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Friedhelm Eberle spielt Thomas Bernhards „Theatermacher“ in der Moritzbastei

Theater-Solo Friedhelm Eberle spielt Thomas Bernhards „Theatermacher“ in der Moritzbastei

Der Leipziger Schauspieler Friedhelm Eberle kehrt mit seinem wortgewaltigen Theater-Solo „Der Theatermacher“ zurück auf die Bühne der Moritzbastei. In der Rolle des Schauspielers Bruscon wettert er im gewohnten Bernhard-Duktus über den allgegenwärtigen Niedergang – zum Vergnügen des Publikums.

Steht auch mit 80 noch auf der Bühne: Friedhelm Eberle.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Als Thomas Bernhards „Theatermacher“ bei den Salzburger Festspielen 1985 uraufgeführt wurde, ging das Rätselraten los, welcher reale Schauspieler Pate gestanden haben könnte für den fiktiven Schauspieler Bruscon. Für den großen „Staatsschauspieler“, wie er selbst nicht müde wird zu betonen. Für diesen so selbstherrlichen wie herrschsüchtigen Bühnenpatriarchen, der sich mit jedem Wort zu erhöhen versucht und gleichzeitig selbst demontiert.

Einer, der die Rolle des Bruscon wiederum schauspielerisch auszufüllen weiß, als habe Bernhard ihm die Rolle auf den Leib geschrieben, ist Friedhelm Eberle. Mit seiner im Oktober auf die Bühne gebrachten (Fast-)Monologfassung von „Der Theatermacher“ kehrt der Leipziger Schauspieler am 21. und 22. Februar für zwei Auftritte in die Leipziger Moritzbastei zurück.

Eberle, Leipziger Theaterurgestein, im vergangenen Jahr 80 geworden, zuvor 45 Jahre Ensemble-Mitglied am Schauspiel, ist immer noch ein Erlebnis. Seine Präsenz füllt jede Bühne, braucht Raum, den die Veranstaltungstonne der Moritzbastei in ihrem unnachgiebigen Backsteingewand nicht gewährt. Geradezu eine Idealkonstellation, um das Gefühl herauszukitzeln, dass sich einer Fehl am Platz vorkommt. So wie Bruscon es eben als Beleidigung empfindet, im Gasthof von Utzbach spielen zu müssen. In der Provinz. Vor den Banausen. Wo ihn der kunstferne Feuerwehrhauptmann, diese Befürchtung durchzieht den Monolog, zum Ende der Vorstellung sicher nicht die Notbeleuchtung löschen lassen werde, was als Effekt aber unerlässlich sei. Sonst ergebe die ganze Inszenierung seiner Meta-Komödie „Das Rad der Geschichte“ keinen Sinn.

Als „szenische Lesung“ ist der Abend überschrieben. Tatsächlich aber bietet Eberle gestochen scharfes, ganz auf das Wort konzentriertes Solo-Theater, das den eitlen Bruscon-Charakter von allen Seiten beleuchtet. Ein Schauspieler, der die großen Zeiten hinter sich hat. Einer, der, auch befeuert vom heimlichen Selbsthass, umso heftiger auf alle anderen verächtlich ausspuckt. Auch auf die eigene, mit ihm schauspielende Familie.

Gesine Creutzburg, die den Abend mit Eberle erarbeitet hat, nimmt als bemitleidenswerte Tochter eine kurze Bühnenrolle ein. Und kann schauspielerisch – natürlich – den Erwartungen des Vaters nicht gerecht werden.

Eberle, der selbst 38 Jahre lang an der Theaterhochschule den Bereich „Künstlerisches Wort“ unterrichtete, spielt diese Momente aus, jongliert mit Betonungsnuancen, lässt das Gegenüber ins Leere laufen, demütigt es mit Schelte oder resigniertem Mitleid. Der bekennende Bernhard-Fan zelebriert den Text des österreichischen Misanthropen. Wortgewaltig biegt er auf die gedanklichen Nebengleise seines Protagonisten ein, versteigt sich zwischen Eigenlob und Wutreden über die Welt im Allgemeinen und die Utzbacher im Besonderen im Geäst seiner hochmütigen Einschätzungen. Das ist phasenweise hoch komisch – und in der konzentrierten sprachlichen Ausdrucksstärke über den kompletten Abend ein Theater- und Hörgenuss.

Friedhelm Eberle: Der Theatermacher, Moritzbastei, 21. und 22. Feb., 20 Uhr; www.moritzbastei.de

Von Dimo Riess

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