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Gitarrenklänge wie Adlerkreisen: Einstiger Genesis-Gitarrist Steve Hackett in Leipzig

Konzert Gitarrenklänge wie Adlerkreisen: Einstiger Genesis-Gitarrist Steve Hackett in Leipzig

Vor 40 Jahren ist er bei Genesis ausgestiegen: Die Fans im fast ausverkauften Haus Leipzig bejubelten Gitarrist Steve Hackett und seine fünfköpfige Band am Donnerstag denn auch vor allem für die Stücke von seiner letzten Studioplatte mit den damaligen Kollegen: „Wind & Wuthering“.

Rockgitarren-Innovator und Nachlassverwalter: Steve Hackett im Haus Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Ja, die guten alten Stones, sie wussten immer genau, was sie eigentlich machen. Sie konnten es sogar singen: „I know it’s only Rock’n’Roll but I like it“ ist die klare Ansage. Ob die auch Steve Hackett über seine Musik so treffen würde, ist fraglich. Von seinen Fans ganz abgesehen. Am Donnerstag bejubelten die jedenfalls ausgiebig Hackett und fünfköpfige Band inklusive Sänger Nad Sylvan. Im Rahmen ihrer „Genesis Revisted with classic Hackett Tour“ machten sie Station im fast ausverkauften Haus Leipzig.

Um dort für gut zweieinhalb Stunden etwas zu bieten, das man ja gemeinhin Prog-Rock nennt. Also eine Musikgattung, die sich eher kein „only“ als Adverb voranstellen würde. Schließlich geht’s hier um was Ernsteres, Größeres, um Kunst, irgendwie. Wenn auch nicht unbedingt um Gegenwartskunst.

Hackett, das war einst vor allem ein nicht zu unterschätzender Rockgitarren-Innovator zwischen Tapping und Sweep Picking, zwischen raffinierten Harmoniewechseln und gravitätischem Saitenjaulen. Was zumal den Genesis-Sound von Anfang bis Mitte der 70er, also in den interessantesten Bandjahren, maßgeblich prägte. „Wind & Wuthering“ heißt die letzte Platte dieser Schaffensphase. Peter Gabriel gehörte da schon nicht mehr zur Gruppe, Hackett stieg wenig später aus. Und schaut jetzt zur Tournee anlässlich des 40. „Wind & Wuthering“-Geburtstages gerade auch auf dieses Werk noch einmal ausführlich zurück. Ganz nach der Devise, je später der Abend, desto älter die Stücke, erklingen dann etwa „One for the Vine“, „Blood on the Rooftops“ oder „Afterglow“ im zweiten Teil des Konzerts.

Prog-Rock als Rockkonservatismus

Zur hellen Begeisterung der Fans, die sich allerdings zuvor, so ist das halt, doch erst einmal eher höflich durch Hacketts Darbietungen seines aktuellen Albums „The Night Siren“ klatschen. Nicht, dass die Musik darauf auch nur im Entferntesten den schnöden Zeitgeist bedienen würde. Um es mal positiv zu formulieren. Und die Frage, ob sich Hackett auch auf diesem Album einfach nur treu bleibt oder künstlerisch stagniert, soll hier auch gar nicht diskutiert werden. „El Niño“, „In the Skeleton Galery“ oder „Behind the Smoke“ sind jedenfalls Kompositionen, die immer noch als Miniatursuiten in Schlaghosen auftreten. Obligate Versatzstücke aus Klassik und Ethno inklusive. Prog-Rock als Rockkonservatismus. Aber warum auch nicht.

Funktioniert gerade bei „Behind the Smoke“ ganz gut. Ein Stück, vor dem Hackett irgendwas über Refugees, Syrien und England erzählt, was fast irritierend wirkt. So viel Gegenwartsbezug bei einem Song, der erst einmal an Led Zepplins grandiose „Kashmir“-Akkordfolgen erinnernd daher stampft, um sich bald sphärisch aufzuschwingen. Gitarrenklänge wie Adlerkreisen. Doch, doch. So pathetisch darf man das mal sagen, passt es doch zu diesem ganz und gar Prog-Rock-Old-School-Sound. Und was Hackett dazu einst an Innovation beitrug, offeriert er jetzt als Nachlassverwalter in handwerklicher Souveränität.

Zu der auch das sympathische, fast etwas schüchtern steife Understatement gehört, mit dem der Mann sich gelegentlich ans Publikum wendet. Wissend, worauf das natürlich vor allem aus ist. Das Wort „Genesis“ klingt aus Hacketts Mund dann auch passenderweise wie eine alte, auch in milder Ironie gebrauchte Beschwörungsformel. Ihrer Wirkung darf man gewiss sein. Auch zu diesem Konzert. Und ja: it’s only Prog-Rock. Aber manchmal reicht das ja auch.

Von Steffen Georgi

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