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Hans Liberg über den deutschen Humor: „Hier wird ja regelrecht gebrüllt“

Klavierkomiker Hans Liberg über den deutschen Humor: „Hier wird ja regelrecht gebrüllt“

Er ist Pianist, Komponist und Komiker. Am 1. April spielt der Niederländer Hans Liberg im Haus Leipzig. Im Interview spricht der 61-Jährige über europäische Humor-Unterschiede, Mozart und Königin Beatrix.

Vernindet Spaß mit Musik: Hans Liberg kommt nach Leipzig.

Quelle: Thomas Mayer

Leipzig. Wäre es nach seinem Sohn gegangen, hätte das Publikum von Hans Liberg heute wohl kaum etwas zu lachen. „Du spielst so schön Klavier, aber warum redest du immer dazwischen?“ hat der Vierjährige den Vater verständnislos gefragt. Er redete weiter. Und so spielt der 61-jährige Niederländer auch in seinem neuen Programm „Attacca“ wieder bestenfalls ein paar Takte eines bekannten Werkes an – um dann nahtlos in den Klassiker einer ganz anderen Epoche zu wechseln. Am 1. April tritt der Klavierkomiker in Leipzig auf.

Sie haben schon vor fünf Jahren Ihre Autobiografie veröffentlicht. Wie ist das denn jetzt in Ihrem Programm in Leipzig: Erfahren wir da Privates und Intimes aus dem Leben des Hans Liberg?

Was ist privat? Ich habe keine Geheimnisse, schließlich mache ich ja auch nichts Besonderes. Ich sammle Ideen und kreiere daraus eine Show. Darüber hinaus lebe ich im Wald, habe drei Hunde und drei Kinder, und meine Frau ist eine Künstlerin – nein, wir führen wirklich kein wahnsinnig spektakuläres Leben.

Auf Deutsch gelingen Ihre Witze bestens, doch Ihr Programm spielen Sie ja auch in England und Frankreich – beherrschen Sie deren Sprachen ebenso charmant, dass die Pointen auch dort zünden können?

Das ist nicht so schwer. Jedes Land hat seine Kultprodukte wie hier etwa Götterspeise – man muss eben nur wissen, wie es dort genannt wird. Das gleiche gilt für die Politiker: Jedes Land hat seinen Geert Wilders, seine rechten und linken Parteien – das ist nicht schwer zu übersetzen.

Und wie sieht es mit den Reaktionen des Publikums aus – wie unterscheiden die sich von Land zu Land?

Musikerkollegen, die mich zum ersten Mal in Deutschland begleiten, sind oft erstaunt über den Lärm des Publikums hier. Bei uns in Holland wird auch gelacht, aber hier wird ja regelrecht gebrüllt. Ich denke, das hat auch etwas mit der deutschen Mentalität zu tun: Da soll genossen werden, das soll ein super Abend werden.

Und der Holländer genießt nicht so ausgelassen?

Bei uns muss der Künstler jedes Mal aufs Neue wieder zeigen, was er kann, anfangs herrscht da immer Reserviertheit vor. In Deutschland und England hingegen folgt einem das Publikum, wenn man sich einmal erfolgreich bewiesen hat – entsprechend schneller wird auch die Stimmung aufgebaut.

Wie ist es mit der Musik?

In Deutschland habe ich natürlich den glücklichen Zufall, dass hier die Musik sehr wichtig ist – viel wichtiger als für die Holländer. Es läuft ein Musik-Meridian um die Welt und der geht leider nicht über Holland – wir sind kein so musikinteressiertes Volk. Die Deutschen haben einfach ein größeres Wissen: Wenn ich da musikalische Pointen mache, dann kommt das besser an.

Aber die holländische Königsfamilie versteht Ihre Musikwitze doch sicherlich, oder?

Königin Beatrix ist jedenfalls musikalisch gut erzogen worden – anders übrigens als ihre Mutter Juliana.

Die Deutschen trennen auch zwischen U- und E-Musik – wo ordnen Sie sich denn ein?

Ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen, aber auch mit Popmusik und kannte etwa alle diese Hausfrauen-Musikprogramme im Radio auswendig. Insofern habe ich von beiden Seiten etwas – was sich ja eigentlich auch so gehört: Mozart hat auch Volksmusik gehört und diese auch benutzt.

Nicht nur Mozart.

Nein, es gab damals zahlreiche beliebte Melodien, die aufgegriffen wurden. Die Komponisten wussten schon ganz genau, was auf der Straße los war – was ja auch ein Grund für ihren Erfolg quer durch alle sozialen Schichten gewesen ist.

Trotzdem noch mal die Frage: Woher rührt die strikte Trennung zwischen E- und U-Musik in Deutschland?

Ich traue mich das gar nicht zu sagen, denn nachher mache ich mir dadurch noch viele Feinde. Vielleicht hat es etwas mit dem deutschen Satz zu tun, „Ordnung muss sein“.

Für Sie und Ihr Programm ist diese strikte Trennung aber eher von Vorteil, oder?

Ja, einfach weil man die Musik hier so schätzt. Und wenn dann ein Holländer kommt und versucht, mit Stil Humor und Musik zu verbinden, dann kommt das gut an. Nicht zuletzt, weil wir Holländer hierzulande den Ruf genießen, locker zu sein.

Sie sind für Ihre Verdienste zum „Ritter des Ordens vom Niederländischen Löwen“ geschlagen worden. Was hat man davon?

Vor allem gilt es, die anderen Ritter zu unterstützen: Wenn etwa ein anderer Ritter kein Geld mehr hat, muss ich ihm helfen.

Falls eines Tages also auch ihr Landsmann André Rieu zum Ritter geschlagen werden sollte, könnten Sie in die Verlegenheit kommen, ihm unter die Arme greifen zu müssen anstatt wie bislang über ihn in Ihren Shows zu lästern?

Ja, dann müsste ich André Rieu unterstützen – aber zum Glück gibt es ja noch viele andere Ritter.

1. April im Haus Leipzig, 20 Uhr, Karten (35,35-44,15 Euro) im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen sowie online auf lvz-ticket.de

Von Christoph Forsthoff

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