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Gottes Taschenspielertricks: Himmlischer Spaß des Leipziger Ensembles Il Comico

Premiere Gottes Taschenspielertricks: Himmlischer Spaß des Leipziger Ensembles Il Comico

Die Sache mit dem verbotenen Apfel war ganz anders, weiß man seit Freitagabend – seit die Leipziger Theatergruppe Il Comico in der ausverkauften Nato die Premiere des Stücks „Eva und Adam“ gefeiert hat. Ein zugleich himmlischer und höllischer Spaß.

Himmlische Yoga-Übung: Zeus (Olav Amende), Adam (August Geyler), Eva (Lisa Oltsch), Jesus (Paul Becker), die Päpste (Alexander Fabisch), Judas (Katja Fischer), Gott (Markus Reichenbach), Erzengel Uriel (Peter Zahn) und Erzengel Michael (Anne Rab) stimulieren ihre Chakren.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Fehler passierte vor 6071 Jahren, ein paar Tage nachdem die Schöpfung vollendet war. In jenem Moment, als die Lüge in die Welt kam: Ein Jammerlappen namens Adam – gefragt, was er denn da kaue – gab schnurstracks Eva die Schuld. Sie habe ihn überredet, den Apfel zu kosten, stotterte er. Die Folgen der Nascherei vom Baum der Erkenntnis sind bekannt. Verstoßung aus dem Paradies, Mord und Totschlag allenthalben. Für Eva und ihre erbsündigen Nachfahrinnen ein besonderes Kreuz: Zur Strafe müssen sie seither Kinder gebären mit allem drum und dran. Eine blutige Angelegenheit.

Seit Freitagabend jedoch ist das göttliche Missverständnis beseitigt. Die Leipziger Theatergruppe Il Comico hat da in der ausverkauften Nato die Premiere des Stücks „Eva und Adam“ gefeiert und Letztgenannter im Suff dem Judas sein lang gehütetes Geheimnis verraten: Die arme Eva hatte gar nichts mit der verbotenen Frucht zu tun. Er allein vermochte weder Appetit noch Neugier zu zügeln.

„Im Himmel ist die Hölle los“ lautet der Untertitel des Stücks, der zwar an eine durchgeknallte 80er-Jahre-Filmkomödie erinnern mag. Aber die hinreißend anspielungsreiche Geschichte Falko Köpps, die der Theaterautor in Personalunion temporeich inszeniert, ließe sich nun mal kaum treffender auf den Punkt bringen. Denn natürlich wirft Adams Geständnis im Himmel (und bald auch sonst überall) alles über den Haufen.

Gottes Grumpy-Ganzkörper-Schlafanzug

Die freie Leipziger Theaterszene ist bekannt für ihre Produktivität und Qualität. Dennoch passiert es nicht alle Tage, dass wie hier nicht nur ein selbst verfasstes Skript vor Witz und Klugheit nur so strotzt, sondern darüber hinaus auch die Umsetzung auf die Bühne mit Spiellust, tollen Regie-Einfällen und einer Liebe zum Detail glänzt. Selbstverständlich ist beides jedenfalls nicht einmal, wenn man berücksichtigt, dass es sich beim vor gerade mal anderthalb Jahren gegründeten „Il Comico“ um eine Art Freie-Szene-Allstar-Ensemble handelt.

Zu einem Ostrock-Hit der Dresdner Kapelle Electra, „Tritt ein in den Dom“, schlappt Jesus (Paul Becker) mit hängenden Schultern unterm Nirvana-Shirt und mit Stigmata unter den Jesus-Latschen durch die Himmelspforte. Auch sein Vater, der heilige Vater also (Markus Reichenbach hinterm Rauschebart), hat bereits bessere Tage gesehen. So ausgelaugt ist er, dass er seinen Schneewittchenzwerg-Grumpy-Ganzkörper-Schlafanzug nicht einmal zur anberaumten Aufsichtsratssitzung der Himmels-AG ablegt.

Das Treffen mit den 264 Päpsten, denen allen Alexander Fabisch die überaus charismatische Stimme leiht, stellt ja ohnehin nur langweilige Routine dar, glaubt Gott – bis eben die Erzengel Michael (Anne Rab) und Uriel (Peter Zahn) mit der Hiobsbotschaft von Adams Lüge hereinplatzen. Gottes erste Idee, dann eben noch mal Hand an die Schöpfung zu legen – kriegen halt fortan die Männer die Kinder – findet bei Vorstand, Aufsichtsrat und Gewerkschaft keine Mehrheit.

Adam als Marionette an unsichtbaren Fäden

Die einstige Allmacht darf er schnell mal an Adam demonstrieren, als er ihn vor Gottes Gericht wie eine Marionette an unsichtbaren Fäden führt – schauspielerisch von Adam-Darsteller August Geyler grandios in Szene gesetzt. Aber abgesehen von solchen Taschenspielertricks ist Gott längst selbst zur Spielfigur konkurrierender Himmelsfraktionen geworden. Der Rest ist ein Feuerwerk an Ideen.

Es ist zwar nicht unbedingt neu, dem christlichen Glauben genüsslich all die immanenten Widersprüche aufzutischen, bis logischerweise nur noch das Nichts aufscheint. Und gläubige Christen wird die Religionskritik der Komödianten Gott sei Dank kaum erschüttern. Doch selten kommt Blasphemie komischer und leichter als bei „Eva und Adam“ daher. Ein zugleich himmlischer und höllischer Spaß, und das in gerade mal einer Stunde Spielzeit.

„Eva und Adam“, wieder 30. Oktober, 16 Uhr, und 7. November, 20 Uhr, in der Nato (Karl-Liebknecht-Straße 46), 13/9 Euro; 18. November, 20 Uhr, im Theatrium (Alte Salzstraße 59), 7,50/4,50 Euro; www.ilcomico.de

Von Mathias Wöbking

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