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Goethe verbindet: Theater Fact verlegt „Stella“ in die Welt des Onlinedatings

Premiere Goethe verbindet: Theater Fact verlegt „Stella“ in die Welt des Onlinedatings

Das Goethe-Projekt „Stella“, das am Freitag im Theater Fact Premiere gefeiert hat, schlägt eine Brücke von der klassischen Stückvorlage des bedeutenden Dichters in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts. Unter Regie von Sabrina Kohl überträgt das Ensemble originale Textstellen in die Welt des Onlinedatings, frischt die mehr als 200 Jahre alte Vorlage mit zeitgemäßen Elementen auf.

Verliebt? Stella (Anna-Karoline Schiela) und Fred (Markus Falk).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Stella glaubt an die große Liebe, voll von Romantik, Herzklopfen, schlaflosen Nächten – wie in Hollywood. Oder bei Goethe. Stellas Freundin Cäcilie ist eher pragmatisch: Wenn es mit dem Verlieben in der Wirklichkeit nicht klappt, könnte Onlinedating die Lösung sein. So wird aus Stella (gespielt von Anna-Karoline Schiela) Sternchen91, die lange Strandspaziergänge liebt und Johann Wolfgang von Goethe zitiert. Das gefällt Fernando87 (Markus Falk), ebenfalls Fan des Literaten. Mit Zitaten aus dessen Stücken chatten die beiden – und verlieben sich in ihre virtuellen Charaktere.

Das Goethe-Projekt „Stella“, das am Freitag im Theater Fact Premiere gefeiert hat, schlägt eine Brücke von der klassischen Stückvorlage des bedeutenden deutschen Dichters in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts. Unter Regie von Sabrina Kohl überträgt das Ensemble originale Textstellen in die Welt des Onlinedatings, frischt die mehr als 200 Jahre alte Vorlage mit zeitgemäßen Elementen auf.

So auch der Sprung in die Wirklichkeit: Als Fernandos Computer kaputt geht, muss er seinen selbsterschaffenen Mikrokosmos verlassen. Ohne sich hinter den Worten eines anderen verstecken zu können, vermischen sich plötzlich Realität und virtuelle Welt. Fernando, der eigentlich Fred heißt, begegnet Cäcilie (Nina Heinke). Die beiden verabreden sich, ohne zu wissen, dass sie eine gemeinsame Verbindung haben: Stella.

„Wer lebt, verliert“ – aber er gewinnt auch

Wie zu Beginn der Inszenierung von den beiden Freundinnen beschrieben, ist Goethes Stück „Stella“ voll von Stereotypen. Auch die moderne Interpretation etabliert ihre Charaktere klischeehaft, schafft aber den Sprung ins Jetzt. Stella als hoffnungslos Romantische, eine zarte Frau, die nicht auf ihr Äußeres reduziert werden will – aber am Ende Liebe nicht über Freundschaft stellt. Fernando ist hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen. Doch als Fred ist er ein einsamer Nerd: unsicher, mit Stoffhasen im Bett, trägt er T-Shirts mit Comichelden und eine große Hornbrille.

Die moderne Adaption der originalen Stückvorlage bietet dem Zuschauer mehrere Ebenen. Die Charaktere brechen mit den Erwartungen, aktuelle deutschsprachige Popmusik steht den klassischen Monologen als moderne Form der Poesie gegenüber. Das Stück ist kurzweilig, verbindet humorvoll damals und heute. Auch die spielerische Leistung, vor allem von Markus Falk als Fernando, überzeugt.

Zudem wartet die Inszenierung mit einer Überraschung auf. Das 1775 verfasste, aber erst 1806 uraufgeführte Stück hat alternative Enden: Goethe wechselte vom polygamen Beziehungskonzept zu einem dramatischen Liebestod. Die Interpretation des Theater Fact bietet einen weiteren Ausgang. Ebenso wie die moderneren Figuren passt auch dieses Ende besser in unsere Zeit. Die Botschaft aber bleibt. „Wer lebt, verliert“ – aber er gewinnt auch.

„Stella“, weitere Termine Sonntag, 16 Uhr, Montag, 20.30 Uhr, 22., 23., 25., 29. und 30. April, 20.30 Uhr sowie 24. April, 16 Uhr, Theater Fact (Hainstraße 1); Karten für 10 bis 17 Euro: 0341 9614080, www.theater-fact.de, letzte Vorstellung am 1. Mai, 16 Uhr: Eintritt frei

Von Josephine Heinze

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