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Guntram Vesper erhält Freitag den erstmals verliehenen Erich-Loest-Preis

Er schaut zurück und weit nach vorn Guntram Vesper erhält Freitag den erstmals verliehenen Erich-Loest-Preis

„Ich fühle mich und meine jahrelange Arbeit angenommen“, sagt Guntram Vesper. Der Autor aus Göttingen wird Freitag den Erich-Loest-Preis entgegennehmen, den die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig erstmals verleiht.

Guntram Vesper wird Freitag den Erich-Loest-Preis entgegennehmen, den die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig erstmals verleiht.

Quelle: dpa

Leipzig. Guntram Vesper kommt wieder nach Leipzig. Der Autor aus Göttingen wird Freitag den Erich-Loest-Preis entgegennehmen, den die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig erstmals verleiht. Im März des vergangenen Jahres erhielt Vesper für seinen Roman „Frohburg“ den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse.

Das Jahr zwischen den beiden Ehrungen war für den 75-Jährigen eines der aufregendsten, „ein Ausnahmejahr, mit dem nicht zu rechnen war, wunderbar!“. Über 50 Lesungen hat er bis Jahresende gehalten, weitere sind schon bis November geplant. „Die Leute, die Leser wollen den Preisträger sehen, ihn hören, mit ihm sprechen, ich fühle mich und meine jahrelange Arbeit angenommen.“ Über die zahlreichen Begegnungen hätte der genaue Beobachter viele Seiten zu schreiben. „Die Lesereise“ könnte ein solches Buch heißen. Der Mann, der ihn im ICE ansprach, käme darin vor. Er hatte „Frohburg“ gelesen und war zehn Tage auf den Spuren des Romans in Sachsen unterwegs. Ein anderer reiste Vesper zu vier verschiedenen Lesungen nach. Der Schlingeschön, eine Figur des Buches, sei sein Liebling, wie nur für ihn geschrieben.

Der Preis der Buchmesse hat Vesper und seine Frau aber auch aus der Ruhe in den Jahren des Schreibens aufgescheucht. Zahlreiche Besucher standen plötzlich vor der Tür, „beste Freunde“ mit denen man 20, 25 Jahre nichts zu tun hatte. Andere schickten ihre Erinnerungen. Oft klingelte das Telefon. Eine Anruferin vermutete, ihre Großmutter habe mit Vespers Tierarzt-Großvater eine Affäre gehabt. Eine andere Dame beschwerte sich hartnäckig, weil der 16-jährige Erzähler im Buch sie und ihre Schwestern „Zicken“ nannte.

Beim Schreiben sei er sechseinhalb Jahre „nur seinem Stern gefolgt“, sagt der Autor. Ohne den zupackenden Griff seines Verlegers hätte er in seiner Endloserzählung wohl kaum ein Ende gefunden. Über 1000 Seiten hat der Roman, weitere 200 sind nicht mit aufgenommen, werden auch in keinem neuen Buch vorkommen. Ein künftiges Projekt aber kann durchaus etwas mit seiner Geburtsstadt Frohburg zu tun haben, die er 1957 mit seiner Familie gen Westen verließ. „Die Stadt und die Gegenden zwischen Leipzig und Chemnitz sind schon immer mein Thema gewesen“, sagt der Schriftsteller.

Natürlich machen er und seine Frau, beide gerade erst von der Grippe genesen, am Wochenende Station in seiner Heimatstadt. Hin geht es am Freitag mit dem Auto über die A 38 direkt nach Leipzig. Samstagmittag ist der Stopp auf dem Frohburger Markt fest eingeplant: Der Blick hoch zum Fenster der „Post“, wo die Familie wohnte, und durch den Torbogen in den Hof der Kindheit. Knackwurst kaufen am Fleischerstand des Supermarktes...

Als Guntram Vesper im Vorjahr in Frohburg las, konnte die große Tischlerei-Halle die Zuhörer kaum fassen. Eine weitere Lesung soll es geben, waren sich alle einig. Die neue Stadtbibliothek in der ehemaligen Schloßbrauerei war im Gespräch, auf die ist der Schriftsteller neugierig. War er doch in den 50er Jahren in der Bücherei am Markt einer der eifrigsten Leser. Passend wäre auch ein Termin in der Grünen Aue, wo Erich Loest im Roman seine Lesung abhält. Vesper fände es auch reizvoll, auf dem Saal des Schützenhauses gegenüber seinem Geburtshaus zu lesen. Dort hat er bei seinem letzten Schwof in der alten Heimat im Herbst 1957 eine Flasche Eierlikör gewonnen – beim Babywickelwettbewerb auf der Bühne. Sein Hemd mit den vielen Lippenstiftflecken versteckte der 16-Jährige danach zu Hause hinter den Karl-May-Büchern.

Guntram Vesper steckt voller Geschichten. Seit 1980 schreibt er lückenlos Tagebuch, erst handschriftlich, seit 2010 mit dem Computer. Manchmal zieht er in Erwägung, Teile daraus zu veröffentlichen. Aber vieles ist sehr privat, Vesper schwankt noch. Er entwickele nach „Frohburg“ neue Stoffe und Projekte, sagt er, doch wenn man zu früh darüber spreche, sei manchmal die Spannung raus. Mitte September erscheint erst einmal die Taschenbuchausgabe von „Frohburg“, und zur Frankfurter Buchmesse im Herbst kommt der Band „Gesammelte Prosa“ heraus, in dem auch Frohburg wieder eine nicht kleine Rolle spiele. Für das kommende Jahr plant der Schöffling-Verlag einen Band mit allen Gedichten.

Im März wird der Autor wiederum nach Leipzig kommen, zur Buchmesse. Sein Verleger Klaus Schöffling erhält dort den Kurt-Wolff-Preis. Bislang gibt es aber keinen Lesungstermin im Umfeld der Messe.
Die Verleihung des Erich-Loest-Preises in Leipzig ist nicht öffentlich.

Von Inge Engelhardt

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