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Frisch und altbacken zugleich: Madsen im Werk 2

Frisch und altbacken zugleich: Madsen im Werk 2

Die Band Madsen mag austauschbar rocken. Ihr Konzert am Freitag im ausverkauften Werk 2 hat demonstriert, dass die Musik live trotzdem mitreißt. Als zu Beginn der Nullerjahre progressive deutschsprachige Bands wie Unkraut aus dem Boden schossen, war es nicht unbedingt die Truppe Madsen, der man den größten Erfolg voraussagte.

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Sänger Sebastian Madsen inmitten seiner Lieben: Madsen, benannt nach drei Brüdern dieses Nachnamens, im Werk 2.

Quelle: André Kempner

e. Zu sehr standen sie im Schatten ihrer Kollegen wie Sportfreunde Stiller; zu wenig gab ihre Musik her, um diese zu übertrumpfen. Doch im Gegensatz zu manch anderen Kombos schafften sie in der schnelllebigen Welt der hiesigen Musikszene das Unfassbare: Sie hielten durch.

Mittlerweile acht Jahre sind seit dem Erscheinen ihres ersten Studioalbums vergangen und noch immer sind Madsen - ebenso wie ihre Fans - der Sache nicht müde geworden, wie ihr Werk-2-Auftritt beweist. Dort hat sich am Freitagabend das bunte Who-is-who der Leipziger Rockjünger versammelt; ein Meer aus gedehnten Ohrläppchen und ausgewaschenen Karo-Hemden, deren Träger gebannt auf die Bühne starren und - obwohl man sich merklich an schwofigen Dirty-Dancing-Klassikern während der Umbauarbeiten erfreut - sehnlichst auf die ersten knarzigen Töne der Prießecker Helden warten.

Und die prasseln während der nächsten zwei Stunden nur allzu heftig auf alle Anwesenden ein. Ohne Umschweife machen sich Madsen daran, fingerfertig über ihre Gitarren zu schrammeln und den Boden unter ihren Füßen mit stampfenden Bässen rhythmisch beben zu lassen. Material dazu haben sie genug: Aus ihren nunmehr fünf Platten präsentieren sie einen angenehmen Mix der, nach dem Geschrei der Besucher zu urteilen, beliebtesten Lieder, denen live überraschend ein ganz neuer Zauber innewohnt.

Denn was auf Kunststoff gepresst selbst nach mehrmaligen Hören manchmal enttäuschend lasch klang, ist plötzlich zuweilen viel kesser. Runder wirkt das alles nun, weil mit viel mehr Rumms beladen und ziemlich energetisch. Das ist insbesondere Sänger Sebastian Madsen zu verdanken. Der hüpft unermüdlich zwischen seinen Bandmitgliedern umher und animiert das willige Publikum zum ungestümen Moshen und freudigem Ausprobieren aller sonst schier undenkbaren Tanzformationen.

Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass Madsen sich selbst nach allen diesen Jahren das musikalische i-Tüpfelchen nach wie vor nicht aufsetzen. So mitreißend ihre Songs sein können, so austauschbar sind sie es auch. Noch immer scheinen sie, wie ihnen von Kritikern schon so oft vorgeworfen wurde, nach dem Baukasten-Prinzip vorzugehen, und schreiben ihre Lieder nach gängigen Regeln des Adoleszenz-Rock. Es ist, als wäre ihre Musik - vor allem in lyrischer Hinsicht - nie dem Jugendzimmer entkommen; frisch und altbacken zugleich. Das verspricht auf Dauer, wie man spätestens nach dem zehnten Stück feststellt, kaum Kurzweiligkeit und langweilt vor allem dann, wenn man am ersten Bier schon vor einiger Zeit genippt hat und den wenig ausdrucksstarken Texten, die beinahe übermäßig kindlich von Sommerliebeleien und der großen Freiheit in jungen Tagen erzählen, nicht mehr sonderlich viel abgewinnen kann.

Anderseits muss irgendwas dran sein, an dieser Band und ihren Klängen. Wie sonst könnte man sich die noch lange nach dem Konzert anhaltende Begeisterung der Massen in dieser Nacht erklären? Vielleicht, weil es letztlich gar nicht so sehr ihre Songs sind, die hier gefeiert werden, sondern vielmehr die schillernden Erinnerungen, die diese heraufbeschwören. Und denen gibt man sich, selbst wenn die Musik nicht zu 100 Prozent passt, doch immer wieder gern hin.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2013

Anne-Sophie Kretschmer

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