Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Global Space Odyssey zieht durch Leipzig - 4500 Menschen fordern Open-Air-Tanzflächen

Global Space Odyssey zieht durch Leipzig - 4500 Menschen fordern Open-Air-Tanzflächen

Wo bleibt die Anerkennung der Szene? Wo ist Platz für Kreativität und Soziokultur? Wieso entstehen immer mehr makellose, gleichförmige Betonklötze? All das fragen die Macher und Mitmacher der Global Space Odyssey (GSO).

Voriger Artikel
Splash!: Auf der Halbinsel der Glückseligen – 20.000 Hiphop-Fans feiern in Ferropolis
Nächster Artikel
12.000 beim Rockharz-Festival - Besucherrekord im Schatten des Brocken

Global Space Odyssey in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Am Sonnabend setzten sie " ihren kulturpolitischen Demonstrationszug mit 13 boxenbepackte Wagen unter dem Motto "Mein Leipzig koof ick mir“ in Bewegung.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich bis zu 4500 Menschen daran. Die Beamten mussten wegen mehrerer Straftaten die Personalien von Teilnehmern aufnehmen. "Von einem Dienstfahrzeug wurde der Spiegel beschädigt, aus einem Laden Alkohol gestohlen und Widerstand gegen Beamte geleistet", hieß es aus dem Führungs- und Lagezentrum. Zudem habe die Polizei vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert. Dennoch: Im Großen und Ganzen sei alles freidlich abgelaufen, so die Polizei.

Kernanliegen der Teilnehmer war: Nach drei zähen Verhandlungsjahren endlich eine Vereinbarung mit der Stadt zu treffen, die elektronische Freiluftevents aus der Illegalität herausholt. Denn auch in diesem Sommer wird Woche für Woche unerlaubt im Nirgendwo gefeiert.

Als die New York Times 2010 eine ausdrückliche Reiseempfehlung für Leipzig abdruckte und die Stadt in die Top-30 der weltweiten "Muss ich gesehen haben"-Plätze lobte, begründete sie das nicht nur mit dem Bach-Argument. Sie bejubelte auch zwei Leipziger Electro-Labels und deren innovative Musik. Musik, die eben nicht nur die Summe aus Beats und Loops ist, sondern in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe, einer eigenen Subkultur, einem Identitätsstifter gewachsen ist. Nicht wegzudenken aus der Stadt und für viele ein Grund, warum Leipzig so lebens- und liebenswert ist.

"Ein politisches Bekenntnis fehlt"

Veranstaltungen unter freiem Himmel, Electro-Open-Airs, sind Teil dieser Subkultur. Und trotzdem fehlt weiterhin ein klares politisches Bekenntnis für die Veranstaltungen, klagt Frank Ulrich, GSO-Mitorganisator, 34, tätig im öffentlichen Dienst, Electro-Crew-Mitglied. Seit drei Jahren kämpft er samt GSO-Mitstreitern für eine Legalisierung der Feten, für eine feste Regelung in Absprache mit den Ämtern, auf die sich Veranstalter berufen können.

Rund zehn unangemeldete Feiern hatte die Polizei vergangenen Sommer aufgelöst, weil es in Leipzig keine einzige Fläche gibt, auf der - ohne komplizierte und teure Anmeldung - spontan getanzt werden kann. Vor einem Monat fuhren die Einsatzwagen am Lindenauer Hafen vor, auch hier wurde ein nicht genehmigtes Spontan-Open-Air beendet.

Schon 2010 hatte die GSO ein Konzept bei der Verwaltung eingereicht, in dem sie verschiedene Flächen als Austragungsorte vorschlug. Auch eine Nutzungsordnung zur Regelung von Lärm, Müll und Sicherheit wurde umrissen. Drei Jahre lange tat sich nichts.

php87STFu20130713142223.jpg

Protest für legale Tanzflächen.

Quelle: André Kempner

Bis vor zwei Monaten. Da fand endlich ein Runder Tisch statt, an dem GSO, Ämter sowie Linken-Stadträtin Juliane Nagel und der jetzige Grünen-Fraktionschef Norman Volger teilnahmen. Das Ergebnis: Neue Flächen (etwa der Richard-Wagner-Hain, das Küchenholz und der Wilhelm-Külz-Park) werden geprüft. Zudem dürfen bis zum Herbst auf einem Flurstück am Lindenauer Hafen fünf Open-Airs beantragt werden. Das erste dieser fünf Events fand Mitte Juni, an einem Sonntag von 10 bis 22 Uhr statt, rund 800 Leute kamen zusammen. Das Resümee von Ordnungsamt und dem Amt für Stadtgrün und Gewässer: keine Lärmbeschwerden, keine Verletzung der Auflagen, alles problemlos verlaufen.

Ein erstes positives Signal in einem langwierigen, bürokratischen Prozess. Noch laufe die Flächenprüfung, sagt Ordnungsamt-Leiter Helmut Loris. Im Sommer 2014 soll nach derzeitigem Stand aber ein Pilotprojekt starten, bei dem testweise legal getanzt wird. Auf genau der Fläche, die alle notwendigen Kriterien (Umwelt- und Anwohnerschutz) erfüllt.

"Die Behörden haben Angst, dass es aus dem Ruder läuft"

Unklarheiten gibt es trotzdem noch: Das Flurstück, auf dem im Juni offiziell gefeiert wurde, ist von der Agrargenossenschaft gepachtet - die Stadt muss hier also stets zuerst um Erlaubnis bitten. Zudem bekam Ulrich jüngst den Hinweis der Behörden: Einzelpersonen dürfen keine musikalischen Veranstaltungen auf öffentlichen Grünflächen verwirklichen. Grundsätzlich nicht. Es scheint, die Verwaltung möchte am liebsten die GSO als Mittler vorschieben. "Die Behörden haben Angst, dass es aus dem Ruder läuft. Aber das Problem haben sie ja jetzt schon", sagt Ulrich.

Aber auch das Partyvolk selbst will die GSO zum Umdenken bewegen. Mehr und mehr würden die Feiern nur konsumiert - der Aufwand, die Liebe, die Idee dahinter rücke aber zunehmend in den Hintergrund. Auch dagegen wird morgen also demonstriert. 2500 Teilnehmer erwartet das Ordnungsamt, die GSO rechnet mit mindestens 3000.

Tobias Ossyra/mro

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine Papierfabrik stellt sich vor: "Edle Papiere aus Gmund" im Druckkunstmuseum Leipzig. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr