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Gefangen in Tuas Kosmos: Berührendes Leipziger Konzert des Rappers

Täubchenthal Gefangen in Tuas Kosmos: Berührendes Leipziger Konzert des Rappers

So bunt und schrill wie mit seinen Kollegen bei den Orsons kommt der Rapper Tua solo keineswegs daher. Zum Abschluss seiner ersten Tour hat es der Rapper, der sich längst sein eigenes Genre gebastelt hat, am Dienstag im Täubchenthal geschafft, die Menschen sehr zu berühren.

Berührend: Tua im Täubchenthal.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wer Tua von seiner Band die Orsons kennt, hat sicherlich ein anderes Bild von dem 30-Jährigen. Eher bunt und schrill kommen sie daher, machen gern Klamauk mit versteckten Botschaften. Doch allein fährt er mit düsteren Texten auf – weniger Party, mehr Seelentiefe.

Nachdem er es endlich geschafft hat seine Geister abzuschütteln und sich mit seinem experimentellen Konzept auf die Bühnen traut, hat er seine Solotour erfolgreich durchgezogen und Dienstagabend in Leipzig beendet. Das Clubzimmer im Täubchenthal ließ mit minimalem Platz ein intimes Konzert zu.

Drei Menschen auf der Bühne, ein paar Licht-Projektionen und ein kleines Bühnenbild schaffen eine verträumte und hypnotisierende Atmosphäre. Tua führt die Gäste auf eine kleine Reise durch seine zehnjährige Diskographie, die er im September in der „Kosmos“-Box zusammengefasst hat. So präsentiert er auf der Bühne auch die Diversität seines Schaffens: Hip Hop, Elektro, Jazz – er vermischt viele Elemente zu seinem ganz eigenen Genre.

Eine Kinderstimme beschreibt in einem Monolog Unlust und Selbstverlust, sie mischt sich unter die Lichter und den Nebel auf der Bühne, das Outro von „Es regnet“ erklingt. Die drei Herren auf der Bühne knüpfen daraus das Intro für die Show. Auf Tour hat er seine Stücke wieder neu erschaffen und spielt andere Versionen, fasziniert durch die vielschichtigen Interpretationen. Seine Lieder stimmen nachdenklich, in seinen lyrischen Texten verarbeitet er viel, ist dabei sehr philosophisch. Es scheint, als hätte dieser Mann die tiefsten Zusammenhänge des Lebens verstanden.

Ein Konzert oder doch ein Rave?

Tua oder eigentlich Johannes Bruhns spricht sich in Liedern wie „MDMA“ von seinen Teufeln frei, die ihn einst begleiteten. Bei jeder Zeile, jedem Wort und jeder Silbe wird der Künstler von seinen Fans unterstützt, während er über seine Drogen- und Alkoholvergangenheit spricht.

Mit ihm und seinen Liedern darf man weinen, der Melancholie frönen, Leid und Kummer teilen. Dem Zuschauer kommen schöne und schmerzliche Momente in die eigene Gedankenwelt. Während des Liedes „Raus“ dürfen alle ordentlich abgehen. Seine Fans schreien die Liedzeilen in die Wärme des Clubs und bewegen die Arme rhythmisch in der Luft. Man wird gegeißelt von Tuas Sound, seiner Stimme und dem euphorischen Publikum. Mit seinen Kollegen am Schlagzeug und an den Synths malt er ein farbenfrohes Klangbild aus musikalischen Stilen. Manchmal fragt man sich, ist man auf einem Tua-Konzert oder doch auf einem Rave gelandet?

„Ich bin mir immer nicht sicher, ob ich das Lied eigentlich noch spielen sollte“, lautet eine der wenigen Einleitungen des Abends. Er spricht von dem Lied „Ohne Titel“, eine kleine Geschichte wird inszeniert, voller Verzweiflung und Überforderung. Sie dreht sich um das Thema Abtreibung, und er verarbeitet sein damaliges Handeln im Track. Seine Offenheit berührt, man bekommt das Gefühl, gleich das Taschentuch zücken zu müssen.

Abschließend der Track „Edward Hopper“, der Reutlinger hat sich vom Maler des Realismus dazu inspirieren lassen und beschreibt wie Hopper in seinen Gemälden die Gleichgültigkeit und Einsamkeit der modernen Menschen. So entlässt er die Leute hinaus in die Sommerwärme. Doch das Publikum hätte sich noch länger der Musik hingeben können, wie Tua sagen würde: „Und falls wir irgendwann mal schlafen gehen, wird sicherlich die Sonne schon scheinen.“

Von Sarah Englisch

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