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Gesungen wird auch: Helene Fischer lässt sich in Leipzig feiern

Konzertkritik Gesungen wird auch: Helene Fischer lässt sich in Leipzig feiern

„107 Euro, genießen!“, raunzt eine Konzertbesucherin ihren etwas muffeligen Begleiter an. Zu Befehl: Am Dienstagabend startete Helene Fischer ihren fünftägigen Konzert-Marathon in Leipzig, bei dem sie bis Sonntag fünfmal die Arena füllt. Und ja: Gesungen wird auch.

Helene Fischer spielte am Dienstag das erste von fünf Konzerten in der Arena Leipzig.

Quelle: Kempner

Leipzig. „107 Euro, genießen!“, raunzt eine Konzertbesucherin ihren etwas muffeligen Begleiter an. Zu Befehl: Es ist Dienstagabend kurz vor 20 Uhr im ersten der fünf Konzerte, die Helene Fischer bis Sonntag in der Arena Leipzig geben wird. Laserstrahlen tasten den Saal ab, die Halle klatscht rhythmisch, und die Musik schwillt an. Das Gesicht der Sängerin erscheint riesengroß und silbrig schimmernd auf der Leinwand, das Bild verwandelt sich in einen Glitzerhimmel und der wiederum in einen Vorhang, der sich für Helene Fischer öffnet: Am Seil schwebt die 33-Jährige im blauen Fantasy-Body in die Halle, landet sicher und singt „Nur mit dir“ vom neuen Album, das so heißt wie sie. Ja, gesungen wird auch. „Das volle Programm“ folgt kurz darauf, ein Titel, der Programm an diesem Abend ist.

Psychedelisch-riesenhaft blühen die Leinwandblumen, setzen sich Großbuchstaben zu „Schmetterling“ zusammen. Helene im Wunderland. Die Botschaft: „Du liegst in mancher Nacht/ Wach in Deinem Bett/ Im Dschungel dieses Lebens/ Hat sich das Glück vor Dir versteckt“. Ja, manchmal ist das Leben eine Raupe. Doch: „Bald wirst Du wieder schweben/ Wie ein Schmetterling im Wind“. Was die staatlich anerkannte Musicaldarstellerin auf der Bühne schon allein optisch vorführt. Ob im ultrakurzen Goldkleidchen, im bauchfreien Top mit Lederhose oder im langen Weißen mit Gitterelementen – allein modisch ist das großes Kino.

Am Dienstag spielte Schlager-Star Helene Fischer das erste von fünf Konzerten in der Arena Leipzig und begeisterte mit ihrem Auftritt Tausende Fans. Fotos: André Kempner

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Helene, der schönste Zimmerspringbrunnen der Welt

Nur bedingt partytauglich ist allerdings der Aufzug, in dem sie „Wenn du lachst“ singt.  Es handelt sich hier um das bereits im Vorfeld ausgiebig diskutierte „Wasserkleid“, eine Konstruktion, bei der das Wasser durch an der Hüfte befestigte Schläuche in einen Reif fließt, durch dessen Düsen es dann schießt. Helene, der schönste Zimmerspringbrunnen der Welt.

Sie war hier, sie ist hier, und sie wird im Sommer wieder hier sein, unsere Madonna von nebenan, die eierlegende Wollmilchfrau des deutschen Showgeschäfts. Rund eine Million Tickets wurden bislang für die Hallen- und Stadionkonzerte 2017/18 verkauft. Halsbrecherisch ist ihr Pensum mit 69 Konzerten, halsbrecherisch ist auch das Tempo des aktuellen, mit akrobatischen Einlagen gespickten Programms, das sie mit einer bunten Crew aus Musikern, Sängern, Tänzern und Akrobaten absolviert. Kreiert wurde die Show von „45 Degrees“, nach eigenen Angaben ein „Komplettanbieter für schlüsselfertige Designservices in der Livemusikbranche“. Die „45 Degrees“ gehören zum kanadischen Cirque du Soleil. Dort ist man geübt darin, schöne Bilder und Akrobatik zu zirzensisch anmutenden Spektakeln zusammenzureimen. Das passt zu der hervorragend trainierten, atemlosen Achterbahnfrau, die da über die Bühne läuft, tanzt und trommelt.

Bei „Herzbeben“ wird sie von einer bunten Kletterkugel rund zehn Meter hoch in die Arme eines Artisten gezogen, wo sie so schnelle Drehungen vollzieht, dass sich schon beim Zusehen der Magen meldet. Hin und her und hoch und runter schwebt sie angeseilt zwischen den Tänzern zu „Ich wollte mich nie mehr verlieben.“ Zwischendurch versinkt sie mal im Boden, räkelt sich lasziv in einem überdimensionalen Setzkasten oder besucht auf einer ufoesken Zweitbühne die Fans in den hinteren Reihen. So geht es Schlag auf Schlag; die Wow!-Kette darf nicht unterbrochen werden.

Das Publikum feiert seinen Star generationsübergreifend, vom sechsjährigen Jungen, der es sich zu fortgeschrittener Stunde mal auf der Stuhlreihe ausgestreckt gemütlich macht, bis zur 80-Jährigen, die wie die meisten der rund 8000 Zuschauer fast das gesamte Konzert über stehen, obwohl nahezu die gesamte Arena bestuhlt ist. Wer allzu übermütig aus der Reihe tanzen will, sei von Ordnern auf seinen Platz verwiesen worden, berichten einige Besucher. Und in der Pause wird zwischen den Stuhlreihen gewischt.

Ordnung muss sein

Die Alltagsfluchten, Wochenend-Exzesse oder Leidenschaftstaumeleien werden zwar in Helene Fischers Texten zu Discofox- und Techno-Rhythmen heraufbeschworen, in der Halle jedoch soll alles seine Ordnung haben. Selbst kleine Texthänger oder Versprecher wirken in diesem Reinraum der Unterhaltung einstudiert. Vielleicht auch um die Aura aus Perfektion und Unnahbarkeit abzustreifen, wendet sich die in der sibirischen Stadt Krasnojarsk geborene Entertainerin immer mal wieder ans Publikum, bedankt sich bei ihrem Ensemble oder berichtet von der Überwindung, die sie es gekostet habe, in ihrer Show viele Meter über dem Boden zu schweben. „Dankeschön fürs Mitsingen und Anlächeln“, ruft sie in die Halle. Überhaupt, diese Begeisterung. „Und das an einem Dienstagabend.“ Da gehe sie aber mit tollen Gefühlen ins Bett, resümiert sie gegen Ende. Vor „Wir brechen das Schweigen“ appelliert sie an ihr Publikum, sich in Zeiten wie diesen „in Frieden und Freundschaft zu vereinen“. Zwischendurch gibt es einen Hauch Medienkritik: „Nicht alles, was in der Regenbogenpresse steht, ist wahr“, sagt sie wohl auf Baby-Gerüchte Bezug nehmend, um dann dazu „lieber nichts weiter“ zu sagen. Hoffentlich bekommt sie das nicht mit, die Regenbogenpresse.

„Lieb mich dann“, ein neuer Song, an dem sie mitgeschrieben hat, richtet sich aller Voraussicht nach an ihren Lebensgefährten, einen gewissen Florian Silbereisen, dessen Name allerdings nicht genannt wird. Wir lernen: Die Liebe ist auch bei Helene und Florian nicht immer ein Frühlingsfest. „Lieb mich dann, wenn ich nicht dran glaub/ Weil ich’s ganz genau dann am meisten brauch“, heißt es in der Ballade. Und: „Lieb mich dann, wenn ich’s nicht kann.“

Der beste Club der Stadt

Die 8000 in der Arena können es uneingeschränkt. Sie verwandeln die Halle in ein Lichtermeer aus Handys und Leuchtstäben bei „Du hast mich stark gemacht“, einem Liebeslied an ihre Eltern. Für „Achterbahn“  soll sich die Arena „in den besten Club der Stadt verwandeln“, wie die Sängerin fordert. Der lauteste ist es bestimmt. Zu „Unser Tag“ tanzt die ganze Halle – bis es ins atemlose Finale geht. Ihren größten Hit singt sie auf einer Schaukel, im Konfettiregen und am Ende mit Betonung auf „AtemLOOOOS“, was fast schon wieder wie ein Anfang klingt. Noch einmal läuft der 1,58 Zentimeter kleine Superstar zum Publikum, verteilt Kusshände und gibt Autogramme.

Erst nach über drei Stunden ist dann wirklich Schluss. Das Preis-Genuss-Verhältnis dürfte die meisten in der Halle überzeugt haben.

Von Jürgen Kleindienst

Die Hallenkonzerte sind ausverkauft. Karten (von ca. 61 bis ca. 109 Euro) für die Stadion-Konzerte am 23. und 24. Juni 2018 in Leipzig: u.a. in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ Foyer, Peterssteinweg 19 und Barthels Hof, Hainstr. 1), in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung, unter der gebührenfreien Ticket Hotline 0800 2181050 sowie auf www.ticketgalerie.de

Arena Leipzig 51.342777 12.354764
Arena Leipzig
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