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Grönemeyer vor Tournee: „Wir scharren mit den Füßen“

Grönemeyer vor Tournee: „Wir scharren mit den Füßen“

Am 31. Mai 2011 startet Herbert Grönemeyer seine neue Tour in Rostock, die ihn bis zum 23. Juni in elf deutsche Städte sowie nach Wien, Klagenfurt und Bern führen wird.

Rostock. Jetzt gab der 54-jährige Künstler Einblicke in die Planung und was ihn im Moment umtreibt.

Herbert Grönemeyer, wie geht es Ihnen mit Blick auf die Tour 2011 und die neue Platte?

Grönemeyer:

„Nach zwei Jahren dürfen wir endlich wieder raus, wir scharren mit den Füßen. Wir arbeiten an der neuen Platte, damit wir Material haben zum Spielen."

Was wird die neue Platte bringen?

Grönemeyer:

„Sie wird anders sein als die letzte. Druckvoll, gitarrenlastig, elektronisch und im positiven Sinne simpler. Anfang 2011 soll die erste Single auf den Markt kommen.“

Und die Inhalte - wird es wieder sehr politisch?

Grönemeyer:

„Das weiß ich noch nicht. Bei der letzten Platte gab es ein Lied zu der Aids-Problematik. Texten ist ja nicht so einfach für mich wie Musik schreiben, das ist eher lustbetont. Ich habe noch Zeit bis Ende des Jahres, um die Texte zu schreiben.“

Warum beginnen Sie die Tour in Rostock, musikalisch ist das ja eher Provinz?

Grönemeyer:

„Wir wollten auf jeden Fall in Rostock spielen. Da haben wir nach der Wiedervereinigung das erste Konzert in Ostdeutschland gespielt. Und dann passte halt alles zusammen. Wir haben dort beim G8-Gipfel 2007 im IGA-Park gespielt und haben eine gute Erinnerung daran. Zudem können wir hier direkt am Meer proben und dann im IGA- Park spielen. Ich denke, wir werden hier einen wunderschönen Tourneestart haben. Das wird ein großer Spaß.“

Gab es in der DDR Grönemeyer-Fans?

Grönemeyer:

„Ja, aber ich habe nie dort gespielt, ich habe mich immer geweigert, dem Rat folgend, den mir Menschen aus der DDR in ihren Briefen gaben. Sie hätten keine freiverkäuflichen Tickets bekommen.“

Was ist das für ein Gefühl, vor 50.000 Leuten zu stehen und seine eigene Musik spielen zu können?

Grönemeyer:

„Das ist so was zwischen grandioser eigener Überheblichkeit oder Eitelkeit und dem Gefühl „kneif mich“, kann das Glück nicht fassen, das glaube ich selber nicht. Aber das ist schon auch ein harter Platz da vorne. Das ist wie beim Fußballspielen. Es ist ein Unterschied, ob du im Park mit deinen Kumpels kickst oder als Fußballer in ein vollgepacktes Stadion einläufst.“

Müssen es eigentlich immer diese Riesenstadien sein?

Grönemeyer:

„In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach den Konzerten größer geworden. Bei der letzten Tournee vor zwei Jahren hatten wir fast eine Million Besucher. Es ist ein Riesenaufwand, den wir treiben und die Fans auch erwarten. Wir haben 150 Leute auf der Tour, 35 Sattelschlepper. Die Kosten für ein Konzert bewegen sich im hohen sechsstelligen Bereich. Wir verdienen bei unseren Eintrittspreisen von rund 45 Euro erst ab einer Größenordnung von etwa 40.000 Besuchern Geld. Aber ich weiß, dass auch das viel Geld für die Menschen ist.“

Eine Runde kleiner ist also nicht möglich?

Grönemeyer:

„Wenn ich wie bei meiner Unplugged-Tour vor drei Jahren in kleinen Hallen spielen würde, gibt es das Problem, dass mit Sicherheit viele Leute sauer sind, wenn sie keine Karten bekommen.“

Warum spielt der Bochumer Herbert Grönemeyer nicht in seiner Heimat Bochum, sondern in Gelsenkirchen?

Grönemeyer:

„Das hat viele organisatorische Gründe. Die neue Produktion passt nicht ins Stadion. Aber wenn die Tour gut läuft, werden wir ein Konzert in Bochum dranhängen, wie bei der letzten Tour. Außerdem haben wir gerade 2009 in Bochum gespielt.“

Brauchen Sie im Konzert eigentlich Textvorlagen?

Grönemeyer:

„Nein, aber auf dem Keyboard klebt ein Zettel mit dem Refrain von „Mensch“. Bei Mensch habe ich alle drei Refrains anders geschrieben, die weiß ich selber manchmal nicht. Da gibt es dann Fans, die schreiben nach dem Konzert „da hast du falsch gesungen!“ Aber wenn ich mal den Text vergessen habe, brauche ich nur auf die Lippen meiner Fans zu gucken.“

Was ist eigentlich übrig geblieben vom IGA-Park-Konzert 2007, wo Sie vor 70.000 Leuten gespielt haben, während ein paar Kilometer weiter in Heiligendamm die Staats- und Regierungschef getagt haben?

Grönemeyer:

„Wenn man die Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ mit dem Ziel „Halbierung der Armut bis 2015“ anschaut, sind wir noch weit davon entfernt. Es gibt kleine Erfolge, aber grundsätzlich hat sich nicht viel getan. Afrika ist wohl stärker ins Bewusstsein gerückt. Veränderungen dauern länger, bis die Leute begreifen, dass der Kapitalismus gegen die Wand fährt. Wir versuchen, öffentlichen Druck auszuüben und zu verhindern, dass die Staaten von ihren Zusagen den armen Ländern gegenüber aussteigen. Wir erklären den Politikern, 'ihr müsst nicht denken, dass ihr euch da rausschleichen könnt. Wir werden öffentlich machen, was ihr macht oder nicht macht.' Und das mögen die überhaupt nicht.“

Es war immer Ihr Anliegen, sich um soziale Fragen zu kümmern. Nun machen sich in den USA Milliardäre daran, ihr Vermögen mit den Armen zu teilen. Wie finden Sie das?

Grönemeyer:

„Es ist vernünftig, wenn das Geld Leuten zugutekommt, die sich Gedanken machen müssen, wie sie den nächsten Tag bestreiten. Immer mehr Leute geraten in einen Strudel. Das ist für das Gleichgewicht der Gesellschaft dramatisch. Für mich ist die Gesellschaft wie eine Familie. Wenn es einem schlecht geht, dann sagt eine intakte Familie: 'Dem helfen wir jetzt'. Aber wenn sich eine Gesellschaft so nicht versteht und immer mehr Leute sich nicht betreut fühlen, dann hast Du ein Problem. Aber ich will jetzt nicht anfangen zu erklären, was ich mit meinem Geld mache, wen oder was ich unterstütze. Es ist auch nicht so, dass ich vor lauter Gut-Mensch-Tun ununterbrochen darüber nachdenke, wie gebe ich mein Geld ab.“

Machen Sie sich eigentlich viele Sorgen um die Zukunft?

Grönemeyer:

„Natürlich mache ich mir Gedanken über die Zukunft, aber ich bin eher jemand, der sich über den Moment Gedanken macht. Wo befinden wir uns gerade, wird alles noch viel schlimmer oder sind wir intelligent genug, uns am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zu ziehen. Ich denke schon, dass wir in der Lage sind, wenn der Druck höher wird, dass unser Gehirn anfängt, schneller zu ticken. Ich mache mir Gedanken über meine Kinder und meine Freunde, aber weniger über mich. Es gibt Leute, die ganz anders arbeiten und planen, und deswegen kann ich so weitermachen, wie ich es will. Aber ich habe das Leben auch ganz anders kennengelernt. Da kannst du dich auf den Kopf stellen und von einem auf den anderen Tag sieht das alles ganz anders aus. Die Dinge, die man mit Freuden erleben kann, soll man genießen - das tue ich auch - und alles andere wird sich weisen.“

Haben Sie Ängste?

Grönemeyer:

„Natürlich um die Kinder - ganz normale Elternängste. Ich habe sicherlich auch Ängste, auch wegen der Kinder, wie es auf der Welt weitergeht. Ich bin durch die Dinge, die ich erlebt habe, mutiger geworden - vielleicht auch fatalistischer. Ich habe gemerkt, dass das alles eine Art Sekundenschlaf ist, was wir hier machen.“

Und der Gedanke ans Altern?

Grönemeyer:

„Ich bin kein Planer, aber ich würde auf jeden Fall gerne bis ins hohe Alter singen. Musik ist mein Lebenselixier. Mein Vater hat gesagt, er wird 87 und das hat gestimmt. Ich habe jetzt festgelegt, ich werde 96. Und mit 89 spiele ich mein letztes Konzert in der Kurmuschel auf Helgoland.“

Joachim Mangler und Martin Klostermann, dpa

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