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Georgette Dee und das bittersüße Lachen der Melancholie

Georgette Dee und das bittersüße Lachen der Melancholie

"Bird on the Wire" singt sie gleich zweimal. Zu Beginn und zur Zugabe. Wie eine dramaturgische Klammer, wie ein Leitmotiv klingt das an. Und wie ein Selbstportrait Georgette Dees mit den Worten Leonard Cohens.

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Georgette Dee im Centraltheater, hier im November auf großer Bühne.

Quelle: Wolfgang Zeyen

I have tried in my way to be free ...

Die Chanteuse Georgette Dee war schon immer eine, die sich Freiheiten nahm. Auch in der Zusammenstellung ihrer Programme. Kategorien sind was für Kleinkarierte, und es ist nur eine Frage des Wie - und schon harmonieren auch Roland Kaiser und Tom Waits, Nana Mouskouri und Roberta Flack miteinander. Einfach, weil Georgette Dee eine große Künstlerin der Aneignung ist. Was scheinbar nicht zusammenpasst, verschmilzt bei ihr auf eine Art und Weise, die es vermag, selbst zwischen grundverschiedenen Songs eine Wesensverwandtschaft herzustellen. Die der Melancholie, des bittersüßen Lachens nämlich. Was auch das Konzert bewies, das Georgette Dee am Dienstag gemeinsam mit den Musikern Jürgen Attig (Bass) und Roland Cabezzas (Gitarre) in der Festspielarena des Centraltheaters gab.

Die Chanteuse betritt die Arena, wie es sich für eine echte Diva gehört. Gemessenen Schrittes, im schwarzen Samtkleid, mit einer Stola und dem sofort passenden Kommentar. Man bekomme so ein antikes Senatsfeeling in dieser Kulisse und: "Schöner Abschied, die ganze Bude nochmal umzurumpeln." Inspirierend sei das außerdem: "Ich stell mir einfach vor, ich steh' in einer Arena in Griechenland, bezahlt sind die dort ja auch nicht." Und wenn schon. Auch Geldfragen sind letztlich was für Kleinkarierte.

Es gab eine Zeit, da betrieb Georgette Dee ihre Kunst exzessiv. In der Berliner "Bar jeder Vernunft" etwa. Die dabei waren, bekommen verklärte Blicke, berichten von Konzerten bis in die Morgenstunden, die Künstlerin dabei trinkend und rauchend und sich auch mal zur Auffrischung den Sektkübel überkippend. Ja, die schönen alten Legenden der Leidenschaft. Jetzt sitzt Georgette Dee den Großteil ihres knapp zwei Stunden dauernden Konzertes und nippt am Wasser. Das ist nicht schlimm. Marian Faithfull macht das schließlich auch so, und es tut der Wirkung keinen Abbruch. Es wird einem lediglich ein wenig schwer ums Herz. Dieses verdammte Dahingehen der Zeit.

Die nun verstreicht im Centraltheater zunächst nicht ohne Zähigkeit. Georgette braucht ein wenig, den Fluss, den Ton zu finden. Doch sie findet ihn. Und es frappiert wieder einmal, wie selbstverständlich das dann geht, in diesem sehr speziellen Tonfall galliger Schwermut zu witzeln: "Manchmal stell ich mich nackt auf den Rasen, und wenn die Nachbarn Glück haben, ist es dunkel." Dunkel ist auch der Strom, auf dem dieses Programm dahintreibt.

Eine Dunkelheit, gegen die Georgette Dee mit den Wunderkerzen des Humors angeht. Und mögen dazu manche Lieder wie Jod auf Seelenwunden tröpfeln, schmerzlich aber heilsam, ist unter der Oberfläche des Entertainments immer auch etwas Schwindelerregendes spürbar. Für die Götter, überlegt Georgette einmal bei einem kleinen, recht speziellen Exkurs zum Medea-Mythos, muss doch so ein Menschenschmerz sein, wie wenn wir Beethoven hören. Wunderbar. Klügeres und auch poetischeres wurde zu Göttern, Menschen und zu Beethoven sowieso, nur selten gesagt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.04.2013

Steffen Georgi

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