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Gewandhauskapellmeister Riccardo chailly wird 60: "Nun gelte ich als Dirigent mittleren Alters"

Gewandhauskapellmeister Riccardo chailly wird 60: "Nun gelte ich als Dirigent mittleren Alters"

"Nein", sagt Riccardo Chailly mit einem breiten Grinsen im Gesicht, "nein, ich mag diese Zahl nicht!" Darum gibt es heute, am 60. Geburtstag des Gewandhauskapellmeisters, auch kein offiziöses Gewese.

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Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly.

Quelle: André Kempner

Heute Abend ist Probe, "vorher bekommt jeder der 120 Musiker von mir einen Sekt, und danach wird gearbeitet. Es ist eine anspruchsvolle Arbeitswoche in Leipzig - für mich das schönste Geschenk zum Geburtstag."

In der Tat, die Woche ist gedrängt voll: Gleich drei Große Concerte stehen auf dem Spielplan, dreimal steht darin Gustav Mahlers Fünfte auf dem Programm, morgen und übermorgen vorbereitet mit Edvard Griegs herrlichem Klavierkonzert (Solist: Lars Vogt), am Samstag mit der Uraufführung von Thomas Daniel Schlees (Jahrgang 1957) Orgelkonzert "Rufe zu mir".

Mahlers Fünfte hat Chailly mit dem Gewandhausorchester zuletzt 2007 aufgeführt, auch im Rahmen einer ausgedehnten USA-Tournee. Und seither hat sich viel verändert. Chailly: "Damals war es noch harte Arbeit, jetzt ist alles sofort da. Das Orchester liefert in Echtzeit, ich kann unmittelbar abrufen, was ich möchte. Auch das ist ein wunderbares Geburtstagsgeschenk für mich."

Womit wir wieder bei der 60 wären. Denn wenn Chailly dem Alter etwas abgewinnen kann, dann ist es dies: "Reife! Bruno Walter hat einmal gesagt, dass ein Dirigent seine wichtigste Entwicklung zwischen 50 und 60 durchmacht. Und ich bin glücklich, diese Zeit mit dem Gewandhausorchester verbracht zu haben."

Ansonsten aber ist es für Chailly eine eher unwillkommene Erfahrung, nun in eine neue Kategorie einsortiert zu werden: "Ich habe mit 13 zum ersten Mal ein Orchester dirigiert. Und dann betonten im Laufe meiner Karriere immer alle, dass ich der Jüngste sei. Nun gelte ich als Dirigent mittleren Alters."

Dass er, nach Stationen als Chefdirigent des Berliner Rundfunkorchesters (1982-89) und beim Concertgebouworkest in Amsterdam (1988-2004) seit 2005 als Gewandhauskapellmeister hat reifen können, erfüllt den Italiener noch immer mit Zufriedenheit: "Ich empfinde diese große Leipziger Tradition als Kraftquelle. Sie enthält zugleich den kollektiven Wunsch nach Erneuerung. Das gefällt mir sehr - die Tradition zu erhalten, indem man sich gleichzeitig erneuert. Darum bin ich froh, in dieser Stadt arbeiten zu können, die so reich an Kultur ist und an Musik. Darum sind mir die Leipziger Jahre so wichtig."

Bis 2015 werden sie mindestens dauern, die Leipziger Jahre. Zwar gebe es den beiderseitigen Wunsch, "den Vertrag in Leipzig zu verlängern, aber wir haben noch nichts Konkretes in dieser Richtung unternommen. Immerhin ist noch viel Zeit bis 2015."

Zehn Jahre wird er dann Gewandhauskapellmeister gewesen sein, und immer dann, wenn in diesen zehn Jahren auf internationalem Parkett ein attraktiver Chefposten vakant wurde, fiel der Name Riccardo Chailly, in Mailand, in Chicago, in Boston. Derzeit wird er in Berlin als möglicher Nachfolger für den 2018 scheidenden Simon Rattle gehandelt. Das mag Chailly nicht kommentieren: "Es ist noch so viel Zeit bis 2018, die Berliner Philharmoniker können in aller Ruhe einen geeigneten Chefdirigenten suchen." Er selbst konzentriert sich einstweilen ganz auf seine Leipziger Aufgaben. In dieser Woche vor allem auf Mahlers Fünfte, in der nächsten auf Tschaikowskys "Pathétique, die ich seit 25 Jahren nicht mehr dirigiert und mir ganz neu erarbeitet habe". Und auf die großen CD- und DVD-Produktionen: Mahler- und Brahms-Zyklus sind weit gediehen, dann folgt Rachmaninoff.

Peter Korfmacher

@Das Große Concert am 22. Februar wird ab 20 Uhr live im Internet übertragen: www.gewandhaus.de und www.dhl.com/concert.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.02.2013

Peter Korfmacher

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