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Haushaltssperre: Der Anker in Leipzig-Möckern wartet auf die dringende Sanierung

Haushaltssperre: Der Anker in Leipzig-Möckern wartet auf die dringende Sanierung

Risse in der Wand, abblätternde Farbe und Schimmelpilz: Die Büroräume des Veranstaltungszentrums und Jugendtreffs Anker in Leipzig-Möckern sind marode. Am Gebäude in der Wolffstraße wurde seit der Wende nichts gemacht.

Leipzig. „Wir haben drei Büroräume. In dem einen gibt es Schimmelpilz, in dem zweiten keine Heizung, so dass dieser nur im Sommer genutzt werden kann", sagt Heike Engel, Anker-Geschäftsführerin. „Bei warmen Temperaturen arbeite ich trotzdem oft im Freien, da im Büro nicht für alle Mitarbeiter Platz ist."

Der Dachboden des Gebäudes müsse nach jedem Sturm kontrolliert werden, da es fast immer durch das baufällige Dach regne. „Dann kommen die Dachdecker und reparieren es notdürftig. Das hält dann bis zum nächsten Sturm", erklärt Heike Engel. Zudem müsse auch der große Veranstaltungssaal in der Renftstraße renoviert werden: Das Parkett ist so dünn, dass es nicht mehr abgeschliffen werden kann, und die Galerie kann nicht genutzt werden. „Zumindest herrscht bei uns keine Einsturzgefahr", betont Engel.

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Leipzig. „Die Lage ist katastrophal“, sagt Heike Engel. Die Geschäftsführerin des Anker fürchtet um die Existenz des soziokulturellen Zentrums in Leipzig-Möckern. Durch Verzögerungen beim Start der Sanierungsarbeiten drohen dem Club in diesem Jahr erhebliche Einnahmeeinbußen. Die Bagger sollen aufgrund von Planungsproblemen nun statt 2013 frühestens 2014 rollen.

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Wann sich die Situation für das Kulturzentrum bessern wird, ist unklar. „Das Geld für die Sanierung kommt von der Stadt. Wir wissen nur nicht wann" sagt Heike Engel. „Wir haben überhaupt keine Planungssicherheit.“ Die Mittel, die für die Sanierung benötigt werden, sind derzeit einfach nicht zu bekommen. Der Anker stehe auf der Prioritätenliste scheinbar nicht ganz oben.

Sanierung muss verschoben werden

Auch für die CDU-Fraktion im Stadtrat ist das ein Unding. „Wir haben den Eindruck, dass die Verwaltung die notwendigen Arbeiten verschleppt“, sagt Gerd Sklaar (CDU), Mitglied im Stadtbezirksbeirat Nordwest. In einer Beiratssitzung am 12. August sollte über einen angemessenen Ausweichstandort für den Anker beraten werden, erzählt er. „Und dann kam die böse Überraschung: Die Frau vom Kulturamt meinte, eine solche Diskussion sei völlig verfrüht. Schließlich sei noch völlig unklar, wann die Sanierung überhaupt beginnen kann.“  Für die Ratsversammlung am 20. Oktober haben Gerd Sklaar und die CDU-Fraktion deshalb eine Anfrage an die Verwaltung vorbereitet. „Wir wollen wissen, ob es überhaupt noch möglich ist, den Planungsbeschluss in diesem Jahr auf den Weg zu bringen.“

Wie es aus dem Kulturamt heißt, seien die ersten Gelder im diesjährigen Stadthaushalt schon beschlossen gewesen. Aufgrund der angespannten Finanzsituation in Leipzig habe man die Mittel jedoch nicht freibekommen. „Alle Ämter wurden vom Finanzdezernat gebeten, geplante Baumaßnahmen zu strecken“, erklärt die Amtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat. Der Haushaltsplan für 2011 befinde sich derzeit in Aufstellung und jener solle dann auch den Beginn der Planungen der Sanierung enthalten. Nach Rechnung des Kulturamtes könnten die notwendigen Baumaßnahmen am Büro- und Jugendbereich in der Wolffstraße sowie an der Veranstaltungshalle in der Renftstraße somit 2014 – ein Jahr später als ursprünglich gedacht – abgeschlossen sein. Wie Susanne Kucharski-Huniat weiter sagte, seien insgesamt 3,43 Millionen Euro für die Sanierung der beiden Gebäude angedacht, davon allein 545.000 Euro für die Planungsphase.

Schwierige Suche nach Interimslösung

Weiterhin unklar ist noch die Frage nach einer passenden Interim-Lösung für Bürogebäude und die Veranstaltungshalle des Ankers. Denn auch während der umfangreichen Sanierungsarbeiten müssen die Konzerte weiterhin stattfinden. Ein Ausfall wäre für Heike Engel nicht denkbar: „Erst war eine Bauzeit von einem Jahr vorgesehen, jetzt sollen es zwei werden. Aber das geht nicht", sagt sie. Etwa 50 Prozent des Anker-Etats kommen aus Eigenmitteln, sind Einnahmen aus den dort veranstalteten Konzerten. Als bei ersten Sanierungsarbeiten zwischen 2003 und 2004 der Konzertsaal schon einmal geschlossen werden musste, blieben folglich auch die Mieter aus. „Wir haben viele Einnahmen und Kontakte verloren. Manche Veranstalter haben wir erst nach sieben Jahren wieder bei uns begrüßen können."

Die Anker-Geschäftsführerin weiß, dass es kein Interim mit einer Kapazität für 800 Personen geben wird. So viele Zuschauer fasst der große Konzertsaal des Gebäudes, das 1876 als Ballhaus zum Goldenen Anker errichtet wurde. Ihr Vorschlag, der einen Zuschauerschwund schon mit einkalkuliert, ist ein großes Konzertzelt und Container in der Nähe, in denen Büro- und Lagerräume untergebracht werden können. Engel hofft, dass das verantwortliche Kulturamt eine Lösung mit ihr ausarbeiten wird.

Wichtig bei der Suche nach einer Interimlösung sei auch, dass jenes weiter in Leipzig-Möckern einen Platz finde. Täglich kommen Kinder und Jugendlichen aus dem Stadtteil in das Kulturzentrum, um zu töpfern, Musik zu machen oder Theater zu spielen. „Die Polizei und das Ordnungsamt haben uns deshalb gebeten, doch hier zu bleiben", sagt die Geschäftsführerin. In der Zeit, in der der Anker geschlossen ist, werde im Viertel mehr randaliert und gestohlen, als sonst. Die Kinder und Jugendlichen wüssten dann einfach nicht, wohin mit sich selbst, sagt Heike Engel. Das betreffe sogar elementare Grundbedürfnisse. „Viele kommen hungrig und durstig zu uns. Wir verpflegen sie dann", so die Anker-Leiterin. Ein temporärer Wegfall der Angebote hätte somit fatale Folgen für den Stadtteil.

midi/ahr/mpu

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