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Gravitätisch im Planschbecken - Theaterpremiere im Leipziger Schrberbad

Gravitätisch im Planschbecken - Theaterpremiere im Leipziger Schrberbad

Vergangenes Jahr belebte die Choreografin Irina Pauls mit einem Kunstprojekt das leerstehende Stadtbad in der Eutritzscher Straße. "Tanzt die Männerschwimmhalle" hieß die Inszenierung, die sich als reizvolle, dem Geist des Ortes nachspürende, szenisch-choreographische Séance offenbarte.

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Zweiter Schwall: Stadtbad-Verfall ins Schreberbad projiziert.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nun hatte am Donnerstag Irina Pauls neue Inszenierung Premiere. "Second Splash" heißt die, deklariert sich als Fortsetzung von "Tanzt die Männerschwimmhalle" und sollte ihrerseits ursprünglich in der ja traurig vor sich hin rottenden Frauenschwimmhalle des Stadtbades aufgeführt werden. Doch ist wohl selbst eine zeitweise Nutzung nicht möglich. Und ob das nun an bürokratisch-amtlicher Unflexibilität oder den tatsächlichen Gefahren maroder Bausubstanz liegt, ist hier vor allem aus einem Grund gleichgültig: Von jenem Zauber, der "Tanzt die Männerschwimmhalle" anhaftete, ist in "Second Splash" nichts zu finden.

Und das liegt nicht am Schreberbad, in das die Produktion ausgewichen ist. Also nicht am Open Air, mit Wind in den Bäumen und Wolken am Himmel. Auch liegt es nicht an wetterbedingten Widrigkeiten während der Proben. Denn selbst wenn man all das in Betracht ziehend der Inszenierung den Kredit gibt, den sie verdient hat, bleibt dennoch zu konstatieren: "Second Splash" enttäuscht.

Von der "Männerschwimmhalle" nahm Pauls ein paar Akteure samt inszenatorischer Versatzstücke mit ins Schreberbad: Sprachperformance gibt es von Angelica Waniek, Tanz von Berit Jentzsch, Johanna Kasperowitsch und Irene Schröder. Dazu bietet Tenor Patrick Grahl Barockes. Insgesamt Personal, das am, um und im (leeren) Babyplanschbecken agiert.

Visuell macht das sogar was her. Die Lichtdramaturgie ist sparsam, aber effektvoll (Konzept: René Richter) und im Hintergrund sind großformatig sehr atmosphärische Fotografien Peter Frankes projiziert, die vom Verfall der Schwimmhalle künden. Ein gelungener Kunstraum im natürlichen Ambiente also, den auch Pauls insofern zu nutzen weiß, als dass sie mit ihren Darstellern immer wieder stimmige Szenenbilder zu kreieren vermag.

Man könnte also sagen: Als Raum­installation ist "Second Splash" gelungen. Voll der hübschen Bilder - wenn sich niemand bewegt. Choreographisch nämlich sind die Ideen ausgesprochen sparsam gesät. Tänzerinnen in herbstlicher Montur und Badelatschen ziehen diese gern aus und an, so wie sie auch mal Badeanzüge lang und breit ziehen. In den Interaktionen ist nichts von Energie und Spannung spürbar, die solistischen Parts bleiben überraschungsfrei. Gravitätisches Schreiten ist beliebt. Konvention allenthalben.

Gilt auch für Matthias Engelkes Musik, die ein gerade im Tanztheater inzwischen furchtbar obligates Elektronik-Konglomerat darbietet. In das sich Grahls Barockgesang gut integriert. An einer Stelle singt der Purcells wunderschönes "I Must Complain". Ja, das muss man tatsächlich. Leider.

"Second Splash", Samstag und Sonntag sowie vom 19. bis 22. September, jeweils 20 Uhr, Schreberbad (Schreberstraße 15), Karten für 16/11 Euro: 0341 1261261

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.09.2013

Steffen Georgi

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