s freilich notiert!), wie man überhaupt nicht mehr sicher sagen kann, welche der Stories nun vorgelesen oder einfach erzählt war. Wenn irgendjemand plausibel machen kann, warum „Geschichten“ gern auch „Erzählungen“ heißen, dann Frank Goosen.

Er erzählt von einer absurden Begegnung zweier „Anzugträger“, zu denen er ganz sicher nicht gehören möchte. Seine Figuren heißen Helmut und Toto, sagen „Leck mich am Arsch!“ und machen immer Butter an die Nudeln – wenn Goosen und seine Figuren einen Anzug tragen, dann hat der drei Streifen an Ärmeln und Hose. „Flach spielen, hoch gewinnen“ ist die Maxime, und sie geht auf: Das Publikum biegt sich vor Lachen, die „Geschichten, die auf der Straße liegen“ kennt man eben: Man fühlt mit den Protagonisten, mit dem 15-Jährigen, der sich an seiner Gitarre festklammert, weil er Angst hat, zu dem Mädchen in die Badewanne zu steigen, oder mit dem 50-jährigen, der im Hotel „Drei Hasen“ von halb bis um fünf Uhr Frühstück bekommt und in der viel zu kleinen Hoteldusche vom siffigen Duschvorhang eingewickelt wird.

Das musikalische Best-of-Prinzip kombiniert Goosen mit dem Aufbau eines Fußballspiels: 1. Halbzeit, Bierpause, 2. Halbzeit. Und obwohl nach 90 Minuten der Bochumer Auswärtssieg längst fest steht, geht’s in die Verlängerung, vielen Zugabe-Rufen sei dank. Danach sitzen Autor und Publikum noch lange in der Kneipe – und man drückt Frank Goosen die Daumen, dass später im Hotel nicht wieder ein Känguruh im Nebenzimmer gequält wird.

Von Benjamin Heine

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