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Funny van Dannen bleibt in Leipzig standhaft

Neues Buch, keine Songs Funny van Dannen bleibt in Leipzig standhaft

Oft trifft man ihm am Arbeiterkinderdenkmal, diesmal aber hat Funny van Dannen keine Musik, sondern Literatur im Gepäck: In der Schaubühne Lindenfels hat das Multitalent sein neues Buch „An der Grenze zur Realität“ vorgestellt. Wer gehofft hat, der Künstler würde auch singen, tat das umsonst.

Las vorwiegend neue literarische Erzeugnisse: Funny van Dannen.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Nach achtjähriger Pause hat der Maler, Musiker und Autor Funny van Dannen ein neues Buch vorgelegt. „An der Grenze zur Realität“ heißt es und ist nicht nur eine Reise zu besagter Grenze, sondern auch zu den literarischen Wurzeln van Dannens. Weshalb der dann auch zur gut besuchten Lesung am Freitag in der Schaubühne Lindenfels trotz aller Wünsche aus dem Publikum konsequenterweise keines seiner Liedchen zum Besten gegeben hat.

„An der Grenze zur Realität“ pflegt jenen Tonfall, den van Dannen schon Anfang der 80er auf dem Kreuzberger Szenekiez zelebrierte und der auch heute noch seine Wirkung entfaltet mit spinnerten Assoziationsketten, bedenklich grotesken Fabulierflashs und obskuren Gedanken-Irrgängen.

So kann man etwa lernen, dass Baggersee-Gurkenwale klobige Tiere sind und dass sich Karpfen schon im Oktober in weihnachtlicher Vorfreude an die Beschaffung eines Tannenbaums machen. Zwei Zahlen philosophieren übers Sterben, zwei Bratwürste über die Menschen. Und natürlich gibt es auch Besinnlich-Adventliches in dieser Lesung.

„Morgen kauf ich Heroin“ kündigt da etwa Jemand an, mit Blick auf die Feiertage, die unvermeidlich kommen, alle Jahre wieder. Weshalb seine Freunde, wohl auch aus Drogenprävention, über Möglichkeiten einer „alternativen Weihnacht“ grübeln (im Jugendheim Pasolini-Filme gucken?), was zu einer der am besten lakonisch-trockenen Geschichten des Abends gerät.

Knapp hinter jener, die mit dem Satz anhebt „In Kunst sollten wir Christus malen“. Was in Folge nicht nur die Lehrerin spüren lässt, dass ihr Beruf einer Kreuzigung gleichkommt, sondern auch für die Erkenntnis sorgt, dass wir, wäre Jesus hässlich gewesen, in ihm wohl nie den Sohn Gottes gesehen hätten.

Denn ja, so ist die Welt. Und im Grunde versucht van Dannen mit seinen Betrachtungen durchs Objektiv des Skurrilen deren Ver-Rücktheiten gerade zu rücken. Denn das Normale, das begreift man hier, das ist der Schwachsinn. Und der Denk- und Wahrnehmungskonsens, mit dem wir selbigen goutieren, ist nur unsere Trägheit und Fantasielosigkeit.

Van Dannen versucht dem an den Kragen zu gehen. Allerdings ist sein Zugriff der eines Melancholikers – und in schwächeren Momenten auch mal der eines Phlegmatikers. Gründe dafür mögen im diesbezüglich erhellenden Lied „Schilddrüsenunterfunktion“ (Freitag natürlich nicht gespielt) zu finden sein. Oder auch schlicht in der kreativen Selbstgenügsamkeit des Routiniers, dem zur faserigen Masche wird, was sonst in mehrfacher Hinsicht schön gesponnen ist.

Und als spüre van Dannen das selbst, fügt er in den Abend auch ältere Texte ein. Darunter ein paar wirkliche hinreißende in Reim-Form: „Forellen: In Butter brutzeln sie./ So laut waren sie im Leben nie“, sinniert da einer. Oder dieser hier, in Betrachtung eines Paares: „Sie sieht gut aus für ihr Alter./ Er platzt aus allen Nähten./ Sie wollte Kinder haben./ Er hatte Prioritäten.“ Kurz und gallig. Ein bitterböses und todtrauriges Auflachen. Und allein schon stark genug, um für die Schwächen des Abends zu entschädigen.

Von Steffen Georgi

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