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Grüß mir die Aliens: Leipzigs Bach fliegt zu den Sternen

Voyager-Mission Grüß mir die Aliens: Leipzigs Bach fliegt zu den Sternen

Vor 39 Jahren schickte die Nasa mit den Voyager-Raumsonden eine Botschaft an Außerirdische ins All: Eine goldene Schallplatte, auf der Fotos, Grüße – und auch drei Stücke von Johann Sebastian Bach verewigt sind. Aus Leipziger Sicht eine ausgezeichnete Musikauswahl. Aber sehen das die Aliens genauso?

Düsen durch die Milchstraße: Voyager 1 und ihre Schwestersonde Voyager 2 transportieren eine goldene Schallplatte mit den Werken von Johann Sebastian Bach durchs All. (Bildcollage)
 

Quelle: NASA/JPL/Bach-Archiv Leipzig/Wikipedia

Leipzig.  Regisseur Roland Emmerich hat die Aliens wieder auf die Erde losgelassen. 20 Jahre nach seinem Mega-Erfolg läuft die Fortsetzung des Katastrophen-Spektakels „Independence Day“ derzeit in den deutschen Kinos. Wird es wie im Film wirklich einmal Kontakt mit Wesen von fernen Planeten geben? Existieren kleine grüne Männchen?

Oder sind wir allein? Auf der Suche nach intelligentem Leben schoss die US-Raumfahrtbehörde Nasa im Jahr 1977 die unbemannten Raumgleiter Voyager 1 und 2 in den Weltraum. Damit nicht genug: An Bord der beiden Flugkörper war je eine vergoldete Schallplatte mit Fotos, gesprochenen Grußbotschaften, Geräuschen – und Musik angedockt.

Würden Außerirdische die zwei Sonden jemals finden, dann könnte sich „E.T.“ die Lieder eines Wahl-Leipzigers, nämlich die von Johann Sebastian Bach (1685–1750) anhören.

Klingt nach schriller Science-Fiction, und irgendwie großartig: Die Werke von Leipzigs berühmten Komponisten schweben tatsächlich durch die Tiefen des Kosmos’. Und nicht nur die: 27 Titel – darunter auch Tonstücke von Beethoven, Mozart und Chuck Berry – sind auf dieser funkelnden Scheibe in Rillenform gepresst.

Bach geht immer, waren sich alle einig

Was eigentlich auf ein 90-minütiges Best-of-Album unserer Zivilisation gehört,  bereitete schon damals den Wissenschaftlern Kopfzerbrechen. Offenbar neben Klassik auch viel Volks- und Vokalmusik, Folklore, ein wenig Jazz, Rock’n’Roll, Oper und Instrumentalklänge aus allen Teilen der Welt.

Auf zu den Sternen

Auf zu den Sternen: Am 29. Juli, wenige Wochen vor dem Start, wird die glänzende Phonogramm-Platte an Voyager 1 befestigt.

Quelle: NASA/JPL/Wikipedia

Der US-Wissenschaftsautor Timothy Ferris (72) half vor über 40 Jahren mit, diese besondere LP zusammenzustellen. Einzig Bach, so verriet Ferris in Interviews, sei der Komponist gewesen, der Harmonie ausstrahlte und auf den sich alle Musikberater sofort einigen konnten.

Das Musik-Genie hat es gleich dreimal auf die Scheibe geschafft. Neben einem Auszug aus dem „2. Brandenburgischen Konzert“, ist von Bach auch ein Ausschnitt aus der Sammlung „Das Wohltemperierte Klavier“ sowie ein Stück aus der „Partita III E-Dur für Violine solo“ vertreten. Komponiert hatte er die Melodien während seiner Zeit im sachsen-anhaltischen Köthen, bevor er 1723 zum Thomaskantor in der Messestadt aufstieg.

„Ein guter Querschnitt seines Instrumentalmusik-Schaffens“, findet Christine Blanken, Mitarbeiterin des Bach-Archivs Leipzig. Bach war in den 1950er- bis 70er-Jahren durch die Neu-Interpretationen des kanadischen Komponisten Glenn Gould wieder äußerst populär – seine Aufnahmen waren Kassenschlager.

„Seit dem 18. Jahrhundert gilt Bach zudem als der Repräsentant deutscher Musik, er stand für Gründlichkeit und Gedankenreichtum“, so Blanken. Kurzum: An ihm kam keiner vorbei – auch die Verantwortlichen der Voyager-Mission nicht.

Grenze des Sonnensystems erreicht

Mitte 1975 begann der Bau der beiden Sonden. Erst wenige Monate vor dem Start wurden dann unter der Regie des Nasa-Astronomen Carl Sagan von Spezialisten in Windeseile die Sound-Dateien und Fotos ausgewählt, denn tatsächlich lassen sich auch Bilder auf einer Schallplatte mechanisch speichern.

Am 20. August und 5. September 1977 hieß es dann: Aufbruch. 3 – 2 – 1 – Lift-off. Im Abstand von 16 Tagen verließen die in Cape Canaveral gestarteten Sonden die Erde. Im Vorbeiflug knipsten die Weltraum-Spione auf ihrer einzigartigen Mission teils erstmals Bilder von den Planeten Jupiter, Saturn, Neptun, Uranus sowie ihren Monden und sammelten wichtige Messdaten von den Himmelskörpern.

Vier Jahrzehnte nun sind die Vorposten der Menschheit mit bis zu 61.000 Stundenkilometern rasant unterwegs. Voyager 2 erreichte 2007 den Rand unseres Sonnensystems, ihr schnellerer Zwilling Voyager 1 bereits 2004 – eine Sensation. Inzwischen sind die Sonden 17 und 20 Milliarden Kilometer von unserem blauen Heimatplaneten entfernt! Nie sind gegenwärtig von Menschenhand geschaffene Objekte weiter gereist.

Letztes Lebenszeichen in neun Jahren

Was die Nasa-Experten zudem für unmöglich hielten: Noch immer funken die beiden Raumschiffe schwache Signale zur Erde. Erst wohl im Jahr 2025 werden die letzten Bord-Instrumente verstummen, in 40 Jahren könnten den Atom-Batterien dann der Saft ausgehen. Aber selbst ohne elektrischen Antrieb rauschen die Sonden dann weiter durchs Universum, um die schimmernden Scheiben zu den Sternen befördern.

Unheimliche Begegnung mit der dritten Art

Unheimliche Begegnung mit der dritten Art: Die Aliens im Film „Independence Day: Wiederkehr“ sind alles andere als friedlich gesinnt und der menschlichen Zivilisation technisch weit überlegen.

Quelle: Twentieth Century Fox/dpa

Allerdings dauert es, bis die galaktischen Botschafter auf unsere nächsten kosmischen Nachbarn zusteuern. Wohl in 40.000 Jahren wird Voyager 1 die Sonne Gliese 445 und in einer Flugzeit von 296.000 Jahren dann Voyager 2 den bekannteren Stern Sirius erreichen. Allenfalls endet für die beiden Kundschafter dann auch ihre Odyssee im Weltraum, sollten sie da auf extraterrestrische Geschöpfe stoßen.

Peter Schilling, Leiter des Schkeuditzer Planetariums, bleibt angesichts der (fast endlos) langen Reise aber skeptisch: „Aufgrund der großen Entfernungen zwischen den Sternen haben wir leider zurzeit und auch noch in näherer Zukunft keine realistische Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit fremden Wesen“, meint er.

Und Johann Sebastian Bach? „Bach ist Anfang und Ende aller Musik“, schrieb Komponist Max Reger einmal. Dafür haben die Forscher im übertragenen Sinn gesorgt: Die mitgereiste Schallplatte soll überirdische 500 Millionen Jahre halten. Bachs Werk könnte demnach selbst die Menschheit überdauern.

Voyager Golden Record

Fahren Sie mit der Computer-Maus über die Abbildung! Foto: NASA/JPL/Wikipedia

Goldene Schallplatten sind in der Musikbranche heiß begehrt, doch diese mit Gold überzogene Kupferscheibe ist nicht für unsere Welt bestimmt und streng limitiert: Die Voyager Golden Record an Bord der Raumsonden Voyager 1 und 2.

Auf dem kreisrunden, 30 Zentimeter großen Datenträger sind 115 Fotos (Bilder menschlicher Anatomie, eines Supermarktes und Raketenstarts, Naturszenen...) analog archiviert. Hunger, Leid und Krieg werden allerdings nicht thematisiert. Zudem enthält die Disc eine eingravierte Tonspur mit Grußworten in 55 Sprachen (deutsch: „Herzliche Grüße an alle!“), 50 verschiedene Geräusche (Donner, Regen, Hundebellen, Herzklopfen...) und 27 Lieder für den außerirdischen Empfänger.

Gespeichert ist auch eine Audio-Botschaft des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim und eine schriftliche Nachricht von Ex-US-Präsident Jimmy Carter: „Dies ist ein Geschenk einer kleinen, weit entfernten Welt, eine Probe unserer Klänge, unserer Wissenschaft, unserer Bilder, unserer Musik, unserer Gedanken und unserer Gefühle. Wir versuchen, unser Zeitalter zu überleben, um so bis in Eure Zeit hinein leben zu dürfen.“

Um das knisternde Musikvergnügen genießen zu können, wurde eine Schallplatten-Nadel beigelegt. Auf der Vorderseite der in einer Schutzhülle verpackten Scheibe ist in Symbolsprache eine Gebrauchsanweisung zum Abspielen der Platte als Binärcode eingeprägt. Diese wurde angeblich vor dem Flug ins All mehreren Geheimdiensten vorgelegt. Nur einem soll es gelungen sein, die Anleitung zu entschlüsseln. (bw)

Inhalt der Voyager-Golden-Record: Bilder, Grußbotschaften, Musikstücke, Geräusche der Erde

Von Benjamin Winkler

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