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Handarbeit: Gitarrenvirtuose Joe Satriani vor 700 Besuchern im Haus Auensee

Handarbeit: Gitarrenvirtuose Joe Satriani vor 700 Besuchern im Haus Auensee

Schnell, schneller, Satriani. Mit wahnwitzigen Tonfolgen hat der Ausnahmegitarrist am Montagabend im Haus Auensee 700 Zuschauer in Atem gehalten. Es soll ja Fans geben, die an Joe Satrianis Lippen ablesen, welches Lied seine Finger spielen.

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Staunt er selbst über seine Finger? Offenen Mundes dehnt und tappt Joe Satriani im Haus Auensee die Saiten.

Quelle: Wolfgang Zeyen

n. Genau genommen ist es sogar das gesamte Gesicht dieses wahnsinnig guten Gitarristen, das während seines Leipziger Konzerts unaufhörlich spricht. Abgesehen von den Stimmbändern freilich, selbst wenn der Mund fast immer offen steht. Als staune der Mann selbst, was sein Instrument da wieder für Kapriolen schlägt.

Die eher seltenen tiefen Töne scheint Satriani mit Kinn und Unterlippe vom Bühnenboden aufzulesen. Die hohen Legato-Läufe, aus denen er die meisten der Hochgeschwindigkeitssoli formt, pflückt offenbar seine Nasenspitze von der Decke des Saals. Wer weiß, wie seine Augen die filigrane Handarbeit spiegeln? Es muss wohl einen Grund haben, dass Satriani die Sonnenbrille in keiner Sekunde der zwei Konzertstunden absetzt.

Nachdem im Vorprogramm der 24-jährige Engländer Oli Brown äußerst hörenswert gebluesrockt hat, beginnt das Saiten-Spektakel Punkt 21 Uhr originellerweise mit einem Schlagzeug-Solo. Punkt 23 Uhr werden die vier Musiker für diesen Abend letztmals freundlich von der Bühne winken, und diese Pünktlichkeit ist von Aussagekraft: Sie charakterisiert auch die Musik.

Wobei die technische Perfektion zumindest zu Beginn, in der fast 20 Jahre alten Nummer "Cool No. 9", überhaupt nicht auf Kosten des Grooves geht. Was nicht zuletzt der bemerkenswerten Trommelei Marco Minnemanns und dem unaufgeregten Spiel des Bassisten Bryan Beller geschuldet ist. Bei "Unstoppable Momentum", dem Titellied des aktuellen Albums, stellt sich heraus, dass Keyboarder Mike Keneally nebenbei ebenfalls begnadeter Solo-Gitarrist ist. Zweistimmig jagen er und sein Chef die Melodiebögen durch die Halle.

Die 56 Jahre alte Hauptperson wird ohnehin dafür bezahlt, das geneigte Publikum in Staunen zu versetzen. Es ist ja nicht nur das unfassbare Tempo, es sind auch all die Mugger-Effekte, die er virtuos wie wenig andere Gitarristen beherrscht. Immerzu fließen die Töne: weil Satriani die Saiten wahlweise dehnt oder mit den Fingerkuppen beider Hände drauf tappt, gern auch unter Einsatz des Tremolos.

Satrianis Spezialität aber, die er als Lehrer so unterschiedlichen Schülern wie Kirk Hammett, Tom Morello und Steve Vai beibrachte, besteht darin, die Note einer schwingenden Saite urplötzlich in ihren Oberton umschlagen zu lassen. Und all das sieht zwar wie erwähnt nicht im Gesicht, aber sehr wohl an den Fingern unverschämt einfach aus. Ist es natürlich überhaupt nicht. Allenfalls an den Luftgitarren, deren zahlreiche Spieler im Raum Satriani mit Plektren versorgt.

Auf Dauer eintönig ist nur, dass der Klang beinahe durchweg verzerrt bleibt. Liegt's am Selbstverständnis als Rocker? Ohne Distortion wäre die Musik jedenfalls noch näher am Jazz. Schade auch, dass die Geschwindigkeit allmählich doch zu Lasten des Grooves geht. Wenn die Band das Tempo hingegen ausnahmsweise drosselt, ist der Grat zum Kitsch leider schmal. Die Ballade "Cryin'" hört man trotzdem gern. Ebenso "Surfing With The Alien" aus dem Frühwerk am Schluss.

In den Zugaben macht Satriani charmant deutlich, dass die Gitarre für ihn schlicht die Funktion eines Sängers erfüllt. Was auch bedeutet, ein paar Töne vorzugeben, die die Menge nachsingt. Hinter ihre Akkuratesse setzt das Quartett noch beim "Summer Song" ein Ausrufezeichen, in dem Satriani (fast) synchron zu einer früheren Video-Aufnahme soliert, die auf die Leinwand projiziert wird. Vorm pünktlichen Ende erklingt noch das schönste Lied, das heißt wie Frau Satriani: "Rubina" zeichnet sich durch einen Rhythmus aus, der langsam und trotzdem atemraubend ist, vor allem aber durch eine Gitarre, die endlich mal nicht verzerrt plärrt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.06.2013

Mathias Wöbking

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