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Gummibären und Brachial-Geschrei: Drittes Festival "Doom Over Leipzig"

Gummibären und Brachial-Geschrei: Drittes Festival "Doom Over Leipzig"

Die dritte Auflage des Festivals "Doom Over Leipzig" lässt nicht nur musikalisch, sondern auch politisch aufhorchen. Von morgen bis Samstag stehen im UT Connewitz außer elf Konzerten eine Filmvorführung und ein Vortrag mit Diskussion auf dem Programm.

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Festivalmacher Alexander Oberst (links) und Eldar Fano.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Die Bilanz der vergangenen anderthalb Stunden: zwei Kaffee, dutzende E-Mails, Handy-Vibration im Minuten-Takt. "So kurz vor dem Festival ist der Tag nie zu Ende", meint Alexander Oberst und entschuldigt sich, weil schon wieder das Mobiltelefon auf dem Tisch wackelt. Vor einigen Minuten hat der Gründer des Musiklabels Sick Man Getting Sick und Initiator des Leipziger Underground-Festivals "Doom Over Leipzig" ein Statement zum politischen Anliegen der Veranstalter auf der Homepage veröffentlicht - seitdem laufen die Leitungen heiß.

"Natürlich wollen wir die Öffentlichkeit nutzen, um Aufklärungsarbeit zu leisten", so der gebürtige Hallenser, der sich selbst schon im Jugendalter in linken Gruppen engagierte, auf Demos fuhr und so erstmals mit Punkrock in Berührung kam. "Und weil wir uns durchaus als politisches Festival begreifen, haben Sexismus und Rassismus Hausverbot."

Gerade weil misanthropisch und nationalistisch konnotierte Genres wie Black Metal im Line-up des dreitägigen Familientreffens der internationalen Experimental-Sippe stark vertreten sind, sehen sich Oberst und Eldar Fano, mit dem der 30-Jährige das Projekt "Spread The Doom" vor vier Jahren aus der Taufe hob, immer wieder in der Position, sich zu rechtfertigen. Ein Grund, warum das Programm des dritten "Doom Over Leipzig" mit der umstrittenen Black-Metal-Dokumentation "Until The Light Takes Us" und einem thematisch passenden Vortrag des Kulturwissenschaftlers Sascha Pöhlmann von der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität eröffnet wird.

"Natürlich steht die Musik an erster Stelle - unsere Intention war ja auch, eine Plattform zu schaffen, wo Freunde Freunde treffen und einen Spirit teilen können", erklärt Oberst, "aber wir wollen die Leute nicht unreflektiert zurücklassen." Deswegen sollen genreübergreifend Filme, Referate und Diskussionen auch künftig für einen differenzierteren Blick auf die Szene sorgen, die Oberst und sein in Israel geborener Booking-Kollege zum Festival-Debüt 2010 unter dem Schlagwort "Doom" zusammenpferchte.

"Der Name ist sehr plakativ und dahinter steckt eigentlich etwas ganz anderes", räumt Oberst ein. Er ist selbst in zwei Bands aktiv und vereint auf seinem Label Combos diverser Spielrichtungen düsterer, melancholischer und harter Musik. Persönlich müsse es sein, ansonsten sei der Ansatz des Festivals offen: "Die schwedische Skinny-Jeans-Gummibärenbande neben Kutte-tragenden Metal-Matten - das macht gerade den Reiz aus." Brachial-Geschrei, hasserfüllter Sludge und lautstarke Gitarren-Versohlerei treffen auch dieses Jahr auf schuhestarrende Ambient- und Drone-Formationen.

Knapp ein Dutzend Acts aus aller Herren Länder von Skandinavien über die Inseln bis in die USA hat der 32-jährige Eldar Fano neben seinem 24/7-Job als Booker der Agentur Modern Obsession zusammengetrommelt. Die Krux an der Sache: "Man rotiert das ganze Jahr, um seine Helden im Programm zu haben, und dann kriegt man vor lauter Organisationsstress nur die Hälfte mit." Doch trotz schwieriger werdender Booking-Konditionen und wachsendem logistischen Aufwand stand die nächste Auflage für die beiden Musiker, ihre zwei Mitstreiter Stefan Köpsel und Bjoern Hinrichsen und die etwa 30 ehrenamtlichen Helfer nie zur Debatte.

"Wenn der letzte Act auf der Aftershow-Party spielt, planen wir schon den Termin fürs kommende Jahr", schmunzelt Oberst, der nach eigener Aussage nie genug musikalischen Input bekommt und nach einem Tag wie heute trotzdem Muse für ein Konzert am Abend findet, während Kollege Eldar Fano ab und an flache Serien schaut, um abzuschalten. "Dumm labern muss auch manchmal sein, wenn man monatelang all seine Kraft in so ein Projekt steckt", meint er, und Oberst fügt feixend hinzu: "Dafür spielt man ja in einer Band." Was sie trotzdem am Ball bleiben lässt: "die ganze Atmosphäre, der Gemeinschaftssinn und das Bewusstsein, dass wir alle für dasselbe Ziel ackern."

Zeit, um sich auf den Lorbeeren auszuruhen, bleibt da nicht, aber wohl, um sich auf seine Wurzeln zu besinnen: "Es kann natürlich schnell passieren, dass das Ganze zu professionell wird", gibt Oberst zu, "aber wenn es nur noch ein Job ist, ist es nicht mehr Doom."

Festival "Doom Over Leipzig" im UT Connewitz (Wolfgang-Heinze-Straße 12a). Morgen: 19 Uhr Doku "Until The Lights Takes Us", 21 Uhr Vortrag Sascha Pöhlmann, 23 Uhr Zero Absolu; Freitag: 19 Uhr Nightslug, 19.50 Uhr Oneirogen, 20.55 Uhr Adrift, 22 Uhr My Education, 23.20 Uhr Witchsorrow; Samstag: 19 Uhr Hexis, 19.50 Uhr Zatokrev, 20.55 Uhr Lento, 22 Uhr Heirs, 23.20 Uhr Bossk; ab 23 Uhr Aftershow-Party mit DJs im Conne Island (Koburger Straße 3); Eintritt Do 7/5 Euro, Fr/Sa je 16 Euro (Aftershow Sa 6 Euro), Festivalpass 33 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2013

Jennifer Beck

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