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Geyserhaus Leipzig feiert 25-Jähriges

Jubiläum im Kulturzentrum Geyserhaus Leipzig feiert 25-Jähriges

Das Leipziger soziokulturelle Zentrum Geyserhaus feiert Ende April sein 25-jähriges Bestehen. Das Team blickt auf eine kontinuierliche Entwicklung hin zu einem unverzichtbaren Ort für Kreativität und Begegnung zurück – und auf spannende Kontakte zu Stars der Musikszene.

Grund zum Feiern: Amin Maghafi, Thomas Farken, Marie und Johannes Priewe (v. l.).

Quelle: Kempner

Leipzig. Ein später Sommer-Nachmittag. Die Tischtennisplatte auf der Geyserhaus-Parkbühne ist belegt von einer „Chinesisch“-Runde aus unterschiedlichsten Jugendlichen. Ökos neben Normalos, ein Punk – und einer, dessen Erscheinungsbild klar zu seinem Spitznamen passt: Goebbels. Als der einen Ball verschlägt, frotzeln die anderen: „Mensch, Goebbels, das war aber nix!“ Heranwachsende, die politisch auf gegensätzlichen Seiten stehen, spurten gemeinsam um ein Spielgerät herum, statt sich gegenseitig runterzumachen. Zugegeben, eine arg sozialromantische Szene. Doch sie hat stattgefunden, und sie steht als Idealfall für das, was Soziokultur erreichen kann – und wofür in Leipzig-Eutritzsch das Geyserhaus seit nun 25 Jahren steht. Am 30. April feiert das Zentrum sein Jubiläum.

Die imposante Geschichte beginnt mit Johannes Priewe. In den 1980er Jahren setzt sich der Keramiker in den Kopf, jenes Haus in der Gräfestraße 25 zu retten, in dem im 18. Jahrhundert der Künstler Christian Gottlieb Geyser wohnte. Er beginnt mit der Rekonstruktion, 1991 gründet er mit seiner späteren Frau Marie sowie fünf weiteren Mitstreitern am 27. April den Geyerhaus-Verein. Zu den Leuten der ersten Stunde gehört Thomas Farken, der nach wie vor die Geschäfte leitet.

„Eine irre Zeit“, wie er knapp konstatiert. Weil noch vieles unsaniert ist, finden die ersten Keramik-Zirkel auf engem Raum in der Galerie des Haupthauses statt. Es folgen Zeichenkurse und erste Konzerte im Ambiente einer Halbruine. Zu den ersten Künstlern, die hier Töne anschlagen, gehört Jazzpianist Stephan König. Je weiter die Restaurierung voran schreitet, desto komfortabler und breiter das Angebot. 1992 unterschreibt das Geyserhaus-Team einen ersten Vertrag zur Nutzung der lange brach liegenden Eutritzscher Parkbühne und macht sich daran, das Gelände zu erschließen. „Um Geld für einen Rasenmäher zu sparen, haben wir Schafe dort weiden lassen“, erinnert sich Farken mit einem Lachen, „das ging aber nicht lange gut – wegen der unangenehmen Hinterlassenschaften der Tiere“.

Zu den wichtigsten Abschnitten in der Vereinshistorie gehören die Entwicklung des Kellers zur „Unterrock“-Bühne – die urig-rustikale Atmosphäre ist nicht nur bei Blues- und Rockkonzerten unschlagbar – und der wunderschöne, einladend warm wirkende Neubau auf der Parkbühne von Architekt Roland Keil, eröffnet 2003. Was den Kampf um Baugenehmigungen und -zuschüsse angeht, ist der 54-jährige Farken ebenso erprobt wie im turnusmäßigen Beantragen von Fördermitteln bei Sozial-, Jugend- und Kulturamt. Geld fließt darüber hinaus vom Freistaat, vom Jobcenter, von Stiftungen, Spendern und Sponsoren. Wenn es darum geht, den Erhalt oder den Ausbau von Geyserhaus-Leistungen zu sichern, macht dem gut vernetzten Geschäftsführer in Sachen Geschick, Einfallsreichtum und Chuzpe niemand etwas vor.

Einen Riecher hat Farken offenbar auch, was Personalentscheidungen angeht: Als im Jahr 2000 Amin Maghafi, zuvor beschäftigt als Kommunikations-Elektroniker bei Radio PSR, anklopfte, war dem Chef schnell klar: „So einen lässt man nicht gehen – Amin ist eine eierlegende Wollmilchsau und menschlich sehr angenehm.“ Der 45-Jährige, einst Mitglied bei der Reggae-Band Ten Colors, kümmert sich unter anderem um das Tonstudio, um die Technik bei Veranstaltungen, die Website und Grafiken. „Ich habe mich hier sofort wohl und eine große Freiheit für Gestaltung gefühlt“, sagt Maghafi und betont, dass sich daran nichts geändert hat. Eine von vielen guten Seelen, die den Charakter von Freundlichkeit und Offenheit des Hauses prägen. 29 Mitarbeiter – die meisten davon befristet und in Teilzeit –, rund 40 Honorarkräfte und Ehrenamtliche.

Das Angebot der Soziokulturmacher richtet sich an alle Generationen. Ein Schwerpunkt: Präventionsarbeit und Persönlichkeitsentwicklung – mit dem Ziel, jeglicher Radikalisierung den Nährboden entziehen und Werte für verantwortungsvolles Zusammenleben vermitteln. „Wie wichtig soziokulturelle Arbeit ist, haben inzwischen auch die Leipziger Politik und Verwaltung erkannt“, sagt Farken, was nicht heißt, dass nicht weiter um finanzielle Mittel gerungen werden muss. „Ausruhen ist nicht.“

An Bedeutung gewonnen haben neben dem Puppentheater und dem Förderprogramm „Musik macht schlau“ für sozial Schwächere vor allem die Konzerte des Geyserhauses: Nicht nur die Berliner Gruppe Rumpelstil ist seit 13 Jahren Stammgast und Garant für eine ausverkaufte Parkbühne, zuletzt kamen Stars wie Albert Hammond, Midge Ure, Element of Crime oder Hans-Eckardt Wenzel; inkognito haben mal Die Ärzte den UnterRock beschallt.. „Alles tolle Leute, auch hinter der Bühne“, bemerkt Maghafi und nimmt Hammond als Beispiel. „Er wirkte zunächst reserviert. Als er 2013 nach dem Gig in seinen 70. Geburtstag feierte, gab’s von uns Kuchen und Chorgesang – da taute er völlig auf“. Im Jubiläumsjahr tauchen im Programm so große Namen wie Calexico (21. 7.), Gregor Meyle (20. 8.) oder die Bluesrock-Legende Mungo Jerry (13. 8.) in Eutritzsch auf.

Das noch ungeschriebene Buch über das Geyserhaus hätte weitere lesenswerte Kapitel – über den bezaubernden theatralen Stadtteilrundgang „Kein Schaf bis Eutritzsch“ 2012, über das Spektakel des Theater Titanick Ende der 1990er, über das Familienorchester, die Projekte mit Flüchtlingen. Vielleicht auch über jene Sommerepisode an der Tischtennisplatte. Zumindest ein paar Geschichten wird Thomas Farken zur Jubiläumsparty am Samstag sicher zum Besten geben.

Die Feier findet am 30. April ab 17 Uhr mit Lagerfeuer und viel Livemusik auf der Parkbühne statt - unter anderem von Dark Suns, Erik Heyner, Max von Wegen, The Mad Hatters und Roisin & The Beards. Infos auf www.geyserhaus.de.

Von Mark Daniel

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