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Herbert Grönemeyer in Leipzig - Musiker hält Poetikvorlesung im Alten Rathaus

Herbert Grönemeyer in Leipzig - Musiker hält Poetikvorlesung im Alten Rathaus

Leipzig. Er ist aufgeregt, erleichtert, am Ende geschafft. Herbert Grönemeyer zeigt sich von Anfang bis Ende emotional am Mittwochabend im Alten Rathaus, wo er nicht auf einer Konzertbühne steht, sondern am Pult vor einem Wasserglas, um eine Vorlesung zu halten über „Schreibweisen der Gegenwart".

Es ist sein erstes Mal, sagt er. 500 Fans hängen bei dieser 6. Leipziger Poetikvorlesung im Festsaal und in der benachbarten Handelsbörse vor einer Videoleinwand an seinen Lippen; noch einmal 500 werden es heute Abend im BMW-Werk sein. Viel mehr hatten sich um eine Karte bemüht.

Schon weit eine Stunde vor Beginn wächst die Schlange vor dem Eingangstor. Es geht wohl nicht nur darum, dabei zu sein, sondern auch, ihm nah zu sein, dem Sänger, der locker Stadien füllt und am 11. November zum Clubkonzert ins Haus Auensee kommt. Mehrfach eilen Grönemeyer und seine Security-Schatten durch den vollbesetzten Saal – jedes Mal mit herzlichem Beifall begrüßt und zunehmend auch mit Heiterkeit – weil es offenbar Backstage keine Toiletten gibt.

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Leipzig. Er ist aufgeregt, erleichtert, am Ende geschafft. Herbert Grönemeyer zeigt sich von Anfang bis Ende emotional am Mittwochabend im Alten Rathaus, wo er nicht auf einer Konzertbühne steht, sondern am Pult vor einem Wasserglas, um eine Vorlesung zu halten über „Schreibweisen der Gegenwart". Es ist sein erstes Mal, sagt er. 500 Fans hängen bei dieser 6. Leipziger Poetikvorlesung im Festsaal an seinen Lippen.

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Das sei ihm sehr unangenehm gewesen, plaudert Oberbürgermeister Burkhard Jung aus dem Nähkästchen des Gastes und dann aus dem eigenen: seit 30 Jahren rühren ihn Form, Sprache und Musik, schätzt er die Botschaften, die Grönemeyers Texte überbringen. Weil sie von Leben, Wachsen, Lieben, Altwerden und Sterben, vom Glück und vom Unglücklichsein erzählen – eingebettet in gesellschaftliche Kontexte. Darum passe der Musiker in diese „Veranstaltung von besonderem Format", wie Ulf Großmann, Präsident der Kulturstiftung Sachsens, die gemeinsam mit dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig (DLL) ausgerichtete Poetikvorlesung nennt.

DLL-Direktor Hans-Ulrich Treichel unterhält das Publikum noch mit einem pointierten Abriss über das Wesen von Literatur und Musik, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, bevor wirklich Grönemeyer spricht. Bestens aufgelegt würzt er seinen Vortrag mit Anekdoten und Selbstironie und einem neuen Song am Klavier, mit dem er seine Arbeitsweise illustriert: Am Anfang steht die Melodie. Dazu singt er Kauderwelsch, „um Vers- und Silbenmaß der Melodie auszuloten".

„Und die Texte, Herbert, was machen die Texte?"

Erst wenn das Album musikalisch steht, kommen die Worte an ihren Platz. Das gelingt ihm nur unter Druck: vor einem Packen leerer Schreibblöcke und einem Haufen neuer Stifte. Es ist der Moment, in dem sein Vater fragt: „Und die Texte, Herbert, was machen die Texte?" Die laufen ihm manchmal zu, wie bei „Land unter" oder „Männer", im Normalfall ist es „Kampf und Abenteuer". In dieser Phase läuft er „unter Vollgas". Eigene Texte aber müssen es sein, nur dann fühlt er sich beim Singen „lebendig und kraftvoll".

Er bewundert die deutsche Sprache sehr, sagt Grönemeyer. „gerade weil ich sie für so exakt und genau, intensiv, direkt ans Herz gehend, wundervoll formulierbar und sentimental halte, weil ich verliebt in sie bin, habe ich mich ihr eher schüchtern und zaghaft genähert." Ein überkluger Text „kann eine Melodie lächerlich machen", beschreibt er den Balanceakt, „die Zerstörungskraft ist enorm". Ist der Text wiederum zu schlapp, „macht die Melodie ihm den Garaus". Ganz wichtig sei der erste Satz: „wie die Chili-Schote im Olivenöl für eine Spaghettisoße".

Mit Esprit kommt Grönemeyer über die gesellschaftliche Wirkung von Kunst und die Bedeutung der Sprache für Verständigung zu einem ernsten Schluss. Das Publikum bestätigt begeistert, verstanden zu haben.

Janina Fleischer

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