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Frischer Blick auf islamische Popkultur

Neue Reihe im Grassimuseum Leipzig Frischer Blick auf islamische Popkultur

Im Grassimuseum ist am Mittwochabend eine Reihe gestartet, die einen Blick auf die Vielfalt islamischer Kultur in Deutschland wirft. Und siehe da: Zahlreiche Muslime kombinieren lustvoll-kreativ die Kulturen. Auch im Bereich der Satire dokumentiert Islamwissenschaftlerin Katharina Pfannkuch, dass Humor und Islam sich nicht ausschließen.

Das „Satire-Kalifat“ der „Datteltäter“ beweist, das Humor und Islam sich nicht ausschließen.

Quelle: promo

Leipzig. Muslimische Punks? 2003 waren die Taqwacores noch weitgehend Fiktion. Doch mit seinem gleichnamigen Roman hat Autor Michael Muhammad Knight ebendiese Bewegung losgetreten, deren Name eine Kombination des islamischen Begriffes für Gottesfurcht (taqwa) und Hardcore ist: Bands wie The Kominas oder die Künstlerin Tesnim Sayar praktizieren ihre Religion in selbstverständlicher Verschmelzung mit der westlichen Welt, in der sie aufgewachsen sind.

Auch in Deutschland gibt es längst zahlreiche Muslime, die so gar nicht dem Klischee entsprechen, das oft durch die Medien geistert. Die Veranstaltungsreihe „Salam Deutschland“ im Grassimuseum, zeigt, dass es „die Muslime“ gar nicht gibt. Ziel ist ein von Vorurteilen unverstellter Blick auf die Vielfalt islamischer Kultur. Zum Auftakt sprach am Mittwoch Journalistin und Islamwissenschaftlerin Katharina Pfannkuch in ihrem bildreichen Vortrag „Mipster & Co“ von verschiedenen muslimischen Popkultur-Strömungen. Sie weiß, wovon sie redet: Viele Protagonisten hat sie selbst gesprochen, ihr Artikel-Portfolio zum Thema ist beachtlich.

Pfannkuchs Ziel ist es, Glaube als individuell-sinnliche Erfahrung durch die ästhetische Brille zu sehen. Seine produktiven Kulturleistungen zu betrachten ist allemal erbaulicher als stets nur die vermeintlich im Dienste der Religion ausgeübte Zerstörungswut von Islamisten.

Es beginnt mit Äußerlichkeiten: Mode-affine Frauen, die die religiöse Pflicht der Kopfbedeckung (Hijab) gern als Erweiterung ihres Repertoires sehen, nennen sich „Hijabistas“. Die Verhüllung der Frau im Islam wird längst nicht mehr überall als Unterdrückung wahrgenommen. Von einer Modelabel-Chefin erfährt Pfannkuch: „Dadurch, dass ich mich verhülle, stelle ich mich auf eine Stufe mit Männern, denn die haben einfach nicht so viele Reize wie Frauen.“ Ätsch!

In der modernen Großstadt ist der Weg von den Hijabistas zu den „Mipsterz“ nicht weit. Die oft belächelte Hipsterkultur in ihrer Eigenart, Traditionen in ironischer Weise zu kopieren und neu zu kombinieren, scheint ideal zu einem modernen, in Einklang mit westlicher Kultur belebten Islam zu passen. Abwertung ist dem Begriff fern, viele Mipster bezeichnen sich selbst als solche.

Dass das Musik- und Tanzverbot im Islam weniger verbreitet ist, als das Klischee vermuten lässt, zeigt Pfannkuch an erfolgreichen Musikern wie dem Hip-Hop-Duo Poetic Pilgrimage oder der Singer-Songwriterin Yuna. Humor traut das Vorurteil dem Islam am wenigsten zu. Dabei gehört das „Satire-Kalifat“ der „Datteltäter“, die „Klischees den Bildungsjihad“ erklären, zum Lustigsten, was die youtube-Szene aktuell zu bieten hat. Auf dem Portal „i Slam“ sammeln sich junge Muslime, die bravourös und humorvoll mit deutscher Sprache jonglieren – besser, als es den meisten Montagsgrölern gelingt.

Dass muslimische Menschen in Deutschland sich nicht geduckt und still verhalten, sondern ihre Religion selbstverständlich in den Alltag integrieren, gehört wohl zum Alptraum jedes „Besorgten“, obwohl es ihnen genau darum gehen sollte: Aktive Teilhabe an der umgebenden Kultur und Gesellschaft. Mit ihrem Schaffen zeigen die jungen Kreativen: Es gibt kein Wir und Sie. Wir gehören hierhin. Wir sind sichtbar!

Nächste Veranstaltung der Reihe am 10. Februar im Grassi: Buchvorstellung & Podiumdiskussion „Muslime in Sachsen“.

Von Karsten Kriesel

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