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Herrlich dreckiges Schauspiel: Sommerfabrik im Leutzscher Dietzoldwerk

Theater der Jungen Welt Herrlich dreckiges Schauspiel: Sommerfabrik im Leutzscher Dietzoldwerk

Seit Montag proben sie in der verlassenen Dietzoldfabrik in Leipzig-Leutzsch. In der Sommerfabrik des Theaters der Jungen Welt präsentieren acht Theaterclubs am Wochenende ihre Inszenierungen in dem charmant heruntergekommenen Werk.

„Sind schräge Idee letztlich schneller als lange Beine?“ – Der Studentenclub II des Theaters der Jungen Welt probt sein Stück „Sportgarten“.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Eine Gruppe junger Menschen steht in einem düsteren, staubigen Raum. Etwas bläuliches Licht fällt auf ihre Köpfe. Jeder von ihnen macht ein Geräusch, eine Bewegung. Ihre Expressionen greifen ineinander wie die Zahnräder einer Maschine – bis eine von ihnen ausbricht, im Kreis läuft, jeden von ihnen mit sich nach unten reißt und zum Schluss selbst fällt. Der Raum ist die alte Dietzoldfabrik in Leutzsch, und das Leben wird ihr eingehaucht vom Studentenclub III, einer der Theaterclubs des Theaters der Jungen Welt, der gerade das Stück „Werde wer du bist“ probt.

Am Freitag beginnt die Sommerfabrik des Theaters der Jungen Welt. Bis zum Sonntag werden insgesamt 19 Vorstellungen in der Dietzoldfabrik stattfinden, an der acht der Theaterclubs beteiligt sind, sowie ein Gastspiel aus Minden. Seit Montag wurde auf dem Fabrikgelände geprobt. Die Stücke könnten vielfältiger kaum sein: Von einer Kindergruppe, die Krimi spielt, bis zu einem Stück über ein Sommercamp in Lindenau, der „Odyssee ’16“ oder einer modernen Schiller-Interpretation und dem Stück „Leonce und Lena von der Rolle“ des Clubs Altervorschönheit. Torben Ibs, Pressereferent des Theaters der Jungen Welt, betont, dass sowohl in den Theaterclubs als auch im Publikum alle willkommen sind: „Hier geht es um Kommunikation mit allen, in alle Richtungen und offen für alle.“

Die Theaterclubs feilen bereits seit einem Jahr an den Vorstellungen. Die harte Arbeit soll nun ihren Höhepunkt während dem Festival in der ungewöhnlichen, aber aussagekräftigen Spielstätte finden. Ibs erzählt, dass sie lange nach einem passenden Ort für die Sommerfabrik gesucht haben. „Es war gar nicht so leicht, eine Fabrik zu finden, die die richtigen Bedingungen bietet“, erklärt er. Nicht nur sollte das Gebäude getrennte Räume und einen bespielbaren Außenbereich haben, sondern man muss sie auch ausreichend sichern können.

Herrlich schmuddelige Industrieromantik

Mit der Dietzoldfabrik war der richtige Ort gefunden. Sie verfügt über zwei Bühnen unter Dach, sowie eine Außenbühne. Der Gang durch die Fabrikräume verspricht eine ganz besondere Stimmung, in der herrlich schmuddelige Industrieromantik auf moderne Theatertechnik trifft, während die Freiluftbühne, deren seitliche Wand mit Silberfolie verkleidet ist, etwas von einer futuristischen Ruine hat. Der etwas raue, aber ansprechende visuelle Eindruck ist gewollt: Josephine Freund, die den integrativen Club Melo leitet, erklärt: „Es ist toll, dass wir diese Riesenhalle haben, diese Requisite, die nicht so perfekt und schön ist wie im Theater, sondern auch ein bisschen heruntergekommen und dreckig.“ Für das Stück ihrer Gruppe, in der behinderte mit nicht-behinderten Menschen spielen, ist der staubige Außenbereich perfekt: „Staub in den Augen“ ist im wilden Westen angesiedelt. Das birgt auch Herausforderungen: Auf der Außenbühne muss aufgrund der Geräuschkulisse lauter und deutlicher gesprochen werden.

Auch Max Rehberg, Michelle Weiland und Lydia Beister nutzen die Außenbühne. Sie sind Mitglieder des Studentenclub II, der mit dem Stück „Sportgarten“ auftritt. Dort stellt man sich Fragen wie „Sind schräge Ideen letztlich schneller als lange Beine? Und was passiert nachts auf einer einsamen Skischanze?“ Das Stück findet, wie viele sportliche Betätigung, an der frischen Luft statt. „Unser grundsätzliches Motto ist Sport. Die Szenen sind alle spielerisch durch Improvisation entstanden“, erzählt Max Rehberg. Michelle meint lachend, dass man sich bei ihnen auch sportliche Anregungen holen kann. Ob sie verraten können, was nachts auf einer Skischanze passiert? „Ganz mysteriöse Sachen“, erzählt Lydia mit einem Schmunzeln.

Sommerfabrik des Theaters der Jungen Welt, Eröffnung Freitag, 17 Uhr, Samstag und Sonntag jeweils ab 16 Uhr in der alten Dietzoldfabrik (Franz-Flemming-Straße 9), Tageskarte 15/9 Euro, Einzeleintritt 5/3 Euro, Vorbestellung: 0341 4866016; vollständiges Programm: www.tdjw.de

Von Miriam Heinbuch

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