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Freudvolle Melancholie: Gothic-Chartstürmer Mono Inc. im Haus Auensee

Konzert Freudvolle Melancholie: Gothic-Chartstürmer Mono Inc. im Haus Auensee

Sie haben einen rasanten Aufstieg an die Spitze des deutschen Goth-Rock hinter sich. Obwohl Mono Inc. keine eigentliche Gruft-Band sind. Das Haus Auensee war am Samstagabend sehr gut gefüllt mit Leuten aller Konzert-Altersgruppen, etliche sichtbar der Szene zugehörig, die meisten eher aus der affinen Beobachtergruppe.

Mono Inc. im Haus Auensee.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Gleich die Opener, „Together till the End“ und „The Banks of Eden“ vom taufrischen Album offenbaren ihre Stärken. Das sofort erkennbare Alleinstellungsmerkmal heißt Katha Mia und thront hinter dem Schlagzeug. Von dort diktiert sie nicht nur energisch die Schlagzahl, wobei sie die Dramatik gelegentlich mit druckvollem Doppelbass-Spiel steigert. Vor allem liefert sie mit hoher Stimme jene Gesangslinien, die vielen Stücken die eigentliche Würze verleihen. Ihr Einstieg in die Band, der dem vorherigen Drummer und eigentlichen Kopf Martin Engler den Weg an die Bandfront ebnete, ermöglichte den Durchbruch vor einigen Jahren.

Die Kombination von Dunkel-Stimmen mit feenhaftem Sopran haben die Sisters of Mercy in den 80ern vorexerziert. Mono Inc. verbinden diesen Spirit mit Darkrock à la HIM, der auf einfachen, aber druckvollen Gitarrenriffs basiert und diesen mit Englers unglaublichem Gespür für große Melodiebögen verbindet.

Einen ersten dramaturgischen Höhepunkt setzen sie aber mit einem Gastsänger. Ein Hamburger Koch um die 50 gewann vor Jahresfrist bei einem Fanclub-Wettbewerb den Preis, einmal mit der Band auf einer Bühne stehen zu dürfen. Was normalerweise das Zeug zu einer großen Peinlichkeit hat, wird hier zum rauschenden Erfolg: „Major Voice“ gibt mit beeindruckendem Bass und großer Pose erst einen Mono-Song und dann des längst vergessenen englischen Sängers Black unsterbliches „Wonderful Life“ zum Besten. Frenetischer Jubel, er ist der Sieger der Herzen.

Wahrscheinlich der Gruftschlager des Jahres

Die Band setzt mit einer weiteren Coverversion nach, auch da hat Engler immer ein glückliches Händchen: Gary Moores „After The War“ sorgt dafür, dass der Spannungsbogen nicht bricht. Es folgt ihre Bekenntnis zur dunklen Gemeinschaft, wahrscheinlich der Gruftschlager des Jahres: „Children of the Dark“ ist den meisten noch neu, was aber nichts ausmacht, denn diese Hookline ist derart zwingend, dass sie schon beim ersten Hören mitgesungen werden kann. Wovon die Menge ausdauernd Gebrauch macht.

Der permanente Massenchor wird noch stärker bei „Kein Weg zu weit“, einem Hit aus der kurzen Phase, als sie deutsche Texte probierten. Das wurde in der Szene argwöhnisch betrachtet, es klang nach der Kopie eines unheiligen Erfolgsmodells. In der Tat würde der Song wohl sogar im Programm von Santiano nicht auffallen. Egal, alle singen mit, und die Band tut trotzdem gut daran, es bei diesem einen zu belassen.

Die Stimmung steigern sie auch so mit dem stadiontauglichen „Voices Of Doom“. Verblüffend, wie endzeitverliebter Düsterrock solch enthemmt fröhliche Gemeinsamkeit erzeugen kann. Sie scheinen selbst ein wenig überrascht, wie souverän sie hier ein in keiner Phase gefährdetes Heimspiel gewonnen haben. Und leisten es sich, die euphorisierte Menge lange, wirklich sehr lange Minuten toben zu lassen, bevor sie zum Rausschmeißer auf die Bühne zurückkehren. Dunkle Melancholie kann auch richtig Spaß machen.

Von Lars Schmidt

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