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Großstadtgeflüster: Gefeierter Tourstart im Leipziger Täubchenthal

"Fickt-Euch-Allee“ live Großstadtgeflüster: Gefeierter Tourstart im Leipziger Täubchenthal

Die Band Großstadtgeflüster geht deutschlandweit durch die Decke. Am Donnerstag beschallten die Hauptstädter um Frontfrau Jen Bender das Täubchenthal. Überraschenderweise stieg der Auftakt der Großstadtgeflüster-Tournee nicht in dem Saal, den man vermutet hätte...

Gut in Form: Jen Bender beim Tourauftakt von Großstadtgeflüster im Täubchenthal.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Der Theatergänger wartet auf Godot, der Festivalbesucher sucht vergeblich Helga. Das letzte Lied des Abends ist dieser sympathischen, jährlich hundertfach wiederkehrenden Festivalschrulligkeit gewidmet. Zu diesem Zeitpunkt stehen drei sichtlich euphorische Musiker vor einem ebenso schweißnass wie glücklich getanzten Publikum.

Zwei Stunden vorher war man sich der ganzen Sache noch nicht so richtig sicher. Es beginnt mit Klischees: Das Täubchenthal scheint seit gut zwei Jahren die neue hippe Leipziger Location für alle, die eigentlich lieber in Berlin wären oder Leipzig für das bessere Berlin halten. Hier tritt nun die momentan schwer angesagte Berliner Band Großstadtgeflüster auf, die laut Berliner Zeitung mit ihrem aktuellen Hit „Fickt-Euch-Allee“ gerade die neue Hauptstadthymne geschaffen hat. Hauptsache Berlin also.

Die Band Großstadtgeflüster geht deutschlandweit durch die Decke. Am Donnerstag beschallten die Hauptstädter um Frontfrau Jen Bender das Täubchenthal.

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Im Publikum: zahlreiche Selfies schießende Hipster, die nur so eng stehen können, wie es ihr Turnbeutel auf dem Rücken zulässt. Entgegen der Vermutung, die Selbst- und Fremddarstellung der Band im Internet – wie zum Beispiel Bilder von vollen Sommerfestivals – nahelegen, findet man sich im Täubchenthal nur im kleinen Saal wieder, der mit seiner hippen Retro-Blockhütten-Holztäfelung das Klischee zunächst voll bedient.

Doch dann geht es los: Kurz nach halb Neun betritt Sängerin Jen Bender mit einer schon zu 1/3 geleerten Flasche Wodka die Bühne und fordert mit ihren Bandkollegen Chriz und Raphael per Eröffnungssong auf, dem „weißen Kaninchen“ zu folgen. Das Publikum folgt und tanzt umgehend. Großstadtgeflüster sind sichtlich aufgeregt zum Tourauftakt. „Wie bei einer richtigen Band“ haben sie sich passende Ansagen zu den Songs überlegt, aber es ist vor allem ihre Musik, die von Anfang an vereinnahmt und die Blockhütte spätestens nach dem dritten Stück in eine Sauna verwandelt. Auch die anfängliche Beschwerde der Band, dass es im Publikums zu gut rieche, reicht nur bis genau dahin.

Benders Röhre klingt hart trainiert an den Komponenten Nacht und Zigarette. Im Party-Elektropop-Gewand mit Punk-Attitude will jeder Song den vorherigen an Mitgröl- und Pogopotenzial übertreffen, so dass im ersten Sprung gar nicht auffällt, dass sich auf der Bühne keine Gitarre befindet. Zwischen schnellere Nummern mischt sich verspielt naiver Minimalelektro mit Reimen à la Trio: „Sie ist eine heiße Puppe, er isst gern Kartoffelsuppe“. Auch melancholische Töne finden sich, die der großstädtischen Nacht aus den schon dämmernden Morgenstunden entliehen sind: „Ich bin nicht sonderlich schön, aber schön sonderlich / Dafür ist mein Glas voll und ich bin es auch. / Ich bin dein blaues Wunder.“

Die meiste Zeit jedoch bewegt man sich auf euphorischem Partylevel: „Wir sind auch manchmal dafür und nicht immer nur dagegen„, heißt es zu „Konfetti und Yeah“, einer Hymne auf das unbeschwerte Leben in durchtanzten Nächten. Das einzige, was im Lauf des Konzerts noch an den Winter draußen erinnert, ist das Hustensaftgefühl im Rachen nach Pfeffigenuss.

Von den Klischees bleibt am Ende nur eins: Keine Band kommt in den letzten Jahren mehr ohne Beutel-Merchandise aus, wobei der Trend weg vom Jutebeutel, hin zum Sportbeutel geht. Und der „Fickt-Euch-Allee“-Turnbeutel geht weg wie warme Semmeln.

Von Karsten Kriesel

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