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Geld und gute Worte: Wie viel darf Journalismus im Internet kosten?

Geld und gute Worte: Wie viel darf Journalismus im Internet kosten?

Seit jeher haben sich Zeitungen aus zwei Quellen finanziert: dem Erlös aus dem Verkauf der Blätter an die Leser und dem Geld der Anzeigenkunden. Früher stammte das Gros aus der Werbung, doch die ist ins Netz abgewandert.

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Wie viel darf Journalismus im Internet kosten? Die Ansätze sind sehr unterschiedlich.

Quelle: Daniel Reinhardt (Archivfoto)

Inzwischen sind es vor allem die Käufer der gedruckten Exemplare, die die Medien finanzieren.

Im Internet hatten sich die Verlage lange Zeit von ihrem traditionellen Erlösmodell verabschiedet. Den Lesern boten sie dort alles kostenlos an – selbst aufwendig recherchierten Journalismus. Geld wollten sie nur von Werbekunden, die ihre Entscheidung danach richteten, welches Angebot die meisten Klicks verspricht. Der journalistischen Qualität war das nicht gerade zuträglich: Selbst Websites seriöser Blätter entwickelten sich bisweilen zu Klickmaschinen. Parallel sinken die Erlöse der gedruckten Blätter.

Inzwischen denken mehr und mehr Verlage um. Was etwas wert ist, muss auch etwas kosten, lautet ihr gemeinsames Postulat. Ihr Vorgehen ist unterschiedlich. Die einen verlangen von ihren Lesern bereits für den ersten angeklickten Artikel Geld. Andere Häuser, zu denen die Madsack Mediengruppe und damit auch diese Zeitung gehört, bieten einen Mix aus Kostenlosem und Kostenpflichtigem. Die dritte Gruppe hat eine bestimmte Zahl von Artikeln festgelegt, die jeder kostenfrei lesen kann, erst danach fällt die Schranke.

Heute nun folgt die „Süddeutsche Zeitung“ mit einem eigenen Ansatz: Wer mehr als zehn Artikel pro Woche gelesen hat, muss ab sofort einen Tagespass kaufen oder ein Abo abschließen. Profilprägendes wie das tägliche „Streiflicht“ und die Seite-3-Reportage, die es so nur bei der „Süddeutschen“ gibt, werden grundsätzlich kostenpflichtig sein. Das Digital-Abo „SZ plus“ kostet derzeit 29,99 Euro pro Monat, der Tagespass 1,99 Euro. Auch „Spiegel Online“ plant eine Bezahlschranke für sein Internetangebot. Die Paywall wird wohl noch in diesem Jahr starten.

Eine Ausnahme ist die „taz“ mit ihrem Freiwilligenmodell. In weniger als zwei Wochen hat die Zeitung gerade rund 1000 neue Abonnenten gewonnen. Sie zahlen durchschnittlich 6 Euro pro Monat. Freiwillig – denn sie können sich aussuchen, ob und wie viel sie zahlen. Im Gegenzug bekommen sie „kostenlosen“ Zugang zum Online-Auftritt der „taz“. Geld zahlen, um etwas kostenlos zu bekommen? Das klingt so widersinnig wie die Sache mit der Freiwilligkeit, denn die linksalternative „taz“ versteht sich gut darin, ihren Lesern ein schlechtes Gewissen zu machen. Das war schon früher so, wenn die Zeitung mit ihrer Einstellung gedroht hat, sollten bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht soundso viele neue Abonnenten gefunden sein. Bei der aktuellen Aktion „taz.zahl ich“ legt sich, wann immer der Leser im Netz einen Artikel anklickt, eine Seite darüber. Darauf steht: „Ein Abo von taz.zahl ich sichert unsere Unabhängigkeit und den kostenlosen Online-Zugang zu unseren Inhalten“, dazu der Link zum Freiwilligen-Abo. Es gehe schließlich „um die Wurst: Kann Journalismus im Internet überleben?“

Beim Springer-Konzern, der im Dezember 2012 ein digitales Abo-Modell eingerichtet hat, fühlt man sich von den Ergebnissen ermutigt. „Bild“ hat in dieser Zeit 253 000 digitale Abonnenten gewonnen – während die gedruckte Ausgabe mehr als 400 000 Exemplare verloren hat. Die „Welt“ kommt auf 58 000 Digital-Abonnenten – in etwa so viel, wie sie an Auflage verlor. Signifikante, gar die Print-Verluste ausgleichende Erlöse erwirtschaftet auch Springer nicht, zumal die technische Entwicklung der Bezahlsysteme hohe Investitionen erfordert hat. Für den Verlag ist es auch eine Frage des Prinzips, für redaktionelle Leistung auch im Netz zur Kasse zu bitten. Die lokale „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz, die zunächst noch einige Artikel frei angeboten hat, verlangt nun vom ersten Klick an Geld. Die Reichweite sank daraufhin, was Werbekunden immer gleich nervös macht. Eklatant gestiegen ist die Zahl der Online-Abonnenten nicht. Ist also Geduld gefragt – oder gibt es online einfach nicht ausreichend zahlungsbereite Leser?

Die von einer Stiftung getragene Londoner Zeitung „Guardian“ denkt gar nicht daran, für ihr Online-Angebot Geld zu verlangen. Sie vertraut allein der Werbung als Erlösquelle und verweist auf ihre hohen Reichweiten. Das Blatt hat sich spätestens seit Edward Snowden einen Ruf als Enthüllungsorgan erarbeitet. Vor allem aber erscheint der „Guardian“ auf Englisch. Wohl deshalb setzt neuerdings auch Springer auf englischsprachigen Journalismus. „Im Digitalen ist die ganze Welt unser Markt“, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner kürzlich. Erst zum Jahreswechsel erhöhte Springer seine Anteile am US-amerikanischen Online-Magazin „Ozy“. Für April geplant ist der Start der Europa-Ausgabe von „Politico“, ein Magazin für zahlungsbereite Polit-Profis aus Brüssel.

Ulrike Simon

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