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HGB-Kunststudenten präsentieren Installation zur Flüchtlingsroute über den Balkan

Rundgang in der Hochschule für Grafik und Buchkunst HGB-Kunststudenten präsentieren Installation zur Flüchtlingsroute über den Balkan

Der Container auf dem Hof der Hochschule für Grafik und Gestaltung beinhaltet beim diesjährigen Rundgang eine intermediale Installation. Zwei Kunststudenten wollen die Betrachtenden näher zu den flüchtenden Menschen auf der Balkanroute bringen.

Die Kunststudenten Jan-Helge Aisenbrey und Cajetan Scheliga haben die Balkanroute in ihrem Kunstprojekt dargestellt.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Zu zweit darf der Container betreten werden – ohne Schuhe, damit der Weizen unter den Füßen zu spüren ist. Ein Bild, eine Lampe und zwei Kopfhörer sind in dem engen Raum, ein Sack Weizen dient als Sitzgelegenheit. Jan-Helge Aisenbrey und Cajetan Scheliga, Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), haben sich eine etwas andere Betrachtung des Flüchtlingsthemas für ihr Kunstprojekt überlegt. „Ich war im November vergangenen Jahres mit einem Hilfskonvoi auf der Balkanroute unterwegs“, sagt Aisenbrey.

Als Balkanroute werden zusammenfassend die Strecken gemeint, die über den Balkan vom Nahen Osten nach Europa führen. Der Hilfskonvoi, mit dem Aisenbrey unterwegs war, war privat organisiert. Aus einigen Regionen Deutschlands sind solche Hilfsgruppen mit privaten Fahrzeugen auf der Balkanroute unterwegs. Aisenbrey kam der Wunsch, das gesammelte Material über die flüchtenden Menschen nicht nur als klassische Dokumentation zu verarbeiten.

Zusammen mit Cajetan Scheliga sichtete er seine Aufnahmen. Dadurch entwickelte sich die intermediale Installation. „Wir wollen etwas machen, bei dem sich die Menschen Fragen stellen, es soll keine sachliche Darstellung sein“, erklärt Aisenbrey. Die Distanz zwischen den Flüchtenden und dem Betrachter soll durch das Erleben mit allen Sinnen in der Installation verschwinden. „Der Weizen ist ein zentraler Aspekt“, sagt Aisenbrey. Der Container ist vom Geruch des Weizen erfüllt, er kann gefühlt werden – gleichzeitig sind über die Kopfhörer Ausschnitte der Aufnahmen zu hören, die Aisenbrey auf dem Hilfskonvoi gemacht hat. Die Flüchtlinge haben keinen Zugang zu der Ware Weizen und damit nicht zu Nahrung, so eine der möglichen Interpretationen.

Unter anderem viele Arbeiten rund um das Thema Flucht und Migration präsentieren die Studenten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) beim Rundgang 2016. Die Schau wurde am Donnerstag eröffnet und geht wie jedes Jahr bis zum Sonntag.

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„Die Interpretation ist aber sehr frei, sie wird von uns nicht vorgegeben“, sagt Aisenbrey. Einige kamen aus dem Container und haben die starken Parallelen zu den Flüchtlingen nicht gezogen, andere wussten sofort, worauf die einzelnen Elemente anspielen. „Wir wollten die Flucht nicht direkt deutlich machen“, sagt Cajetan Scheliga. Sie hoffen, ein breit gefächertes Publikum zu erreichen – und dass sich die Betrachter danach Fragen stellen. „In den Medien werden ja nur punktuelle Momentaufnahmen gezeigt. Darin sind aber die ganzen Strapazen der Flüchtenden nicht zu erkennen. Es sind eigentlich nur erschöpfte Menschen, die um Hilfe bitten“, erklärt Scheliga. Als Strapazen zählen die beiden Kunststudenten unter anderem die derzeitigen Minusgrade auf, den Verlust von geliebten Menschen auf der Fluchtroute, den Nahrungsmangel.

Die intermediale Installation soll möglichst auch nach dem HGB-Rundgang bestehen bleiben. „So lange, bis der Container von einem anderen Studenten gebraucht wird“, sagt Aisenbrey. Der private Hilfskonvoi, mit dem er unterwegs war, hat den Flüchtlingen unter anderem Karten zur Verfügung gestellt, sowie Bücher mit den geläufigsten Phrasen.

Wer nach dem HGB-Rundgang einen Blick in die intermediale Installation werden will, kann sich per E-Mail bei Jan-Helge Aisenbrey melden: jha@hgb-leipzig.de

Von Andrea Schrader

Leipzig, Wächterstraße 11 51.333406 12.367836
Leipzig, Wächterstraße 11
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