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Heiß, hart und herzlos - Rammstein eröffnen in der Arena Leipzig ihre Deutschlandtournee

Heiß, hart und herzlos - Rammstein eröffnen in der Arena Leipzig ihre Deutschlandtournee

Keine vier Wochen ist es her, dass dem noch aktuellen Rammstein-Album per offiziellem Richterspruch die Indizierung erspart blieb. Keine vier Tage sind vergangen, seit die neue Single „Mein Land" international erschienen ist und mit der zweideutigen Bekundung „Hier ist nichts mehr frei! Das ist mein Land!" wieder einen stampfenden Schritt auf die Grenzlinie tabuloser Provokation setzt.

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"Made in Germany 1995-2011"-Tour - Rammstein spielen in der Arena Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit 17 Jahren wird die Berliner Band verdammt und vergöttert - für Letzteres fanden sich Donnerstagabend 11.000 Fans in der Leipziger Arena zusammen. Der deutsche Tour-Auftakt zur im Dezember erscheinenden Best-of-Scheibe „Made in Germany".

Unter Ächzen und Jammern, Stöhnen und Krachen bewegt sich der gigantische Industrie-Stahlträger von der Decke herab, sinkt in weißem Rauch über die Köpfe des Publikums, um schließlich eine Brücke zu schlagen - von der Bühnenkante bis zum Mischpult in der Hallenmitte. Am anderen Ende, an der hinteren Eingangs-Treppe, entfacht eine Fackel. Rammstein-Sänger Till Lindemann bringt das Feuer zu den Menschen. Die Stufen hinunter in düsterer Maskerade, fünf musikalische Mitstreiter im Gefolge, einer davon schwenkt - man mag es kaum glauben - die sächsische Flagge. Securities bahnen den Weg durch tausende Fans. Über den Metallkoloss zieht es die härteste aller Allianzen zu ihrem Bestimmungsort.

Umgeben von einer Gewalt an Ton und Krach bricht die Band auf in ein infernales Show-Machwerk aus Flammen, Effekten und verstörend lauten Zerr-Klängen. Riesige Hauben aus dutzenden Strahlern legen sich über den ersten Song „Hier kommt die Sonne". „Alle warten auf das Licht", grollt Lindemann mit rollendem „Rrr" und sendet in zwei Stunden doch eher emotionale Finsternis in die Menge. Rammstein spielen das erste Deutschland-Konzert ihrer Best-of-Tournee, einer Retrospektive aus allem, was seit der Gründung 1994 zu Erfolg geführt hat. „RAMM-STEIN" stöhnt der bullige Frontmann martialisch. Die Gitarren kratzen, das Schlagzeug dröhnt, die Keyboard-Flächen hallen schaurige Chorgesänge und Streicher wider, die Pyro-Effekte knallen so laut, dass das Publikum zusammenzuckt. „Tanzmetal" nennt Rammstein die klobige, brachiale und marschierende Musik mit den schweren Viertelbetonungen, die den dumpfen Pulsschlag eines Stahlkraftwerks mit den kahlgeschlagenen Emotionen einer Atomwüste verbinden.

Beim abendlangen Rückblick auf die Bandbiografie bleibt kein Spektakel außen vor: Funkensprühende Töpfe an Ketten, rotes Blitzgewitter, der riesige Flammenwerfer. Rammstein hat sich riesige Videoleinwände gespart und das Geld in Benzin und Feuerwerk gesteckt. Lindemann, selbst ausgebildeter Pyrotechniker, ist tragender Ideengeber.

Das Spiel mit dem Feuer ist der Band seit ihrer Gründung niemals zu heiß gewesen. Debatten um angeblich rechtsextreme Tendenzen sorgten sowohl bei Berichterstattern wie Verfassungs- und Jugendschützern für ungeteilte Aufmerksamkeit. Beschuldigungen, die sich nie bestätigen ließen und Rammstein noch immer Anlass einer musikalischen Demonstration ihrer Einstellung ist: „Links 2-3-4", marschiert es aus den Boxen in die Ohren und soll die politische Haltung der Bandmitglieder per Titel ein für alle mal verdeutlichen. Auch Vorwürfe der Gewaltverherrlichung und -verharmlosung oder die lyrische Drastik von Themen wie Inzest und Sodomie brachten und bringen die Musiker in den Mittelpunkt inhaltlicher Diskussionen. Den Fans sind solche Zeilen Schlachtrufe. „Du. Du hast. Du hast mich", schreit es aus den Hälsen...

Lesen Sie weiter im E-Paper der Leipziger Volkszeitung: Link zum E-Paper

Tobias Ossyra

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