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Herbert Roths Rennsteiglied ist auch nach 60 Jahren noch populär

Herbert Roths Rennsteiglied ist auch nach 60 Jahren noch populär

„Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land, den Beutel auf dem Rücken, die Klampfe in der Hand“. Als der Komponist Herbert Roth am 15. April 1951 im südthüringischen Hirschbach als Zugabe erstmals das Rennsteiglied anstimmte, erntete er vom Publikum Begeisterungsrufe.

Suhl. Die aus der Feder des Texters Karl „Kaschi“ Müller stammende Liebeserklärung an Deutschlands längsten Höhenwanderweg machten den Volksmusikanten Roth (1926-1983) mit einem Schlag berühmt. Auch 60 Jahre nach jenem denkwürdigen Auftritt, hat das Rennsteiglied nichts von seiner Popularität eingebüßt. In Wandervereinen, geselligen Runden und in Klassenzimmern wird die heimliche Nationalhymne von Thüringen auch heute noch gesungen.

„Mein Vater hätte sich wahrscheinlich nie träumen lassen, dass das Lied so um die Welt geht“, berichtet Tochter Karin Roth von der Verbreitung sogar in Kanada, China oder Russland. Das dreistrophige Volkslied handelt von der Verbundenheit zur Natur und den Erlebnissen beim Wandern auf den Rennsteig. „Es ist sehr eingängig und im Marschtempo geschrieben. Die Menschen haben es gleich angenommen, als sie es gehört haben“, sagt Roth, die inzwischen selbst schon seit 30 Jahren als Volksmusikerin auf der Bühne steht. Und auch bei ihren Konzerten darf der Titel natürlich nicht fehlen.

Für Peter Fauser von der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle in Erfurt steht fest: „Herbert Roth ist mit dem Lied ein Wurf gelungen.“ Es sei Gemüts- und Wanderlied, Heimat- und Heimwehlied und eigne sich sowohl als Hymne wie als Protestsong. „Das Rennsteiglied hat jedoch nicht nur Sehnsüchte artikuliert und Bedürfnisse etwa nach Harmonie und etwas Grünem in den grauen Städten der Nachkriegszeit befriedigt, sondern auch polarisiert“, erinnert Fauser an Ablehnung und Anfeindungen vor allem in den 1950er Jahren.

Denn der singende Friseurmeister aus den Thüringer Bergen war mit seinem Liedgut so manchem Kulturschaffenden und -verantwortlichen  zunächst ein Dorn im Auge. Kleinbürgerliche Gefühlsduselei und Kitsch wurden Roth vorgeworfen, der auch Kritik dafür einsteckte, dass er seine Lieder in Hochdeutsch interpretierte und die Thüringer Mundart vernachlässigte.

1956 zogen sogar Weimarer Musikstudenten gegen einen Auftritt von Roth auf die Straße. „Das war wahrscheinlich die einzige nicht genehmigte Demonstration zwischen dem 17. Juni 1953 und dem Herbst 1989“, sagt Fauser. Der Protest verstummte erst, als das damalige Staatsoberhaupt Walter Ulbricht nach einem Konzert wissen ließ, dass ihm die Musik gefalle.

Mit seinem Ensemble absolvierte Herbert Roth unzählige Fernsehauftritte, Rundfunk- und Plattenaufnahmen sowie mehr als 10 000 Auftritte zwischen Fichtelberg und Kap Arkona. Auch im westlichen Ausland jubelte das Publikum dem Suhler zu. Mehr als 300 Kompositionen hat Herbert Roth geschrieben, darunter zahlreiche Lieder wie „Kleines Haus am Wald“. Doch sein berühmtestes Werk ist und bleibt das Rennsteiglied, das auch sein erster Gesangstitel war. Zuvor hatten Roth und sein Ensemble nur instrumental gespielt.

Es wurde mehrfach interpretiert beispielsweise von Heino, den Wildecker Herzbuben und Peter Schreier. Der frühere Thüringer Verkehrsminister Andreas Trautvetter (CDU) stürmte mit einer aufgepeppten Version des Gassenhauers zum Jahreswechsel 2006 die Hitparade eines Thüringer Radioprogramms.

Dass das Rennsteiglied durchaus auch politischen Charakter trägt, bewiesen im vergangenen Jahres etwa 200 Leute, die singend zu einer Anhörung über die geplante Starkstromtrasse durch den Thüringer Wald zum Landtag in Erfurt zogen. Zur Melodie des Rennsteigliedes intonierten sie: „Wir wandern nicht mehr gerne durchs Land von Mast zu Mast“.

Annett Gehler, dpa

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