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Freude und Tränen beim Fanfest - nocheinmal Randfichten in alter Besetzung

Freude und Tränen beim Fanfest - nocheinmal Randfichten in alter Besetzung

Die deutsche Nationalelf spielt gegen Ghana. Aber echte Randfichten-Fans ziehen die Live-Musik ihrer Idole dem Treiben auf dem Rasen vor. Zumal es das letzte Konzert ist in alter Besetzung.

Leipzig/Ehrenfriedersdorf. "Das lassen wir uns nicht entgehen", sagt Katrin Venus (48) und hakt sich bei Steffen (60) und Silvia Heemeier (52) unter. Die drei gehören zum Chemnitzer Randfichten-Fanclub, tragen grüne Filzhüte und stimmen sich gesanglich schon mal ein. Nicht auf den deutschlandweit bekannten Ohrwurm "Lebt denn der alte Holzmichl noch?".

Echte Fans haben eigene Favoriten. In diesem Fall das Stück "Erzgebirge". Vor einem Jahr hatten es die drei Randfichten - Michael "Michl" Rostig (51), Thomas "Lauti" Lauterbach (50) und Thomas "Rups" Unger (45) - hier auf den Greifensteinen bei Ehrenfriedersdorf uraufgeführt. Für viele die Geburtsstunde einer neuen Hymne. Was Wunder, dass die rund 1500 Gäste bei dem Lied auch aus voller Kehle mitschmettern: "Erz, Erz, Erz, Erzgebirge." Bei anderen Liedern wie "Griene Kliess un Schwammebrie" sind die Mundartler klar im Vorteil, der Rest summt mit und schaut auf von Fans hochgehaltene Holzgabeln mit grünen Tennisbällen dran oder zur Videoleinwand, auf der die Zubereitung eines köstlich aussehenden Suppentopfs mit Brühe und Klößen zu sehen ist.

Zeit, sich was Deftiges vom Grill zu holen. Anstehen muss keiner. Wenn die Randfichten die Bühne erobern, ist an den Gastroständen gähnende Leere. Die Randfichten singen "Junge" von den Ärzten nach ("Un du warst so a guter Bub"). Ärzte-Fans verschlucken sich beim Bier, für den Rest ist es ein Riesenspektakel. Stefan Raabs Maschendrahtzaun-Hit haben sie in "Nadelholzbaum" umgetextet.

Neben der Bühne schwenkt Mandy Bellmann einen Fanschal. Die 34-Jährige steht umschlungen mit ihrem Freund Maik Bohn (49). Die beiden Fotografen haben sich bei einem solchen Fantreffen vor Jahren kennengelernt. "Die Stimmung ist heute super, aber in meinem Innern ist nicht nur Freude", sagt Mandy. "Als der Rups seinen Abschied bekannt gegeben hat, dachte ich erst an einen Aprilscherz. Doch er meint es ernst."

"In der Fangemeinde geht es richtig familiär zu", sagt Maik. Als Mandy und ich ein Paar wurden, haben uns daraufhin auch die Bandmitglieder angesprochen - und gratuliert." Rups habe schwere Zeiten durch. Alkohol, Entzug, Depressionen. Er habe zu Gott gefunden, will jetzt christliche Musik machen. "Wir haben uns das angehört, das ist richtig gut und ehrlich", meint Maik.

Auftritt vom Holzmichl

Und dann steigt ER auf die Bühne, der Holzmichl. Naja, passend zum Text schleppt er sich, liegt mal auf den Dielen, mal verdreht er die Augen, spielt den kranken Mann. Hans Friedrich heißt er, kommt aus dem Erzgebirge und ist über 90. Ein Holzmichl, wie ihn sicher niemand hätte besser schnitzen können. Sein Auftritt ein Kult bei jedem Treffen.

Und das soll nun alles vorbei sein? "Nein, es geht weiter", sagt Nicole Mühlberg. Die 39-Jährige aus Annaberg geht seit 15 Jahren zu den Konzerten. Im Vorprogramm sei die Neue aufgetreten. "Mit ihr könnte es gehen." Das ist nur ein halber Ritterschlag. Echte Fans wollen erobert werden.

Die Neue heißt Marion Frank, hat knielange Krachlederne an und trägt unterm Filzhut einen frechen Kurzhaarschnitt. Eine Frohnatur, wie man hier im Erzgebirge sagt. Ihre Lieder trägt sie kraftvoll vor. Darunter "Komm in unner schienes Arzgebirg" oder "Dr Äppelbaam". Zusammen mit der 2011 tragisch verstorbenen Eva-Maria Weisflog gründete die Scheibenbergerin das Duo "De Orgelpfeifen". Beide brachten die Alben "Do gieht dr ja dr Hut huch" (2008) und "Tierische Weihnacht" (2009) heraus. Nach dem Tod ihrer Mitstreiterin machte Frank als "De klaane Pfeif" weiter.

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Leipzig/Ehrenfriedersdorf. Die deutsche Nationalelf spielt gegen Ghana. Aber echte Randfichten-Fans ziehen die Live-Musik ihrer Idole dem Treiben auf dem Rasen vor. Zumal es das letzte Konzert ist in alter Besetzung. "Das lassen wir uns nicht entgehen", sagt Katrin Venus und hakt sich bei Steffen und Silvia Heemeier vom Chemnitzer Randfichten-Fanclub unter.

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"Ich glaube schon, dass ich ganz gut in die Band passe. Meine Lieder und die der Fichten haben vieles gemeinsam", sagt sie und wird plötzlich nachdenklich, spricht von ihrer verstorbenen Band-Kollegin, der sie so viel zu verdanken hat. "Heute hat beim Auftritt kurz die Sonne geschienen. Ein gutes Zeichen."

Thomas "Lauti" Lauterbach, der mit den anderen zwei Randfichten fleißig Autogramme schreibt, sagt: "Marion ist die richtige Wahl. Sie ist bodenständig wie wir. Einfach, authentisch." Dem stimmt auch Rups zu. Man könnte meinen, alles sei in bester Ordnung.

Doch ganz so ist es nicht. Ursprünglich wollten die Randfichten noch bis zum Jahresende Konzerte geben. Von rund 40 Veranstaltungen war die Rede. Rups wollte es so. Doch die Rest-Randfichten drängen auf den Neuanfang so schnell wie möglich. Der Auftritt auf den Greifensteinen ist der letzte der Band in alter Besetzung. Definitiv. Schon am kommenden Wochenende gibt es den ersten Auftritt vor Fans mit der neuen Sängerin.

Ob er traurig ist, wird Rups gefragt. "Nein, ist doch eine tolle Stimmung hier", antwortet der Sänger. "Kann sein, dass es morgen schon anders aussieht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.06.2014

Dunte, Andreas

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