Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Grund zur Klage: Bettina Wulff wehrt sich gegen einen Google, Rudolf Scharping nicht

Grund zur Klage: Bettina Wulff wehrt sich gegen einen Google, Rudolf Scharping nicht

Bettina Wulffs Buch „Jenseits des Protokolls" ist nun im Handel, endlich, denn so herrscht hoffentlich bald wieder Ruhe unterm Krüppelwalmdach in Großburgwedel.

Voriger Artikel
2850 Bewerbungen für das Leipziger Dokfilm-Festival - internationaler Branchentreffpunkt
Nächster Artikel
Masur dirigiert Festkonzert zum Mendelssohn-Preis im Leipziger Gewandhaus

Bettina Wullf und Rudolf Scharping - haben eines schon mal nicht gemeinsam.

Quelle: dpa

Leipzig. Wer wissen will, was hinter den Sprossenfenstern abgeht oder nicht, kann es lesen – auch in Gala, Bunte, Stern und, wenn’s so weitergeht, bald in der Emma.

Nur die Sache mit Google muss noch geklärt werden, mit dem Algorithmus, der macht, dass – tippt man „Bettina" und dann „Wulff" ein – als nächstes Suchwort nicht beispielsweise „Bestseller" angeboten wird, sondern „Prostituierte" und „Escort", was auf üble Nachrede, eine Art Intrige zurückgehen soll und sich laut Google durch die Suchanfragen der Nutzer ergibt, also die Häufigkeit eingegebener Begriffe. Tippt man „Intrige" ein, folgt aber gar nicht „CDU Niedersachsen", sondern „im Vatikan".

Dass Wulffs Klage gegen Google, die Berichterstattung darüber und das Erscheinen der Autobiographie zeitlich aufs Verkaufsförderndste korrespondieren, mag kein Zufall sein, ist aber für Alice Schwarzer absolut in Ordnung. Die Frauenrechtlerin stellt sich hinter die ehemalige First-Lady und hat es so mal wieder geschafft, zitiert zu werden. Wer „Alice" und dann „Schwarzer" in die Suchmaschine eingibt, bekommt „Zitate", „Bushido" und „verheiratet" angeboten, was in jeder Hinsicht überrascht, auch in der, dass Nutzerinnen und Nutzer weder „Bild" noch „Emma" mit dem Namen Schwarzer verbinden.

Bei Christian Wulff übrigens dominieren die Begriffe „Affäre" und „Ehrensold", was auch nicht auf Anhieb auf erfülltes Lebenswerk und Würde im Amt schließen lässt. Google zeigt, was bleibt. Zumindest für den Moment. Von Vorgänger Horst Köhler sind es „Wirtschaftskrieg", 2010 seinen Rücktritt auslösendes Wort, und „Guildo Horn" – der bürgerlich Horst Köhler heißt, für den aber offenbar mit diesem Namen kein Staat zu machen war.

Köhlers Vorgänger Johannes Rau wird von Google mit „schwul" in Verbindung gebracht. Ein Schicksal, dass er mit Jogi Löw teilt. Zu Roman Herzog gehört immerhin die „Ruck Rede". „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen", hat er 1997 in Berlin gefordert und dabei an das Abschiednehmen von „liebgewordenen Besitzständen" gedacht, auch an „Opfer", die zu bringen seien. Wie hätte er auch ahnen können, dass 15 Jahre später 224 Seiten „Jenseits des Protokolls" schon ein Ruck sind, der durch Deutschland geht und dann durchs ganze Internet, sollte Frau Wulff Recht bekommen und Google die sogenannte Autocomplete-Funktion in ihrem Fall aus-, ab- oder umschalten.

Dabei ergeht es manchem einst einflussreichen Politiker keineswegs besser als der Politiker-Gattin. Boris Jelzin zum Beispiel gerät noch fünf Jahre nach seinem Tod in einen Zusammenhang mit „Alkohol" und „Wodka", Silvio Berlusconi mit „Mafia", Nicolas Sarkozy mit „Facebook". Und was macht eigentlich Rudolf Scharping? Er ist „langsam". Das wäre nun wirklich ein Grund zur Klage.

Auch DDR-Kader überdauern mit gewissen Assoziationen: Auf Egon Krenz folgt die „Wende", auf Erich Honecker „Youtube", auf Erich Mielke seine lächerlichste „Rede". Walter Ulbricht ist immer noch für „Witze" gut. Dies nur außerhalb des Protokolls.

Janina Fleischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr