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Gewandhausdirektor: „Unser Publikum ist durchaus neugierig auf Neues“

Andreas Schulz über Jubiläums-Saison Gewandhausdirektor: „Unser Publikum ist durchaus neugierig auf Neues“

Am Samstag beginnt die neue Gewandhaus-Saison, sie steht im Zeichen dreier Gründe zum Feiern: Ehrendirigent Herbert Blomstedt, Gewandhauskapellmeister von 1998 bis 2005, wurde im Juli 90, im Februar tritt Andris Nelsons sein Amt an, und das älteste bürgerliche Orchester der Welt feiert 275. Geburtstag. Peter Korfmacher sprach darüber mit Gewandhausdirektor Andreas Schulz (55).

Gewandhausdirektor Andreas Schulz mit dem designierten Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons und dem Gewandhauskomponisten Jörg Widmann (v. r.).
 

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Am Samstag beginnt die neue Gewandhaus-Saison, und sie steht im Zeichen dreier Gründe zum Feiern: Ehrendirigent Herbert Blomstedt, Gewandhauskapellmeister von 1998 bis 2005, wurde im Juli 90, im Februar tritt Andris Nelsons sein Amt an, und das älteste bürgerliche Orchester der Welt feiert 275. Geburtstag. sprach darüber mit Gewandhausdirektor Andreas Schulz (55).

Herbert Blomstedt eröffnet die Saison, bis Oktober dirigiert er weitere acht Große Concerte, dann geht er mit dem Orchester ausführlich auf Tournee. Der Mann ist gerade 90 geworden – auf wie viele Jahre planen Sie mit ihm im voraus?

Andreas Schulz: Bis 2020 haben wir fest vereinbarte Termine. Herbert Blomstedt ist ein großartiger Mensch und Dirigent. Das Orchester liebt ihn, das Publikum liebt ihn, seine Konzerte seine allesamt seit Langem ausverkauft – auch die auf Tournee. Er erfreut sich bester Gesundheit, und bei seiner Lebensweise (lacht) überlebt er uns wahrscheinlich alle.

Dennoch steht im Februar ein Generationswechsel an: Andris Nelsons wird im Rahmen ausführlicher Festwochen ab Februar als neuer Gewandhauskapellmeister ins Amt eingeführt. Auch der Spielplan verjüngt sich mit seiner Ankunft drastisch.

Ja, denn er möchte neue Impulse setzen. Und es ist auch für das Orchester wichtig. Darum gibt es beispielsweise während der vier Festwochen in seinen Großen Concerten vier Uraufführungen von Auftragswerken: ein Werk des Leipziger Komponisten Steffen Schleiermacher, eines von Wolfgang Rihm, eines des Gewandhauskomponisten Jörg Widmann und eines von Thomas Larcher. Über alle Sparten hinweg 10 Uraufführungen bei insgesamt 220 Konzerten.

Das hat es in dieser Ballung bei Leipzigs einstigem Uraufführungsorchester seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gegeben, und aus den Reihen langjähriger Abonnenten war auch schon einiges an Unmut zu hören.

Das stimmt – aber im Verhältnis zu unseren vielen Abonnenten sind es doch nur wenige. Und wir setzen uns damit auseinander, nehmen die Hinweise ernst.

Also gibt es keine Absetzungsbewegungen an der Abonnenten-Front?

Nein. Zwar haben einige wenige wegen der Spielplanung ihre Anrechte zurückgegeben. Aber unter dem Strich können wir leichte Zuwächse verzeichnen: Derzeit haben wir 12 455 Abonnements, das sind 79 mehr als im Vorjahr. Und da wir pro Woche im Schnitt 20 weitere verkaufen, wird die Zahl also noch deutlich steigen. Unser Publikum ist durchaus neugierig auf Neues und wir bekommen auch Post von Gästen, die sich auf die neuen Ideen von Andris Nelsons freuen. Unsere Programme bleiben ja weiterhin ausgewogen.

Sie werfen das Publikum trotzdem in ziemlich kaltes Wasser. Denn die historische und stilistische Lücke zwischen den bisherigen Gewandhaus-Programmen und der neuen Saison ist gewaltig.

Darum justieren wir auch nach. Tatsächlich erschließt sich ein großer Teil der Neuen Musik sehr viel leichter, wenn man mehr Hörerfahrung hat, wenn man sozusagen die Wege im Ohr hat, die zu ihr führen. Deshalb werden wir mit Augenmaß auch die klassische Moderne, also die Musik um 1900, ins Repertoire nehmen. Weiterhin planen wir neue Vermittlungsformate für unser Publikum: Neben den beliebten Konzerteinführungen unserer Dramaturgin Ann-Kathrin Zimmermann hat sie für die Programmhefte aufschlussreiche Interviews mit den Komponisten geführt. Zusätzlich wird sie im Großen Saal die Werke vor ihrer Uraufführungen kurz vorstellen. Und als weiteren Anreiz wollen wir ab der Saison 2018/2019 Anrechte speziell für Neue Musik mit einem besonderen Rabatt anbieten. Ich sehe da ein erhebliches Entwicklungspotenzial.

Sie haben in dieser Saison drei Gründe zum Feiern und im Spielplan geklotzt mit höchstkarätigen Solisten, Gastspielen und nicht zuletzt den vielen Kompositionsaufträgen. Haben Sie Sondermittel für die Jubiläums-Saison bekommen?

Über den Sponsors-Club haben wir zusätzliche Mittel eingeworben. Die Sparkassen-Stiftung hilft uns bei der Ausstellung, die ab Januar 275 Jahre Gewandhausorchester abbildet. Die Ernst-von-Siemens-Stiftung bringt sich bei der Finanzierung der Kompositionsaufträge ein. Und die Stadt unterstützt uns ebenfalls. Sowohl die Amtseinführung von Andris Nelsons als auch der 275. Geburtstag des Orchesters sind internationale Themen, die auch internationale Aufmerksamkeit benötigen. Solche großen Aufgaben können wir aus dem normalen Marketingbudget nicht leisten.

Am Samstag hat der Gewandhaustag, der früher auf die Innenstadt begrenzt war, zum ersten Mal einen Ableger in Grünau.

Ja, denn es ist uns wichtig zu zeigen, dass wir für die ganze Stadt da sind. Also spielen wir am Samstag in Grünau nicht einfach nur schöne Konzerte, sondern geben den Startschuss für ein ganzes Jahr der Zusammenarbeit mit Grünauer Schulen und Kindergärten. Im nächsten Juni werden dann in einem Konzert im Gewandhaus die Ergebnisse dieser Arbeit vorgestellt.

Und dann?

Kommt der nächste Stadtteil dran – welcher, das müssen wir noch festlegen.

In den letzten Jahren begannen mit der neuen Saison auch die Mendelssohn-Festtage. Die sind nun entfallen und sollen im Bachfest aufgehen. Wie ist da der Stand?

Die Beratungsgesellschaft Metrum hat beide Festivals in den letzten Monaten ausführlich untersucht und stellt in den nächsten Tagen Modelle vor, die dann in den politischen Prozess eingebracht werden.

Wie sehen die aus?

Das weiß ich auch noch nicht. Aber ich bin absolut offen und sehr gespannt.

Im Programm des Bachfestes spielte Mendelssohn bereits eine große Rolle.

Ich finde, dass hat dieses Jahr auch sehr gut geklappt.

Der Mendelssohn-Schwerpunkt im Bachfest hat nicht jedem gefallen. Er war einer der Gründe für den vorzeitigen Abgang des Bachfest-Intendanten Alexander Steinhilber.

Schon unter der Intendanz von Dettloff Schwerdtfeger war klar, dass es eine stärkere Verbindung von Bach und Mendelsohn im Bachfest geben wird, und die Programmplaner von uns und dem Bachfest haben entsprechend an der Umsetzung gearbeitet.

Im Zusammenhang mit Steinhilbers Fortgang äußerte Ex-Thomaspfarrer Christian Wolff öffentlich den Verdacht, das Gewandhaus im Allgemeinen und Sie im Speziellen betrieben die feindliche Übernahme des Bachfestes.

Das ist absoluter Unsinn. Das Bachfest ist programmatisch und organisatorisch beim Bach-Archiv sehr gut aufgehoben. Das Gewandhaus hat kein Interesse, das Festival zu übernehmen. Und die Zusammenarbeit mit dem dortigen Team, mit Direktor Peter Wollny und dem Dramaturgen Michael Maul, der ein wunderbares Festival-Programm gebaut hat, in dem Mendelssohn durchaus zu seinem Recht kam, klappt wunderbar und ist sehr kollegial.

Von Peter Korfmacher

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