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Größe ist relativ: Leipziger Jahresausstellung gibt sich im Westwerk "monumental"

Größe ist relativ: Leipziger Jahresausstellung gibt sich im Westwerk "monumental"

Die Leipziger Jahresausstellung hat wie im Vorjahr ein Domizil im Westwerk an der Karl-Heine-Straße gefunden. 29 Künstler wurden ausgewählt, die unter dem Titel "monumental" für drei Wochen ihre Arbeiten präsentieren können.

Die große Halle im Westwerk hat beeindruckende Dimensionen, manche der ausgestellten Arbeiten ebenfalls. Doch dem Ausstellungstitel im 20. Jahr ist einige Ironie eingeschrieben. Kein Wunder, wenn der Vereinsvorsitzende ein Karikaturist ist. Bei all dem Aufwand, der um die Jubiläen von Wagner und Völkerschlacht gemacht werde, so Rainer Schade, wolle man mit der Jahresausstellung auch eine gewisse Überhöhung anstreben.

Manchen ausgewählten Künstlern gelingt dies allein durch die Abmessungen ihrer Arbeiten. So haben Malereien von Arno Bojak in surrealer Tradition durchaus museale Maße. Wuschlige grüne Männchen machen auf ihnen seltsame Sachen oder auch etwas ganz Normales wie ein Auto zu Schrott fahren. Erhabenes Heldentum muss wohl anders aussehen.

Wandfüllend sind auch die Tafeln von Mathias Perlet. Und noch etwas stärker von traumhafter Irrealität getränkt. So sehr die malerischen Positionen ins Auge fallen, hat sich die Auswahlkommission des Trägervereins auch diesmal bemüht, schulbildende Eindrücke zu vermeiden. Zwar haben sich die Rahmenbedingungen der Kunst und Kunstpräsentation in Leipzig seit 1993 gravierend verändert, so Schade, doch nach wie vor sei es Ziel der Jahresausstellung, einen Querschnitt der lokalen Szene vorzustellen. So fragwürdig dies für die einzelne Präsentation ist, so liest sich die Liste der in zwei Jahrzehnten vertretenen Namen doch wie ein Lexikon der Leipziger Kunst, ausgewählte Gäste inklusive.

Von 1941 bis 1981 streuen die Geburtsjahrgänge der diesmal Erwählten. Bekannte Namen sind darunter. Der älteste, Sighard Gille, muss nicht groß vorgestellt werden. Er steuert zwei gewohnt üppig ausfallende gegenständliche Kompositionen bei. Auch Annette Schröter ist eine Konstante in der hiesigen Kunstlandschaft. Ruprecht von Kaufmann, der im Vorjahr ihr Professorenkollege an der HGB wurde, hat da mehr Nachholebedarf in Sachen Bekanntheit vor Ort. Dass er Zeichnen nach der Natur unterrichtet, sieht man seinen monochromen Szenerien nicht unbedingt an.

Im Interesse der Streuung gibt es mehrere Fotografen. Marek Brandt und Uwe Walter fallen dabei vor allem durch technische Perfektion auf. Multimediales fehlt aber völlig. Dass die wenigen dreidimensionalen Arbeiten - etwa vom Thomas K. Müller, Jean Kirsten oder Jan Großmann - von Leuten kommen, die in anderen Städten studiert haben, muss am Fehlen derartiger Studiengänge an der örtlichen Hochschule liegen.

Variationsbreite ist aber schon durch die stark differierenden Handschriften der Maler und Grafiker gesichert. Die naiv-düsteren Köpfe Corinne von Lebusas haben mit den akkuraten Verpackungsporträts eines Thomas Köbsch so wenig gemein wie die als Holzschnitt umgesetzten Leipziger Veduten von Harald Alff mit den ornamentalen Fliesen Inka Perls.

Da die fünfköpfige Jury quasi "blind" arbeitet, also ohne Kenntnis der Künstlernamen, muss es ein Zufall sein, dass ausgerechnet der jüngste Teilnehmer den erstmals auf 10 000 Euro aufgestockten Preis der Jahresausstellung erhält. Sebastian Muhr, geboren in Braunschweig, hat gerade sein Meisterschülerstudium an der HGB abgeschlossen. Er zeigt drei Bleistiftzeichnungen auf Papier, die zunächst nicht sonderlich monumental wirken. Es sind gewissermaßen Strichlisten. In dichten Lagen solcher feinteiliger Stricheleien konstruiert er architektonisch wirkende Gebilde. Die Details verlieren sich letztlich in der klaren, aber durch Störungen unterbrochenen Großform. Diese Monumentalität der Stille tut gut in­mitten einer Ansammlung starker ­Effekte.

iLeipziger Jahresausstellung - monumental; Westwerk, Karl-Heine-Str. 93; bis 14. Juli; Di-Fr 15-20 Uhr, Sa/So 13-20 Uhr, Eintritt frei

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.06.2013

Jens Kassner

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