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Harte Bandagen in der Welt der Träume

Harte Bandagen in der Welt der Träume

Es sind grauenhafte Alpträume, die Marie heimsuchen, seit sie im Traum das Tor geöffnet hat. Und sie ist nicht allein mit diesem Schicksal.

Denn seit nichts mehr die Dämonen von der anderen Seite des Schlafes zurückhält, suchen sie jeden heim. Niemand kann mehr schlafen. Die Welt steht am Abgrund - die Zeit ist reif für ADI, für All Day Industries, die allmächtige Firma des größenwahnsinnigen Dr. Puck, die für viel Geld Schlaf verkauft und wirbt mit dem sinnigen Slogan: "Schlafen Sie nicht, wenn Sie müde sind! Schlafen Sie, wenn sie Lust dazu haben."

Auf dieses verführerische Angebot war Maries Vater, der überaus erfolgreiche und entsprechend gefragte Filmmusik-Komponist Hannes, schon zuvor zurückgekommen. Doch eine ADI-Intrige hielt ihn im Traum gefangen, und um ihn zu befreien, musste Marie das Tor öffnen. Nun sieht sie, was sie dabei angerichtet hat - und dass sie das wieder in Ordnung bringen muss, versteht sich ja von selbst. So wird der Leser Zeuge eines atemlosen Zweikampfs, bei dem sowohl in der Welt der Träume als auch in der realen mit harten Bandagen gekämpft wird.

Marie Marne hat es dabei vor allem mit Mr. Phisto zu tun, dem abgrundbösen ADI-Faktotum, "Mr. Phisto. Was für ein alberner Name! Wie konnte man sich nur so nennen!" lässt Christoph Werner Dr. Puck sinnieren. Eine Frage, die den Schlaf-Magnaten nicht über seinen eigenen Namen aus dem Niemandsland zwischen Eishockey und Geisterwelt nachdenken lässt und auch den Autor des Buches nicht inspirierte, sich etwas weniger pädagogisch beflissene Namen für sein Personal einfallen zu lassen, das überdies in Straßen wohnt, die nach großen Psychoanalytikern benannt sind.

Doch vielleicht hat der 1964 geborene Theaterregisseur und Intendant des Puppentheaters in Halle bereits den Einsatz seines Buches im Schulunterricht fest in den Blick genommen, wo derlei sanfte Symbole ja allzu gern entschlüsselt werden.

Den Schülern wäre es jedenfalls zu wünschen. Denn "Marie Marne und das Tor zur Nacht" ist, weil die Botschaft sonst nicht mit erhobenem Zeigefinger verkündet wird, ein fesselndes Jugendbuch geworden - nicht nur für Jugendliche. Spannend poetisch, weise, leicht und flüssig, elegant und gekonnt nimmt die Handlung ihren Lauf. Düster, in beinahe barocker Wucht türmen sich dazwischen die Mauern grauenvoller Träume, in denen Marie und Mr. Phisto schließlich die Weichen stellen für den Fortbestand der Welt und der Menschheit. Und der Phantasie. Denn, sagt der Traumforscher Monroe zu Marie: "Wenn wir wach sind, teilen wir die Wirklichkeit mit allen, wenn wir träumen, erschaffen wir eine ganz eigene Wirklichkeit, eine, die nur uns gehört."

iChristoph Werner ist am 13. März, 12.30 Uhr, in der LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse (Halle 5, Stand A100)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2014
Korfmacher, Peter

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