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Gewandhaus-Benefizkonzert für Japans Kinder: Riccardo Chailly im Interview

Gewandhaus-Benefizkonzert für Japans Kinder: Riccardo Chailly im Interview

Zugunsten der besonders unter den dramatischen Folgen des Erdbebens und des Tsunamis in Japan leidenden Kinder lädt das Gewandhausorchester am Donnerstag zum Benefizkonzert ins Gewandhaus ein.

Leipzig. Riccardo Chailly dirigiert Anton Bruckners Achte. Der Erlös kommt komplett der internationalen Kinderhilfsorganisation Save the Children zu. Peter Korfmacher sprach darüber mit dem Gewandhauskapellmeister.

Frage:

Anton Bruckners Achte ist ein grandioses, aber auch ein etwas sperriges Stück Musik, warum spielen Sie es ausgerechnet im Benefizkonzert für Japan?

Riccardo Chailly:

Bruckners Achte ist das unumstrittene Meisterwerk des Komponisten, das Adagio, diese überirdische halbe Stunde entrückter Trauer wohl das Größte, was er überhaupt geschrieben hat. Und gerade darum erschien es uns angemessen, nicht nur die Einnahmen aus dem Konzert den Kindern in Japan zu widmen, die besonders unter den Folgen der schrecklichen Naturkatastrophe leiden, sondern auch dieses Werk den Opfern. Sozusagen als spirituelle Widmung. Denn das Gewandhausorchester ist einer der Klangkörper mit der längsten Bruckner-Tradition weltweit. Die Japaner lieben dieses Orchester, sie lieben Bruckner - und vier Tage vor dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami haben wir dieses Werk noch in Tokio gespielt. Dabei entstand übrigens die seither letzte Klassikproduktion des Japanischen Fernsehsenders NHK.

Die Achte haben Sie vor dem Start der Asien-Tournee allerdings bereits dreimal in Leipzig dirigiert, das macht es nicht leichter, den Saal zu füllen ...

Das mag sein. Aber ich argumentiere eher andersherum: Wir haben die Achte dreimal in Leipzig musiziert und ein halbes Dutzend Mal im Verlauf der Tour. Das wirkt sich unmittelbar aufs Musizieren aus. Und auch dies wollen wir unserem Leipziger Publikum einmal präsentieren, das ja sonst immer nur den Stand vor der Tournee hört.

Was hat sich verändert im Laufe der vielen Konzerte?

Schon in Leipzig hat das Orchester grandios gespielt, wirklich eindrucksvoll. Aber im Detail hat es doch noch einige Entwicklungen gegeben. Manches ist noch präziser, noch klarer, noch selbstverständlicher geworden. Überhaupt ist Letzteres vielleicht das Wichtigste: Nicht so sehr die Veränderungen im Detail als vielmehr die größere Gelassenheit in der Herangehensweise an das Ganze. Die absolute Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Notentext führt zu mehr Spontaneität. Die gesamte Aufführung ist dabei einige Minuten länger geworden, weil sich vor allem im Adagio ganz wie von selbst ein etwas langsameres Tempo eingestellt hat. Weil die noch tiefer reichende Vertrautheit noch weiter gespannte Bögen ermöglicht. Diese Intensität ist ein großes Erlebnis für die Musiker und für mich.

Die Erdbebenkatastrophe in Japan und der Tsunami sind in Deutschland ein wenig aus dem Blickfeld geraten. Wie sieht das in Italien aus?

Ähnlich. Anfangs waren die Aufmerksamkeit, das Mitgefühl, die Hilfsbereitschaft enorm. Doch dann haben andere Ereignisse sich in den Vordergrund geschoben: In Japan verdrängten die Folgen für die Kernreaktoren in Fukushima die ganz konkreten für die Menschen vor Ort. Dazu kamen andere Dinge wie die Kämpfe in Libyen oder, ganz aktuell, der Tod Osama bin Ladens, die die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Das ist vielleicht normal - aber die Katastrophe in Japan, sie steht außerhalb jeder Normalität, ist selbst als Katastrophe außerhalb jeder Proportion.

Dennoch scheint die internationale Spendenbereitschaft eher gering zu sein. Auch das Benefizkonzert heute Abend ist noch nicht ausverkauft...

Das mag damit zusammenhängen, dass die Japaner nicht um Hilfe bitten. Aber sie tun dies nicht aus falsch verstandenem Stolz, sondern aus moralischer Integrität. Wo andere Völker verzweifelt wären, blicken die Japaner nach vorn, nicht zurück. Sie fassen mit enormem bürgerlichem Engagement, mit vorbildlicher Solidarität und außergewöhnlichem persönlichem Mut nicht ihren persönlichen Verlust ins Auge, sondern den kollektiven Wiederaufbau. Und ihnen dabei zu helfen, muss auch für uns eine moralische Pflicht sein. Für das Gewandhausorchester war sofort klar: Auch Leipzig muss Flagge zeigen.

Termin und Infos zu "Save the Children"

Donnerstag, 20 Uhr, Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester spielen Bruckners achte Sinfonie als Benefizkonzert für die Kinder im Japanischen Erdbebengebiet. Karten (30 Euro auf allen Plätzen, Studenten zahlen 10, Schüler 3 Euro) gibt's unter der Telefonnummer 03411270280 oder an der Gewandhauskasse.

Save the Children ist die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt. Sie wurde 1919 von Eglantyne Jebb in Großbritannien gegründet. Kinder in Deutschland waren die ersten, denen Save the Children half. Die Organisation arbeitet mittlerweile in mehr als 120 Ländern, hat die "Accountability Charter" für Nichtregierungsorganisationen unterzeichnet und verpflichtet sich damit zu Transparenz und verantwortungsbewusstem Handeln. Save the Children kämpft für die Rechte aller Kinder auf Gesundheit und Überleben, Schule und Bildung sowie Schutz vor Gewalt und Ausbeutung und bewahrt sie vor Gefahren im Not- und Katastrophenfall. Kinder haben bei allen Projekten ein Mitspracherecht. Save the Children ist Begründer der Kinderrechtsbewegung: Jebb verfasste 1923 eine Erklärung über die Rechte der Kinder, die heute Bestandteil der UN-Kinderrechtskonvention ist.

Peter Korfmacher

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