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Girlie-Disco-Kurs: Suche nach dem Faszinosum Kylie Minogue - Tourstopp in Leipzig

Girlie-Disco-Kurs: Suche nach dem Faszinosum Kylie Minogue - Tourstopp in Leipzig

Als in den Spätachtzigern ein australisches Serial namens "Neighbours" über die Mattscheiben flimmerte, nahm höchstwahrscheinlich keiner an, dass die beiden hauptdarstellenden Samtgesichter auch einer popmusikalischen Karriere entgegen sahen.

Leipzig. Unter der Fuchtel des Euphorie-Plastikpop-Dreamteams Stock, Aitken, Waterman brillierte Jason Donovan für eine relativ kurze Zeit, während seine Kollegin Kylie Minogue hier nur den Anlauf für eine förmlich ewig währende Sternenfahrt durch die Universen des tanzorientierten Songwritings nahm.

Schon bei ihrem Hit "I Should Be So Lucky" vernahm man diverse Geheimzeichen, die darauf deuteten, dass hier Kurzlebigkeit hintan zu stellen ist. Weniger die sich in Kissen wälzende Löckchenfrisur und vielmehr einige verlockende Hook- und House-infizierte Bridges vermittelten den unmissverständlichen Eindruck, dass hier neben der nicht immer Pseudopathos-freien Madonna-Loipe ein fehlerfreier Girlie-Disco-Kurs eingerichtet wurde, welcher bis heute keinerlei Glanz verloren hat.

Die immergrüne Würze von Kylie-Minogue-Songs generiert sich eben von jeher auch durch die Fähigkeit, die jeweilig aktuellen Soundmechanismen von den Dancefloors der Welt abzugraben und diese dann mit dem nötigen Samt für die große Popbühne zu umwickeln. Und jedes Mal, wenn man denkt, um die schöne Floor-Chanteuse ist es ein wenig ruhig geworden, bolzt sie den nächsten Breitband-Hit heraus. Man denke nur an ihre pumpende Liebeserklärung "Can't Get You Out Of My Head" von 2001, in deren Video Kylie die angestammten Laufstege der Modewelt auf den Asphalt urbaner Magistralen holt.

Kylie Minogue verbindet dabei seit jeher alle Lager zeitgenössischer Populärmusik, und jeder diesbezügliche Vorbeter wollte und will an ihrer Seite glänzen, ob nun Grabhymnen-Gesang mit Alternative-Gralshüter Nick Cave oder komponiertes Jugendkultur-Tagebuch im Duett mit Robbie Williams. Und selbst der Taktstraßen-Dancepop eines Taio Cruz löst dank ihrer Mitwirkung beträchtliche Sympathiewogen aus. Doch Kylie Minogue steht mitnichten nur für wohltemperierte, leicht verdauliche Tanzflächen-Massage. Spätestens mit ihrem 2003er Album "Body Language" belieferte sie uns mit einer regelrechten Autoren-Pop-Kollektion. Der von Emiliana Torrini verfasste Überhit "Slow" startet eine popkulturell sicher austarierte Liederreise, welche spätestens in "Someday", wo sich Kylie das Mikrofon mit einem Pop-Urvater, nämlich Green Gartside von Scritti Politti teilt, kulminiert.

Nun gelangte 2010 ihr aktuelles Werk "Aphrodite" in die weltweiten Regale und Rechner, mit dem sie heute in der Arena Leipzig gastiert. Die Vorabsingle "All The Lovers" rotierte noch auf allen Kanälen der Musikurbarmachung, doch das Interesse an der Gesamtliedersammlung schien zeitigst abzuflauen. Dies verwundert, denn gerade "Aphrodite" ist so sehr Kylie wie keine ihrer Unternehmungen in den letzten Jahren. Dieser Noten gewordene Liebesbrief an die seligmachenden Euphorieschübe, welche Disco und House über die Jahrzehnte zu versprühen vermochten, bildet das bestsitzende Abendkleid, welches sich die Minogue nur aus ihrem sicherlich begehbaren Kleiderschrank herausangeln kann. Und hier ist eben rein gar nichts Ü-40-Party oder rustikaler Nostalgie-Backlash. Ihre Show ist dabei von jeher eher Multiplex denn Programmkino. Das darf man ablehnen, tut man aber in der Regel nicht. Schließlich können sich auf Kylie fast alle Sparten Musikinteressierter vom Röhrenjeans-Indie-Head bis zum Techno-Beklatscher einigen. Heute ist Kylie mit Leib und Seele für uns da, und es wird ihr ein Leichtes sein, sich und uns zu strahlenden Bestandteilen einer überdimensionalen, glamourösen Disco zu machen. Und genau das brauchen wir schließlich auch.

Ralf Donis

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