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Grandioser ZDF-Dreiteiler über Verlorene Jugend

Grandioser ZDF-Dreiteiler über Verlorene Jugend

Das ZDF hat zehn Millionen Euro in die Hand genommen, fünf weitere kamen von der Produktionsfirma teamWorx, aus Fördertöpfen, von Jan Mojtos Weltvertrieb - und kein Euro wurde überflüssig in Schnee, Schlamm und Kulissen versenkt.

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Fünf Freunde: Viktor Goldstein (Ludwig Trepte), Greta (Katharina Schüttler), Wilhelm (Volker Bruch), Friedhelm (Tom Schillling), Charlotte (Miriam Stein).

Quelle: ZDF/David Slama

Gedreht wurde an 86 Tagen auf 141 Sets in drei Ländern, geschnitten ein Jahr lang - und das war kein Tag zu viel. Dem ZDF ist mit dem Dreiteiler

Von Norbert Wehrstedt

Was nicht zu erwarten war nach so vielen Dramen über Weltkrieg zwei, haben Stefan Kolditz (Buch), Philipp Kadelbach (Regie), Produzent Nico Hofmann und eine Hand voll junger Darsteller zustande gebracht. Was dieser Krieg war, wie er Seelen gefressen, Biografien zerrissen und Leben zerstört hat, das wird in unerhört harten, dramatischen, realistischen Bildern erzählt. Die Idee entstand bereits vor acht Jahren. Drehbuchautor Stefan Kolditz ("Dresden"): "Es sollte kein Film über den Krieg werden, sondern über eine Generation im Krieg. Ein Dialog mit unseren Vätern und Müttern." Wilhelm, einer der Jungen, die in den Krieg ziehen, ist dem Vater von teamWorx-Produzent Nico Hofmann nachempfunden: "Es ist seine moralischen Wandlung, die da erzählt wird."

"Unsere Mütter, unsere Väter" ist die Geschichte von fünf Freunden, die im warmen Berliner Sommer 1941 Abschied feiern. Der schon kriegserfahrene Leutnant Wilhelm kommt mit seinem schöngeistigen, Bücher lesenden Bruder Wilhelm an die Ostfront. Der leidet an den abgestumpften Soldaten und der Brutalität des Krieges. Friedhelm versucht, ihn zu schützen - bis Wilhelm im Grauen der Kämpfe seine Moral verliert und zur Kampfmaschine wird. Friedhelms Blick auf den Krieg ändert sich, als ein SS-Offizier ein kleines Mädchen, das er schützen wollte, im Vorübergehen niederschießt.

Charlotte, die Friedhelm liebt und von den NS-Ideen überzeugt ist, geht als Krankenschwester an die Ostfront und verliert bald alle Illusionen. Als sie eine jüdische, russische Ärztin unter den Schwestern entdeckt, hat sie ein Gewissensproblem. Greta bleibt daheim und arbeitet an ihrer Karriere als Sängerin. Die kommt in Schwung, als sie die Geliebte eines verheirateten Sturmbannführers wird. Da sie heimlich den jüdischen Schneider Viktor liebt, besorgt sie ihm über den Geliebten Papiere für die Flucht. Was sie nicht weiß und erst sehr viel später erfährt: Die Papiere sind absichtlich so schlecht, dass Viktor verhaftet wird.

Der Anfang seiner Odyssee, die ihn bis zu den polnischen Partisanen, die Juden ablehnen, und in die Nähe von Wilhelm bringt, der inzwischen Fahrer jenes SS-Offiziers geworden ist, der hinter der Front für Massaker sorgt.

Geschickt verflechtet Stefan Kolditz die fünf Erzählfäden. "Diese junge Generation hat den Krieg getragen - mit Träumen, Illusionen, Sehnsüchten und Lebenslügen", sagt der 57-jährige Autor, Sohn von Defa-Regisseur Gottfried Kolditz ("Frau Holle", Apachen", "Ulzana"), der zu DDR-Zeiten bereits den Defa-Western "Atkins" schrieb. Tom Schilling, der den Friedhelm spielt, war begeistert vom differenzierten, schonungslosen Drehbuch: "Das ist Unterhaltung - und las sich wie Kempowski ,Echolot`". Regisseur Philipp Kadelbach ("Hindenburg", RTL) hat alles in braune, graue, bläuliche, monochrome Farben getaucht. Die Bilder von der Ostfront sind so hypnotisch wie sie noch nie in deutschen TV-Produktionen zu sehen waren. Der Schlamm und der Schmutz sind so echt, dass man glaubt, sie würden gleich aus diesen düsteren Bildern schwappen, die Häuserkämpfe so intensiv, dass man meint, die Hitze der Geschosshülsen zu spüren, die Kälte (gedreht wurde bei minus 30 Grad in Litauen) so spürbar, dass man im Warmen fröstelt. Da ist Philipp Kadelbach in Emotionalität und Suggestion etwas gelungen, was selten gelingt. Die viereinhalbstündigen Vorführung im Hamburger Kino "Metropolis" jedenfalls war eine Überrumpelung. Kino-Panoramen in einer TV-Produktion.

Und dabei setzt die gar nicht auf die sattsam bekannte Event-Film-Dramaturgie: Frau zwischen zwei Männern, der eine gut, der andere böse. Katharina Schüttler, die die Greta spielt: "Das sind keine klassischen Opfer und keine klassischen Helden. Das sind ganz normale Menschen, die zu Tätern oder zu Mitläufern werden." Das sind auch, so sieht es Miriam Stein, die die Charlotte spielt, "fünf junge Leute, denen die Jugend genommen wird." Über jene Generation der Verlorenen hat das ZDF noch eine Doku gedreht und für seine Homepage ein Info-Modul entwickelt.

iZDF, 17., 18. und 20. März, 20.15 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2013

Norbert Wehrstedt

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