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Guntram Vesper erhält den ersten Leipziger Erich-Loest-Preis

Medienstiftung der Sparkasse Guntram Vesper erhält den ersten Leipziger Erich-Loest-Preis

Verbunden im Geiste, in Haltung und Heimatliebe: Der Schriftsteller Guntram Vesper erhält den ersten Erich-Loest-Preis, vergeben von der Sparkasse der Medienstiftung Leipzig zu Ehren des angesehenen Leipziger Literaten.

Guntram Vesper auf dem Leipziger Naschmarkt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dieser Preis ist ein Geschenk. Für den Namengeber Erich Loest, für den Preisträger Guntram Vesper, für die hinter allem stehende Medienstiftung der Sparkasse und auch für die Stadt Leipzig. Am Freitag wäre der Schriftsteller Erich Loest 91 Jahre alt geworden. Er starb am 12. September 2013. Ihm zu Ehren lobt die Medienstiftung einen Literaturpreis aus, der alle zwei Jahre verliehen wird und am Freitagabend im Mediencampus Villa Ida zum ersten Mal vergeben wurde: an Guntram Vesper (75).

Schriftsteller Guntram Vesper erhält den erstmals verliehenen Erich-Loest-Preis. Besonders sein Roman "Frohburg" hatte zur Entscheidung der Jury beigetragen.

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Insbesondere dessen 1000 Seiten starker Roman „Frohburg“ hatte zur Entscheidung der Jury beigetragen, der neben etlichen Journalisten Linde Rotta angehört, Schriftstellerin und Witwe Erich Loests, die ver.di-Bundesbeauftragte für Kunst und Kultur Regine Möbius sowie der Schriftsteller Josef Haslinger.

Aus der Begründung zitiert Jury-Chef Hartwig Hochstein: „Auf seiner tausendseitigen Zeitreise verbindet Guntram Vesper den Mikrokosmos seiner Familie mit den großen historischen Ereignissen, das kleine Frohburg mit den Schauplätzen gesellschaftlicher und politischer Veränderungen.“ Dabei entlarve er „anhand einzelner Schicksale zur Nazi-Zeit oder in der DDR die Verlogenheit der diktatorischen Regime – ohne bloßzustellen, ohne zu beschönigen und ohne zu verurteilen.“ Ganz im Sinne Erich Loests sei dieser dichtgewebte menschliche und damit hochpolitische Stoff.

Der 1000-Seiten-Autor macht es kurz

Ganz im Sinne Erich Loests, der in sein Tagebuch notierte, bei Preisverleihungen blicke jeder Gast verstohlen zur Uhr, macht Guntram Vesper es in seiner Dankesrede „so kurz wie möglich“. Aus seinen Worten schillert der Schreiber, auch der Chronist tritt deutlich hervor. Eine „bücherkranke Leseratte“ sei er schon immer gewesen, erzählt Vesper und streift „eine schwindelerregende Entwertung des Durchschnittsbuches“, als er vom Alltag seines Antiquars erzählt und andererseits das Gefühl beschreibt, das ihn selbst erfasst, als ihm „Wildtöter und große Schlange“, Loests Bearbeitung von Coopers „Lederstrumpf“-Erzählungen, in die Hände fällt, „für einen Dreivierteleuro“. Eine „Woche im Hochgefühl“ sei das gewesen – „über den Schatz selbst und weil ich ihn vor Regen und ahnungsloser Begrapscherei gerettet hatte“.

Wie wohl es tut, wenn Sätze derart über Bücher streichen. Vesper beschreibt seine literarische Sozialisation auch über Günter Grass, Martin Walser, deren Romane „Die Blechtrommel“ und „Halbzeit“, beide „durchaus wundersam und zugleich griffig für einen Heranwachsenden“. Später dann Loest. Er taucht, auf einer tatsächlichen Begebenheit beruhend, in Vespers „Frohburg“ auf. Die Idee, den 15 Jahre älteren Kollegen in sein Buch aufzunehmen, habe ihn regelrecht beglückt. Der aber hatte davon nie erfahren. Denn „Frohburg“ gab es nur auf Zetteln, nur im Computer. „Das ganze Gewebe, den ganzen Teppich“ hätte Vesper gern gezeigt – ihm, Loest, der „Jahrhundergestalt. Schrundig wie das 20. Jahrhundert, nicht glattgehobelt, nicht mit des Kaisers neuen Kleidern behängt, dabei aber feinfühlig, sanft ironisch, stark lakonisch und vor allem ein sehr gewichtiger Schriftsteller und Chronist.“

"Plädoyer für eine Erinnerungskultur"

Genau in diesem Andenken möchte die Medienstiftung der Sparkasse die Intention verstanden wissen, mit ihrem mit 10 000 Euro dotierten Preis Autoren zu würdigen, „die die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Deutschland nicht nur beschreiben, sondern mit ihrer Stimme den demokratischen Diskurs mitgestalten“. Zudem sollen die Preisträger dem mitteldeutschen Raum verbunden sein.

Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig und der Medienstiftung, sieht in Guntram Vesper also „einen würdigen Preisträger für den ersten Erich-Loest-Preis“, und er würdigt den Roman „Frohburg“ als ein „Buch wider das Vergessen. Ein ungemein lebendiges Plädoyer für eine Erinnerungskultur.“ Geboren im Dritten Reich, aufgewachsen in der DDR und in der Bundesrepublik lebend, schildere der Autor als Beobachter und Zeitzeuge seiner Generation die Erfahrungen und Erlebnisse des 20. Jahrhunderts.

Dies gehört zu dem, was Loest und Vesper, zwei „Romanciers der deutschen Teilung“, eint, wie Andreas Platthaus, Jury-Mitglied und Stellvertretender Feuilleton-Chef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, in seiner Laudatio auf eigentlich beide betont. Beide teilen „die Liebe zu ihrer beider sächsischen Heimat“, beide galten der DDR als Staatsfeinde. Er nennt sie Brüder im Geiste, in Haltung, in Heimatliebe. Bescheinigt ihnen ein „gegenüber jeder Nostalgie und Ostalgie immunes Hinsehen und -hören“. Bei Vesper sei die Ausreise der entscheidende biographische Bruch, sein ganzes Werk stehe im Zeichen der Erinnerung an die verlorene Heimat. Und Platthaus verweist ausführlich auf Vespers 1985 erschienenen Lyrikband „Frohburg“. Denn: „Wenn man den Roman verstehen will, dann sollte man die Gedichte gelesen haben“, in denen bereits Selbstgesehenes und Überliefertes zusammenfinden. „Vesper versteht sein Schreiben als Korrektiv einer verordneten Weltsicht.“ Und er hat im Roman, so Platthaus, Erich Loest „implizit zu seinem literarischen Lehrer erklärt“.

Grass und Walser haben ihre Bücher signiert, die bei Guntram Vesper in Görringen im Regal stehen, der eine knapp, der andere knapper. Und was hat Loest 1988, vor 29 Jahren, in das Exemplar „Durch die Erde ein Riss“ geschrieben: „Das Zentrum von Mittweida – Leipzig ist Frohburg“. Was für ein Geschenk.

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