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Halbzeit beim Filmfestival in Venedig - Warten auf Tom Tykwer

Halbzeit beim Filmfestival in Venedig - Warten auf Tom Tykwer

Venedig. Starke Frauen, leichte Komödien, einsame Seelen und etwas Politik - der Wettbewerb des diesjährigen Internationalen Filmfestivals in Venedig hat eine überraschend abwechslungsreiche erste Halbzeit hingelegt.

Stars wie Catherine Deneuve, Jessica Alba und Natalie Portman sorgten für etwas Glamour-Rummel, während sich Regisseure wie Sofia Coppola, François Ozon und Julian Schnabel in das Rennen um den Goldenen Löwen stürzten. Ein klarer Favorit hat sich allerdings nach der guten Hälfte der 24 Wettbewerbsfilme noch nicht herauskristallisiert. Noch bleibt es bis zur Preisvergabe am Samstag spannend, auch für Tom Tykwer, dessen Film „Drei“ noch kommt.

Eins zeigt sich bislang aber klar: Politik spielt am Lido in diesem Venedig-Jahrgang bislang kaum eine Rolle, gibt höchstens ab und zu den dramatischen Hintergrund ab. Julian Schnabel, Regisseur von „Schmetterling und Taucherglocke“, erzählt in „Miral“ eine generationenübergreifende Geschichte aus Palästina und Israel - indessen enttäuschend oberflächlich und einseitig. Und auch der chilenische Beitrag „Post Mortem“ von Pablo Larraín erwähnt die Umstände um Salvador Allendes Tod beim Militärputsch nur am Rande.

Etwas politischer wurde da der Überraschungsfilm, der am Montag bis zur ersten Vorführung geheim gehalten worden war. In „The Ditch“, was so viel bedeutet wie „Der Graben“, zeigt der chinesische Regisseur Wang Bing ein Arbeitslager in der Wüste Gobi. Dort schuften sich im Jahr 1960 viele Chinesen, verbannt von der kommunistischen Führung für ihre angeblich „rechten“ Ideen, zu Tode oder verhungern elendig.

Es sind beklemmende Bilder, die Wang Bing einfängt: ausgemergelte Männer, die im Dreck und unter menschenunwürdigen Zuständen leben. Männer, die in ihrer Not nicht nur Ratten essen, sondern auch das Erbrochene der Mitgefangenen und sogar Fleisch der Toten. Explizite Kritik äußert der für Dokumentationen bekannte Regisseur allerdings nicht, er lässt seine Bilder sprechen. Und die gehen unter die Haut.

Brutal bis an die Grenze des Erträglichen geht es auch in „Essential Killing“ des Polen Jerzy Skolimowski zu. Auf einem CIA- Flug nach Europa entkommt der Afghane Mohammed (Vincent Gallo). Er versucht verzweifelt, sich von den Häschern nicht wieder einfangen zu lassen und schlägt sich mordend irgendwo in weiten osteuropäischen Wäldern durch. Solch ein Film um den extremen Überlebenskampf eines fernab der Heimat Gejagten könnte dem Präsidenten der diesjährigen Jury, dem US-Starregisseur Quentin Tarantino, durchaus gefallen.

Bislang dominierten in Venedig ansonsten klar die Frauen, auf der Leinwand und hinter der Kamera. Catherine Deneuve bewies in François Ozons Komödie „Potiche“ auf äußerst unterhaltsame Weise, dass Frauen die besseren Unternehmens-Chefinnen sein können und dabei nicht an Attraktivität verlieren müssen. Eine Paraderolle für „die Deneuve“.

Die US-Regisseurinnen Sofia Coppola und Kelly Reichardt hingegen gaben ein weiteres Thema des Wettbewerbs vor: Einsamkeit. Coppola bewies nach „Lost in Translation“ mit „Somewhere“ einmal mehr ihr Talent, triste Lebensstimmungen beklemmend-berührend einzufangen - in diesem Fall Stephen Dorff als Schauspieler, der sich der Leere seines Lebens bewusst wird. Und Reichardt lässt in „Meek’s Cutoff“ Michelle Williams als Siedlerin durch die USA stolpern, von einem Führer auf eine falsche Fährte geführt und verloren in den Weiten eines noch fremden Landes. Frauen, die leiden oder sich verirren, aber auch kämpfen und lieben: Sie tauchen immer wieder in den Filmen auf.

Doch auch die zweite Festival-Halbzeit verspricht einen guten Wettbewerb: Isabella Rossellini spielt in „Die Einsamkeit der Primzahlen“, der teilweise in Deutschland gedreht wurde, und Dustin Hoffman soll für „Barney’s Vision“ von Richard Lewis an den Lido kommen. Fans des deutschen Kinos warten dagegen gespannt auf Tom Tykwers „Drei“ am Freitag - möglicherweise sichert sich die Dreiecksgeschichte noch auf den letzten Metern einen Löwen?

Aliki Nassoufis und Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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