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Gewaltiger Andrang: Sebastian Nebe erhält den 10. Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung

Gewaltiger Andrang: Sebastian Nebe erhält den 10. Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung

Sebastian Nebe hat den 10. Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung erhalten, seine Ausstellung wurde gestern Abend im Bildermuseum eröffnet. Von Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt weiß man, dass er ein passionierter Bergwanderer ist, sich also mit Um- und Abwegen auskennt.

Leipzig. Nun steht er da vor Sebastian Nebes sechs Meter breitem Panorama, dieser kühlen und doch unmittelbar berührenden Tauwetterlandschaft, in der ein Autowrack die Bildmitte bestimmt – und fühlt sich hineingezogen. „Ich stehe vor dem Bild und hab sofort nasse Füße, spüre die Äste im Gesicht", sagt er vor dem Werk „Der neue Morgen", dem der Künstler einen ganzen Raum gegeben hat. Genau das will der 1982 in Blankenburg im Harz geborene Nebe mit seiner Kunst bewirken: neugierig machen, reinziehen, berühren.

Freitagabend hat er dafür den Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung erhalten. Mehrere hundert Gäste sind gekommen, sie können nur schubweise in die Galerieausstellung gelassen werden, so groß ist der Andrang. Zum schnellen Vorbeimarsch eignen sich diese Werke, die fern von jeglicher Forsthausromantik seien, wie Schmidt in seiner Rede sagte, nicht.

HGB-Rektorin und Laudatorin Ana Dimke – sie hatte Nebe bei der Jurysitzung im April vorgeschlagen – berichtet im Zusammenhang mit dem neuen Kunstpreisträger von einer kleinen Frustration. Nebes Bild „Dämmerung" habe sie gleich in ihrer Anfangszeit in Leipzig „stark beeindruckt", sie wollte es für das Rektorat haben, „aber es war bereits vergeben". So freue es sie besonders, dass nun alle an Nebes Kunst teilhaben könnten.

Und das tun die Besucher, wenn es denn im Gedränge möglich ist. Viele HGB-Studenten sind gekommen, von den bisherigen Kunstpreisträgern Claudia Angelmaier, Jochen Plogsties und Julius Popp, außerdem viele Leute aus Kunst und Kultur.

Irgendwann scheinen zwei, die beide mit dem Kunstpreis zu tun haben, eine kleine Insel im Besucherstrom zu bilden. „Mich begleitet das Gefühl, dass der Preis geholfen hat. Es freut mich, dass er so ein Standing hat", sagt Bernd Radestock, langjähriger LVZ-Geschäftsführer und Geburtshelfer der Auszeichnung. Auf des Messers Schneide habe damals die erste Ausstellung von Via Lewandowsky 1995 gestanden; der Künstler und der damalige Museumsdirektor hatte sich zerstritten. Radestock hatte alle diplomatischen Hebel gezogen. „So etwas wünsche ich Ihnen nicht", ruft er rüber zu Marc Zeimetz, seinem Nachfolger am Peterssteinweg. Der wiederum hat die Bedeutung der Kunst für den Verlag im Grunde am ersten Tag verstanden. „Das ist einmalig", sagt er mit Blick auf die Kunstsammlung, die sich im ganzen Haus breitmache und kaum noch Platz für Neuzugänge lasse. „Aber eigentlich ist das ja wunderbar", meint er noch, während er überlegt, welche Werke die LVZ von Nebe ankaufen könnte.

Es gibt noch eine Insel: Mitten im ersten Raum steht ein schwarzer Liegestuhl. Bequem wirkt er allerdings nicht; der Stoff fehlt. „Er ist im Rahmen der Bungalow-Serie entstanden und im Grunde ja auch eine Ruine", sagt Nebe. „Die Idee war, den Inhalt der Malerei in den Raum zu transportieren." Extra für die Ausstellung hat der Künstler den Stuhl nach einem Modell anfertigen lassen; in einer Berliner Werkstatt, die auch Plastiken für namhafte Künstler wie Ólafur Elíasson herstellt. Schwere ist dem Stuhl nicht anzusehen: Tatsächlich ist er aber aus pulverbeschichtetem Stahl und in 20-prozentiger Übergröße produziert. „Um den Betrachter zu irritieren", sagt Nebe. Dieser Moment ist ihm wichtig. „Leichten Gruseleffekt" diagnostiziert LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer der Nebe-Kunst. „Beeindruckt" sei er von der Szenerie und der Wucht des Panoramabildes.

Das geht auch Kunstmäzen Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg so. „Ich bin ja eher konservativ", sagt der 78-Jährige, „aber dieser Sebastian Nebe überredet mich, meine Vorstellungen eines romantischen Waldes zurück zu lassen. „Ich bin begeistert."

Ein VW-Autowrack statt Fuchs und Hase – Kulturbürgermeister Michael Faber ist von der „totalen Beherrschung der Komposition beeindruckt." Er sei „richtig stolz" in der Jury gewesen zu sein.

Am Samstag um 15 Uhr, findet im  Museum der bildenden Künste eine Signierstunde mit Sebastian Nebe statt. Leser der LVZ können die Freitagausgabe mit dem Extradruck von Werken Nebes mitbringen und signieren lassen.

Aus Anlass der Vergabe des 10. LVZ-Kunstpreises erscheinen zwei Schmuckbögen mit je 5 Briefmarke. Mit einer limitierten Auflage von je 500 Stück werden die Schmuckbögen bei der LVZ Post im LVZ Media Store/Höfe am Brühl in den Geschäftsstellen der LVZ, im Museum der bildenden Künste zum Preis von je 6,80 Euro verkauft.

Jürgen Kleindienst

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