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Henriette Goldschmidts Urenkel überlässt Leipzig einen kleinen Schatz

Henriette Goldschmidts Urenkel überlässt Leipzig einen kleinen Schatz

Die Henriette-Goldschmidt-Schule bekam am Dienstag lieben Besuch aus den USA: Richard Riggs (72), ein Urenkel der Namensgeberin und Schulgründerin. Er ist mit Ehefrau Lois (70) und Enkelin Elisabeth (14) auf Europareise und hatte sich den Zwischenstopp gewünscht.

Übergabe der Dokumente von Henriette Goldschmidt im Neuen Rathaus in Leipzig. Der Urenkel Richard Riggs übergibt die Dokumente an Thomas Fabian.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Vor zwei Jahren war er im Zuge solch einer Tour zum ersten Mal da. „In unserer Familie waren wir uns lange gar nicht darüber bewusst, wie berühmt unsere Urgroßmutter hier zu Lande ist. In Amerika ist das auch nicht bekannt“, erzählte er. Erst nach dem Tod einer Cousine 2008/2009, die etwas Familienforschung betrieben hatte, sei die Neugier gestiegen. Im Internet hatte Riggs damals geschaut, ob es in Leipzig die Schule der Vorfahrin noch gebe. Und hatte sie dann auch sehen wollen.

Am Dienstag stand er also zum zweiten Mal in der urgroßmütterlichen Wirkungsstätte. Und freute sich über die inzwischen erfolgte Sanierung des 1911 eröffneten Gebäudes, in dem Handwerker in den Fluren derzeit noch kleine historische Wandbrunnen restaurieren. Beinahe andächtig blickte sich Riggs im Foyer um. „Ein wunderbares Gefühl, hier zu stehen und zu sehen, dass das Haus, für das Henriette so kämpfte, alle politischen Wirren überstanden hat“, meinte er, stets die Fotokamera parat, um hier ausgestellte, die Urgroßmutter würdigende Exponate für daheim zu „konservieren“. Freilich auch das 1875 entstandene große Porträt von Malerin Phillipine Wolf-Arndt, dessen Original das Büro von Schulleiter Eberhard Ulm ziert. „Die Malerin“, wusste Ulm zu erzählen, habe sich damals beschwert, dass Henriette Goldschmidt immer zu spät zum Modellsitzen kam und dann viel herumgezappelt hat.

Kennengelernt habe er die Urgroßmutter nicht mehr, erzählte Riggs, dessen Großvater Benno wiederum einer von vier Söhnen war, die der verwitwete Urgroßvater in die Ehe mit Henriette mitgebracht und die sie wiederum wie eigene Söhne aufgezogen hatte. Riggs Eltern selbst flohen 1938 aus Nazi-Deutschland via Österreich in die USA, wo er zur Welt kam. Ein Grund, weshalb der ältere Herr nun unbedingt nochmal nach Leipzig wollte, war der Fund einiger Papiere von historischem Wert aus dem Nachlass seines inzwischen verstorbenen Vaters. „Sie sollten wieder an den Ort ihres Ursprungs“, fand Riggs.

Sozialbürgermeister Thomas Fabian strahlte, als Riggs ihm vormittags im Rathaus unter anderem das handschriftliche Kondolenzschreiben des damaligen Oberbürgermeisters Karl Rothe übergab, das jener anlässlich des Todes von Henriette Goldschmidt am 30. Januar 1920 an die Familie gesandt hatte. Allerdings hatte Ulm am Nachmittag bei der Schulbesichtigung die gut umhüllten alten Papiere wieder unterm Arm. „Wir werden sie erst ein bisschen bei uns hier ausstellen. Aber eigentlich plane ich, das Stadtgeschichtsmuseum zu kontaktieren. Ich finde, das wäre der bessere Platz.“

Ehe Riggs mit Frau und Enkelin morgen die Heimreise antreten wird, geht heute noch ein weiterer Wunsch für ihn in Erfüllung: Erstmals wird er vorm Grab seiner Urgroßmutter auf dem Alten Israelitischen Friedhof stehen können. Und sich sicher freuen. Denn wie berichtet, wurde das ja erst jüngst restauriert. Und was Henriette Goldschmidt selbst anbelangt, wäre sie gewiss ein bisschen stolz darauf, dass ihre pädagogischen Ambitionen über Generationen hinweg nicht so gänzlich versickerten. „Ich will mal Lehrerin werden“, meinte Riggs Enkelin Elisabeth gestern am Rande.

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