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Golden Globes fürs Risiko: „Avatar“, Michael Haneke und Christoph Waltz triumphieren

Golden Globes fürs Risiko: „Avatar“, Michael Haneke und Christoph Waltz triumphieren

Sie wagten hohe Risiken und wurden dafür mit Golden Globes belohnt: James Cameron gewann mit „Avatar“, dem teuersten Film aller Zeiten, die zwei wichtigsten Preise der großen Gala in Beverly Hills.

Beverly Hills. Michael Haneke wurde für seine deutsche Produktion „Das weiße Band“ mit der Globe-Trophäe für den besten fremdsprachigen Film geehrt - er setzt kompromisslos auf den eigenen intellektuellen Anspruch. Als bester Nebendarsteller durfte sich der Österreicher Christoph Waltz bei der Verleihzeremonie in der Nacht zum Montag über die Goldene Weltkugel freuen: Er spielt in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ mutig eine ganze Schar von Superstars an die Wand.

Camerons „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ wurde von der Vereinigung der Auslandspresse in Hollywood als bestes Film-Drama ausgezeichnet: Der 55 Jahre alte Cameron („Titanic“) wurde außerdem zum besten Regisseur gekürt. Der Preis für die beste Kinokomödie ging an „Hangover“.

Der in München geborene Österreicher Michael Haneke (67) nahm den Golden Globe aus den Händen der italienischen Diva Sophia Loren entgegen. Er setzte damit die europäischen Erfolge von „Das weiße Band“ auch in Hollywood fort. Sein Drama hatte zuvor bereits die Goldene Palme von Cannes und den Europäischen Filmpreis gewonnen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann gratulierte Haneke am Montag aus Berlin. „Ich drücke nun die Daumen für die Oscar-Nominierung, die Weichen für ein weiteres Erfolgsjahr für den Filmstandort Deutschland und den deutschen Film sind gestellt“, ließ Neumann ausrichten. Die Förderung von „Das weiße Band“ und „Inglourious Basterds“ durch den Deutschen Filmförderfonds habe sich im wahrsten Sinne des Wortes als goldrichtig erwiesen.

Der spröde Schwarz-Weiß-Film, der in einem norddeutschen Dorf im Jahr 1913/1914 spielt, ist von deutscher Seite auch zur Nominierung für den Oscar vorgeschlagen worden. Haneke schildert eine seltsame Serie von Unfällen und Gewalttaten in einem kleinen Dorf. Er verbindet diese Ereignisse mit den übersteigerten religiösen und gesellschaftlichen Werten seiner Bewohner, unter denen vor allem die Kinder zu seelischen Krüppeln werden. Haneke bedankte sich ausdrücklich bei seinen jungen Darstellern, die in dem Film die Hauptrolle spielten. Vor allem sie verdienten die Auszeichnung.

Christoph Waltz stach in seiner Nebenrolle als sadistisch- charmanter SS-Mann in „Inglourious Basterds“ nominierte US-Stars wie Matt Damon, Woody Harrelson, Christopher Plummer und Stanley Tucci aus. Der 53-Jährige war bereits in Cannes als bester Darsteller gefeiert worden. Auf der Bühne in Hollywood dankte Waltz vor allem dem „Basterds“-Regisseur Quentin Tarantino: „Er nahm meine bescheidene kleine Welt, meinen Globus, und mit der Kraft seines Talents, seiner Worte und seiner Vision schleuderte er ihn in seinen Orbit. Eine atemberaubende Erfahrung.“

„Inglourious Basterds“ wurde zu großen Teilen im Studio Babelsberg nahe Berlin gedreht. „Die Ehrung zeigt, dass deutschsprachige Schauspieler zunehmend international erfolgreich sind, und wie wichtig internationale Koproduktionen wie „Inglourious Basterds“ für den Filmstandort Deutschland sind“, würdigte der Studio-Vorstand Christoph Fisser die Ehrung.

Komödien-Star Sandra Bullock wurde für ihre ernste Hauptrolle in dem Sportdrama „The Blind Side“ zur besten Drama-Darstellerin gekürt. Jeff Bridges stach mit seinem Auftritt als saufender Country-Musiker in „Crazy Heart“ Konkurrenten wie George Clooney, Tobey Maguire und Morgan Freeman als bester Drama-Schauspieler aus. In der Komödiensparte konnte sich Meryl Streep als Starköchin Julia Child in „Julie & Julia“ über ihren siebten Golden Globe freuen. Robert Downey Jr. wurde als „Sherlock Holmes“ zum besten Darsteller in einer Komödie gekürt.

„Oben“, der mitreißende 3D-Trickfilm über das Alter und die Erfüllung von Lebensträumen, gewann die goldene Weltkugel als bester Animationsfilm und für die Filmmusik.

Verlierer bei den Globes war die Satire „Up in the Air“ mit George Clooney als vielfliegendem Geschäftsmann. Sie war mit sechs Nominierungen als Favorit angetreten, bekam am Ende aber nur den Preis für das beste Drehbuch, das Regisseur Jason Reitman selbst verfasst hat.

Bei den Fernsehproduktionen gewann die amerikanische TV-Serie „Mad Men“, die Anfang Januar beim deutschen Bezahlsender Fox angelaufen war, zum dritten Mal den Golden Globe als beste Drama-Serie. „Mad Men“ ist die Geschichte Don Drapers, Star einer New Yorker Werbeagentur Anfang der 1960er Jahre. Alec Baldwin wurde erneut als bester Darsteller in einer Comedyserie gewürdigt: „30 Rock“ wird in Deutschland beim kostenlosen Digitalkanal ZDFneo und beim Bezahlsender TNT Serie ausgestrahlt.

Auch die Serie „Dexter“ sahnte ab: Michael C. Hall ließ es sich trotz seiner Krebserkrankung nicht nehmen, den Globe für den besten Darsteller in einem Fernsehdrama entgegenzunehmen. Die zweite Staffel über den ebenso abstoßenden wie sympatischen Serienmörder Dexter Morgan läuft in Deutschland am 28. Februar bei RTL II als Premiere im frei empfangbaren Fernsehen an (sonntags, 22.00 Uhr); zuvor war sie beim Bezahlsender Sky zu sehen.

Die Gala in Beverly Hills stand ganz unter dem Eindruck der Erdbebenkatastrophe in Haiti: Mit Schleifen am Revers und an den Abendkleidern demonstrierten viele Stars ihre Solidarität mit den Opfern und den Überlebenden in Not. Nicole Kidman und viele andere riefen in dringenden Appellen zu Spenden für Haiti auf.

Die Golden Globes werden vom Verein der Hollywood-Auslandspresse in 25 Kategorien für Film und Fernsehen vergeben und gelten als Vorboten für die Oscar-Nacht am 7. März. Im vergangenen Jahr hatte das einfühlsame Drama „Slumdog Millionär“ über einen armen indischen Waisenjungen den Königspreis für den besten Film gewonnen.

Internet: www.goldenglobes.org

dpa

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