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Geschichte lässt sich nicht schwärzen: Tafeln über Gerda Taro wieder eingeweiht

Nach Zerstörung im August Geschichte lässt sich nicht schwärzen: Tafeln über Gerda Taro wieder eingeweiht

In der Nacht zum 4. August waren die 21 Tafeln des Displays für die Fotografin Gerda Taro (1910-1937) von Unbekannten mit schwarzer Teerfarbe überstrichen worden. Jetzt wurden sie neu produziert und am Montag in der Straße des 18. Oktober feierlich wieder eingeweiht.

Rückkehr der Bilder: In der Straße des 18. Oktober wird wieder an die Fotografin Gerda Taro (1910–1937) erinnert. Anfang August hatten Unbekannte die Tafeln übermalt.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Sie war eine Antifaschistin und Pionierin der Kriegsfotografie, die ihre Haltung mit dem Leben bezahlte: die Fotografin Gerda Taro, die im Juli 1937 im Spanischen Bürgerkrieg ums Leben kam, überrollt von einem Panzer während eines Angriffs der deutschen Legion Condor. 1933 war sie aus Leipzig vor den Nazis geflohen, hatte später in Paris den Fotografen Robert Capa kennen und lieben gelernt. Mit Fotografien, Texten und historischen Zeitungsausschnitten war seit Juni in der Straße des 18. Oktober – unweit der nach ihr benannten Straße – an die mutige Frau und ihre Dokumentation des Kriegsgeschehens erinnert worden. In der Nacht zum 4. August hatten Unbekannte sämtliche 21 Tafeln mit schwarzer Teerfarbe übermalt. Die Täter konnten bislang nicht ermittelt werden.

Finanzierung per Crowdfunding

Seit Montag wird das Taro-Display wieder in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Zur Wiedereinweihung kamen rund 50 Gäste. Durchaus ein Statement, das sagt: Geschichte lässt sich nicht schwärzen. Und: Wir lassen nicht zu, dass Leute, die eine wichtige Ausstellung im öffentlichen Raum schänden, das letzte Wort haben. Durch ein Crowdfunding war es möglich geworden, die zerstörten Tafeln, die ein Projekt des Leipziger Festivals für Fotografie F/Stop sind, neu zu produzieren. Dabei war eine Summe von über 4800 Euro zusammengekommen.

„Diese Geste des Ausstreichens durfte nicht unwidersprochen bleiben“, sagte Jan Wenzel, einer der Kuratoren der diesjährigen Ausgabe von F/Stop. Außerdem gehe es darum, auch weiterhin gerade hier über diese bedeutende Fotografin, die zum Flüchtling wurde und sich im Exil neu erfinden musste, zu informieren.

Visuelle Störfeuer

Sie sei froh, dass hier eine Antwort gegeben und ein starkes Zeichen gesetzt wurde, sagte die freie Kuratorin, Autorin und Taro-Expertin Irme Schaber. Taro, 1910 in Stuttgart als Gerta Pohorylle geboren und 1929 mit der Familie nach Leipzig gezogen, sei die erste Frau gewesen, die im Krieg fotografierte, erklärt Schaber. Diesen Spanischen Bürgerkrieg, der mit der Unterstützung Hitlers für Franco zu einem internationalen Kampf der Weltanschauungen und einem Experimentierfeld für den Zweiten Weltkrieg wurde, dokumentierte Taro „mit großer Risikobereitschaft und neuer Zeugenschaft. Sie wurde zu einer teilnehmenden Kriegsberichterstatterin.“ Penibel habe sie die Ausweitung der Kampfzone auf Zivilisten, die Flucht und das Elend dokumentiert. Schaber: „Diese Bilder waren visuelle Störfeuer, Weckrufe.“

Noch heute sind sie ästhetisch auf der Höhe unserer Zeit – und thematisch leider beängstigend aktuell.

Von Jürgen Kleindienst

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