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Große Bühne für „Die Große Buhne“: Leipzig feiert Beckmann-Ankauf

Museum der bildenden Künste Große Bühne für „Die Große Buhne“: Leipzig feiert Beckmann-Ankauf

Großer Tag für die Kunststadt Leipzig: Am Mittwoch wurde im Museum der bildenden Künste der Ankauf zweier Werke von Max Beckmann gefeiert. „Die Große Buhne“ und „Sumpfblumen“ konnten mit einem Nachlass und Stiftungsgeldern finanziert werden. Ehrengast war Jan George. Der Sohn von Heinrich George war 1935 als Kind von Beckmann mit seinem Vater gemalt worden.

Hans-Werner Schmidt, Britta Kaiser-Schuster, Gudrun Reissner und Martin Hoernes (v.l.n.r.) vor dem Gemälde „Die Große Buhne“ von Max Beckmann.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  „Das ist eigentlich nicht mein Beckmann“, sagt Jan George, ältester und einziger noch lebender Sohn des Schauspielers Heinrich George. „Aber die Konstruktion ist hochinteressant, auch die Farblosigkeit“, meint er weiter über das 1905 im dänischen Küstenörtchen Agger entstandene Bild „Die Große Buhne“. Dem 84-Jährigen, der 1935 zusammen mit seinem Vater von Max Beckmann (1884–1950) gemalt worden war, gefällt das Bild, das er jetzt zum ersten Mal sieht. „Also, das würde ich glatt mitnehmen“, sagt er knorrig lachend in seinem Holzstuhl, der am Mittwoch eigens für ihn in den Beckmann-Saal des Museums der bildenden Künste in Leipzig gebracht worden war.

George, der mit seine Frau Heike aus Berlin gekommen ist, ist Ehrengast bei einer geschlossenen Veranstaltung, bei der der Ankauf zweier Bilder von Max Beckmann – die „Große Buhne“ und die „Sumpflumen“ aus dem Jahr 1907 – gefeiert wurde. „Super, dass du da bist“, wird Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt später zu George sagen. Mit ihm ist Beckmann für Schmidt gewissermaßen persönlich anwesend, wenngleich sich Jan George nur noch schemenhaft an die Begegnung mit dem Künstler erinnern kann. Er war damals vier Jahre alt.

„Glückliche Fügung“

Umso klarer ist die Bedeutung dieses Ankaufs für Leipzig und sein Museum, das zwar diverse Dauerleihgaben zeigen kann, mit dem „Teppichhändler“ aus dem Jahr 1946 aber nur ein einziges Werk des in Leipzig geborenen Malers besitzt. Von einer „glücklichen Fügung“ und einem „Coup“ spricht denn auch Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke). Und bezogen auf den Umstand, dass der Ankauf ohne einen kommunalen Cent zustande kam, von „Tollkühnheit“.

Tatsächlich musste es nicht nur schnell gehen, es musste auch viel Geld zusammengebracht werden. Wie berichtet waren die „Große Buhne“ und die „Sumpfblumen“, zwei bedeutende Frühwerke des großen Malers, per Leihvertrag an das Haus gebunden. Damals in Markkleeberg lebende, später in die Bundesrepublik ausgereiste Verwandte von Minna Beckmann-Tube, der ersten Frau Beckmanns, hatten sie dem Museum als Leihgaben übermittelt. Später kamen sie in den Verwahrbestand, wurden inventarisiert und in Volkseigentum überführt. Im Zuge eines Restitutionsverfahrens gingen die Bilder dann an einen in Süddeutschland lebenden Nachfahren, blieben aber als Leihgaben im Museum. Im März dieses Jahres war jedoch der Leihvertrag gekündigt worden. Und damit war es das für die beiden Beckmänner in Leipzig, könnte man meinen.

Dass es das doch nicht war, liegt an der erwähnten Fügung: Kurz vor der Kündigung hatte Schmidt vom Amtsgericht die Mitteilung bekommen, dass ein Leipziger Ehepaar – Margit und Gerhard Merkel waren in zeitlich naher Folge gestorben – sein gesamtes Vermögen dem Museum vermache. Es bildete den Grundstock für die Finanzierung, die zusätzlich mit Mitteln von der Kulturstiftung der Länder sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung gelang. Wie viel die Stiftungen dabei zuschossen, darüber bewahrten sie gestern Stillschweigen. „Die große Buhne“ konnte direkt angekauft, die „Sumpfblumen“ beim Berliner Auktionshaus Grisebach durch den Leipziger Weltkino-Chef Michael Kölmel für das Museum ersteigert werden. Dem Vernehmen nach für gut 200 000 Euro.

Beckmanns künstlerischer Durchbruch

Für Leipzig, das diesen Mittwoch getrost unter die Glückstage einordnen darf, ist der Wert der Bilder unschätzbar. Die „Große Buhne“ sei „an der Schwelle zum künstlerischen Durchbruch“ entstanden“, erklärt Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder. „Fast aggressiv schiebt sich der durch die Perspektive übermächtige Damm ins Meer. Das Motiv des zivilisatorischen Eingriffs des Menschen in die Natur scheint zu dominieren. Doch zugleich drapiert Beckmann – womöglich als Reminiszenz an die Figuren Caspar David Friedrichs und Gustave Courbets – eine winzige Figur mit Schirm ans Ende der Buhne, die sich dort dem Regen aussetzt“, so Kaiser-Schuster. Die „Große Buhne“ markiere „Beckmanns Wandlung vom Jugendstiladepten zum eigenständigen Künstler unter starkem Einfluss der spätimpressionistischen Bildsprache“.

Und im Hintergrund verbinden sich mit dem historischen Ankauf zwei Leipziger Familiengeschichten glücklich. Margit und Gerhard Merkel, da ist sich seine Schwester Gudrun Reissner „hundertprozentig sicher“, wären „so stolz gewesen, dass es ein Beckmann ist“, der von ihrem Geld gekauft wurde. „Ich werde ihnen zuflüstern, was heute hier passiert ist.“

Von Jürgen Kleindienst

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